05.02.13

Geldanlagen

Die Gothaer Versicherung will witzig sein

Die Gothaer sitzt in Köln. Dort ist man zum Karneval gerne ausgelassen – und so schickt die Versicherung närrische Anlagetipps. Doch beim "Portfolio Alaaf" bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Foto: dpa

Verkleidete Narren vor dem Dom in Köln
Verkleidete Narren vor dem Dom in Köln

Um 9.11 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ging das Schreiben auf dem elektronischen Postweg im Frankfurter Berliner Morgenpost-Büro ein. Absender: die Vermögensverwaltung der Gothaer Versicherung. "Portfolio Alaaf – Anlagetipps rund um den Karneval" lautet die zunächst noch recht unverfängliche Betreffzeile.

Doch was dann folgt, muss Kunden des Kölner Versicherers in Aufregung versetzen. Die Zeilen lassen erahnen, wie das Unternehmen mit den ihm anvertrauten 27 Milliarden Euro umgeht – gerade zwischen November und Februar. Alkohol und selbst gebastelte Kostüme beeinflussen dabei offenkundig die Anlageentscheidungen genauso wie altbackene Börsenweisheiten.

Lässt sich dank der Lektüre am Ende sogar erklären, warum die Gothaer in diesem Jahr bei ihren Rentenversicherungen nur eine unterdurchschnittliche Verzinsung von 3,5 Prozent bieten kann? Nach Kenntnis dieses Bekennerschreibens darf sich zumindest kein Policen-Inhaber mehr beschweren, er hätte von nichts gewusst.

Wie das Portfolio zusammengestellt wird

Christian Tolle, der Mann heißt wirklich so, seines Zeichens Produktmanager beim Vermögensverwalter des Versicherers, gibt pünktlich zu den angeblich tollen Tagen tiefe Einblicke, wie bei seinem Arbeitgeber die passenden Aktien für das Portfolio ausgesucht werden.

Man muss nur saufen gehen ("SAB Miller oder AB Inbev profitieren vom Durst der Jecken"), billige Klamotten bei H&M oder Inditex kaufen ("Sie bieten zusammen mit Herstellern von Bastelbedarf für kreative Köpfe ein günstiges, improvisiertes Karnevalskostüm") und seinem Körper keine Pause gönnen ("Nicht selten hat das ausgelassene Treiben über mehrere Tage hinweg gesundheitliche Folgen – das kurbelt wiederum die Pharmaindustrie mit Werten wie Bayer oder Novartis an").

Am Ende muss man nur noch in der Lage sein, sich alle Markennamen zu merken, die einem rund um Altweiberfastnacht und Rosenmontag begegnen, und fertig ist das Depot. Doch damit nicht genug der Gothaer-Bekenntnisse: Im nächsten Absatz outet sich der Versicherer zudem noch als großer Anhänger von Börsenliteratur à la André Kostolany: "Niemals alle Eier in einen Korb legen, sondern diversifizieren, um die Risiken zu mindern".

Das müsse auch für das "Karnevals-Portfolio" gelten. Ob sich das auf die Anlagestrategie der Gothaer bezieht, ist nach den vorherigen Zeilen nicht klar. Übersetzt könnte dies genauso bedeuten: Immer eifrig durcheinander trinken und auch körperlich nichts auslassen.

Am Aschermittwoch wird verkauft

Ach ja, noch einen letzten Hinweis gibt der Versicherer: Da die Aktien der erwähnten Großkonzerne echte Karnevals-Gewinnertitel sind, dürfe man nicht vergessen, irgendwann nach Aschermittwoch wieder zu verkaufen. Also spätestens im April, denn "der Mai ist traditionell der schlechteste Monat des Börsenjahres".

Das hat zwar oft nicht gestimmt, aber sollte es auch 2013 anders kommen, könnte allein die Kenntnis dieser Weisheit als Entschuldigung bei dem einen oder anderen Kunden verfangen. Ganz nach der in der Finanzbranche beliebten Devise: Du darfst das Geld deiner Kunden vernichten, aber wehe, du hast später keine passende Ausrede parat.

Quatsch? Ja. Lustig, nein

Alles Quatsch? Ja, das ist alles Quatsch. Das wissen sie sogar bei der Gothaer Versicherung: "Selbstverständlich ist das Ganze mit einem Augenzwinkern zu verstehen, aber dass einige Unternehmen mit dem Karneval ein gutes Geschäft machen, ist kein Geheimnis", wird Tolle zitiert, sichtlich darum bemüht, als Mitarbeiter einer Lebensversicherung endlich einmal für lustige Schlagzeilen zu sorgen.

Manch einen Kunden, zumal außerhalb der Karnevals-Hochburgen, wird diese Pressemitteilung einiger Kölner Pappnasen eher gruseln. Unterdurchschnittliche Renditen sind nicht lustig – und auch nicht, dass für so etwas nicht nur die hauseigene Kommunikationsabteilung, sondern auch noch eine PR-Agentur mit dem Geld der Versicherten bezahlt wird.

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