28.01.13

Vermögen

Börsenrallye macht Deutsche immer reicher

Für Aktionäre war 2012 ein Super-Jahr. Allein im dritten Quartal bescherten Kursgewinne an den Kapitalmärkten den Anlegern ein Plus von 33 Milliarden Euro. Und Analysten sind weiter zuversichtlich.

Die Deutschen haben so viel Geld wie nie: Im dritten Quartal 2012 stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte auf die Rekordhöhe von 4871 Milliarden Euro. Das teilte die Deutsche Bundesbank in Frankfurt mit. Das Plus von 1,3 Prozent oder 64 Milliarden Euro zum Vorquartal geht gut zur Hälfte (33 Milliarden Euro) auf das Kursfeuerwerk an den Börsen zurück und kommt damit vor allem Aktionären zugute.

Die dürften frohlocken: Der deutsche Leitindex Dax legte seither weiter zu. "Und wenn es diese Woche gute Konjunkturdaten aus den USA gibt und Unternehmen in der Berichtsaison gute Ausblicke liefern, kann die psychologische Marke von 8000 Punkten genommen werden", prophezeit Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Halver vernimmt an den Börsen einen "Dreiklang der Glückseligkeit" aus reichlich Liquidität, anziehender Konjunktur und einem Mangel an Alternativen. Die Zinsen dümpeln auf Rekordtief, der Rentenmarkt bietet magere Renditen, meist unterhalb der Inflation. Außerdem dürfte die Europäische Zentralbank die Zinsen noch lange niedrig halten.

Deutsche 2012 fünf Prozent reicher als im Vorjahr

Im Jahresvergleich erhöhten die Privathaushalte in Deutschland ihr Geldvermögen sogar um satte 5,0 Prozent – das ist das kräftigste Plus seit dem ersten Quartal 2010. Dabei wäre noch mehr möglich gewesen. Denn während Dax & Co. kräftig anzogen, waren zahlreiche Sparer im Herbst 2012 weiter durch die Schuldenkrise im Euro-Raum verunsichert. Deshalb schichteten sie ihr Geld um – in Anlageformen, die wenig oder gar keine Zinsen abwarfen, aber vermeintlich risikoarm oder schnell verfügbar sind: Zuflüsse gab es bei Bargeld und Sichteinlagen sowie bei den Ansprüchen gegenüber Versicherungen.

"Die Vermögensbildung über Bankeinlagen einschließlich Bargeld, die mit knapp 20 Milliarden Euro einen Großteil zur Nettogeldvermögensbildung der Haushalte beitrug, ist trotz negativer realer Verzinsung ausschließlich auf Mittelzuflüsse bei den Sichteinlagen zurückzuführen", betonte die Bundesbank.

Aus anderen Anlagen zogen sich private Investoren hingegen zurück. So flossen aus Termin- und Spareinlagen einschließlich Sparbriefen gut acht Milliarden Euro ab. Die Bundesbank begründete diesen Trend mit "dem weiterhin historisch niedrigen Zinsumfeld sowie der allgemeinen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa". Von festverzinslichen Wertpapieren trennten sich die privaten Haushalte im fünften Quartal in Folge, dieses Mal in einer Größenordnung von fünf Milliarden Euro. Auch Investmentzertifikate wurden im Umfang von einer Milliarde Euro verkauft.

Nur die Finanzkrise ließ das Vermögen schrumpfen

Selbst Aktien wurden per saldo nur in geringer Menge von 0,3 Milliarden Euro gekauft. Hingegen legten die Ansprüche gegenüber Versicherungen im dritten Quartal 2012 erneut um rund neun Milliarden Euro zu nach plus 12,5 Milliarden Euro im Vorquartal.

In der Regel wächst das Geldvermögen der Deutschen stetig. Vor 20 Jahren hatte es noch einen Wert von 1926,5 Milliarden Euro, im dritten Quartal 2002 waren es 3517,0 Milliarden Euro. Nur in einigen Krisen gab es Dellen wie zuletzt im dritten Quartal 2011. Damals nagten die Turbulenzen an den Börsen am Wohlstand der Aktionäre. Die Finanzkrise 2008/2009 ließ das Vermögen sogar über einen längeren Zeitraum schrumpfen. Diese Verluste wurden längst wieder aufgeholt.

Quelle: dpa/ww
Foto: Rolls Royce

Der Rolls Royce Phantom verteuerte sich seit 2005 um gut 20 Prozent. Kostenpunkt 2012: Rund 400.000 Dollar.

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Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Profis erwarten Rekordstände
  • Reinhard Hellmuth, I.C.M.

    Wir favorisieren den Gesundheitssektor (Sanofi oder Pfizer); Technologie (Google, SAP), Grundstoffe (Potash, Barrick Gold Corp., Tullow Oil), Deutsche Bank. Prognose: Dax: 10-15 Prozent, Dow: 10 Prozent, Nikkei: 10-15 Prozent

  • Lutz Hering, Damm Rumpf Hering

    Unser Favorit sind die Emerging Markets. Zwar sind die Bewertungen auf ähnlichen Niveaus wie beim Dax, aber bei entscheidenden Faktoren ist diese Region aussichtreicher. Aktien aus Europa, die in den allgemeinen Abwärtsstrudel gezogen wurden, z.B. Telefonica (Minus von 20Prozent im Jahr 2012 übertrieben) Prognose: Dax: 8 Prozent, Dow: 15 Prozent, Nikkei: 10 Prozent

  • Eckhard G. Jess, Dahm & Jess

    Alle Branchen, die von Megatrends profitieren, z.B. aufgrund wachsender Weltbevölkerung die Sektoren Agrar und Gesundheit, Infrastruktur, Rohstoffe. Länder: Deutschland, China, Südostasien. Prognose: Dax: 10 Prozent, Dow: neutral, Nikkei: 10 Prozent

  • Jürgen Mehrbrei, UNIKAT Vermög

    Nachhaltige Geschäftsmodelle mit hohen Markteintrittsbarrieren und auskömmlichen Margen. Solide Bilanzstrukturen. Titel mit nur optisch hohen Dividenden, die aus der Substanz ausschütten (z.B. Dt. Telekom) meiden. Weltweite Streuung mit Fokus auf Asien und Emerging Markets. Europa selektiv ja, USA neutral auch wegen Dollar-Risiken. Einzelwerte: BASF, Dt. Post, Roche, Gazprom, Microsoft, Dt. Börse, McDonald’s, Stora Enso und Teva Pharma. Branchen: Energie, Ölservice, Pharma, Healthcare, Technologie. Prognose: Dax: 8.180 (EuroStoxx: 3.240), Dow:14.050, Nikkei: 12.400

  • Georg Thilenius, Dr. Thilenius

    Wenig zyklische, hauptsächlich konsumnahe und Pharmawerte weltweit. Gerne auch Werte mit Ölreserven. In Deutschland Deutsche Post und BASF, in der Schweiz Roche und Syngenta, in Dänemark Novo Nordisk, in England Associated British Foods. Prognose: Dax und S&P500 dürften dieses Jahr die alten Höchststände von 2007 erreichen. Überschritten werden diese jedoch nachhaltig erst nach mehreren Anläufen, da dort massiver Widerstand liegt.

  • Winfried Walter Schneider,

    Wir bevorzugen Blue Chips aus Mittel- und Nordeuropa mit hoher Preissetzungsmacht, inhabergeführte Nebenwerte (Midcaps) mit starker Position in Marktnischen und die neuen Global Champions aus den Schwellenländern. Grundsätzlich gibt es in jeder Branche gute und schlechte Unternehmen: Es geht darum, die guten herauszufiltrieren. Prognose: global bis zu 10Prozent, deutschsprachiger Raum: positiv; USA: neutral; Japan: total politisch

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