26.01.13

Neuer Aufschwung

Die Rückkehr der fantastischen Drei

Einst beherrschten die USA, Japan und Deutschland die Weltwirtschaft. Dann kamen der Aufstieg der Schwellenländer und die Finanzkrise. Aber jetzt sind die großen Drei zurück – eine Chance für Anleger.

Von Frank Stocker
Foto: Die Welt

Flaggen der USA, Japans und Deutschlands
USA, Japan und Deutschland: Kann es sein, dass wir gerade ein Wiedererwachen der mittelfristigen Wachstumsdynamik in den drei großen ,alten' Volkswirtschaften der Welt erleben, fragt ein Ökonom

Es klingt verrückt. Da ist der Westen angeblich gefangen in Überschuldung, Rezession und einer beginnenden demografischen Katastrophe. Gleichzeitig boomen doch, wie man stets hört, die Schwellenländer, getrieben von einer wachsenden Mittelklasse, von schlauen Staatenlenkern, die das Defizit niedrig halten, und internationalen Investoren, die dort ihr Heil suchen. Doch die Börsen blenden das alles komplett aus.

So hüpfte der US-amerikanische S&P-500-Index am Donnerstag über 1500 Punkte, erstmals seit fünf Jahren. Sein deutsches Pendant, der Dax, nahm am Tag danach die Schwelle von 7800 Zählern, ebenfalls ein Fünfjahreshoch.

In Japan kratzt derweil der Nikkei 225 an der Marke von 11.000 Punkten, auch dort liegen solche Höhen lange zurück. Die Kurse in den Schwellenländern sind dagegen gleichzeitig durch die Bank gesunken. Wieder mal, wie so oft in den vergangenen Monaten.

Wissen die Börsen mal wieder mehr? Nehmen sie, wie schon so oft in der Vergangenheit, einen Trend vorweg, der in der öffentlichen Wahrnehmung noch gar nicht angekommen ist? "Kann es sein, dass wir gerade ein synchrones Wiedererwachen der mittelfristigen Wachstumsdynamik in den drei großen ,alten' Volkswirtschaften der Welt, den USA, Japan und Deutschland, erleben?", fragt denn auch Joachim Fels, Chefökonom bei der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley.

Mit Fonds in alte Bekannte investieren

USA

 

JPMorgan US Select Equity X - WKN: 988428, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 39,80%

 

Wells Fargo US All Cap Growth Fund A - WKN: A0NG2D, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 67,40%

 

iShares S&P 500 - WKN: A0YBR6, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 50,30%

Japan

 

ValueInvest LUX Japan A - WKN: A0D839, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 20,7%

 

Pictet-Japanese Equity Opportunities-P - WKN: A0J4DH, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 17,8%

 

Comstage ETF Nikkei 225 - WKN: ETF020, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 11,5%

Deutschland

 

DWS Aktien Strategie Deutschland - WKN: 976986, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 56,6%

 

LBBW Exportstrategie Deutschland - WKN: 977196, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 43,5%

 

db x-trackers Dax ETF - WKN: DBX1DA, Wertentwicklung (3 Jahre, p.A.): 35,9%

 

Quelle: Morningstar, Stand: 25.1.2013

Die drei Länder beherrschten über Jahrzehnte die Weltwirtschaft. Sie galten seit den 70er-Jahren als die starken Pole, um die der Rest kreiste. Doch in den vergangenen Jahren drängte China nach vorne, seine Volkswirtschaft ist inzwischen größer als jene Japans oder Deutschlands.

Die Jahre, bis die USA überholt werden, sind gezählt. Andere Länder folgten – Indien, Brasilien, Russland. Die drei alten Wirtschaftsmächte waren wie abgemeldet. Doch jetzt scheint es plötzlich, als kämen sie zurück, als finde sich das alte Trio in neuer, alter Stärke wieder zusammen.

Deutschland konnte sich als erster der drei auf die neuen Zeiten einstellen und ist seit einigen Jahren mit neuer Kraft zurück. "Durch einen schmerzlichen Prozess, bei dem die Firmen restrukturiert und die Wirtschaft reformiert wurden, hat das Land im vergangenen Jahrzehnt seine industrielle Stärke zurückgewonnen", sagt Fels. Die Finanz- und die Euro-Krise rüttelten heftig am Gebälk, doch es brach nicht.

Erst am Freitag bestätigte sich dies wieder, als der Ifo-Geschäftsklima-Index einen deutlichen Satz nach oben machte. Das bedeutet: Die Wirtschaft wächst wieder, der Optimismus kehrt zurück. Und das war der Anlass, dass der Dax über 7800 Punkte sprang und nur noch drei Prozent unter seinem Allzeithoch vom Sommer 2007 liegt.

Dax noch 20 Prozent unter seinem Rekordstand

Allerdings klingt der Indexstand besser, als er eigentlich ist. Denn beim Dax werden im Gegensatz zu fast allen anderen Indizes die Dividenden mit eingerechnet. Lässt man sie beiseite, dann notiert er derzeit noch 20 Prozent unter seinem Rekord, während beispielsweise die US-Kurse auch ohne Dividenden nur noch ganz knapp darunter liegen. Sprich: Angesichts der glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland müsste der Dax eigentlich noch weit höher stehen – er hat also noch viel Potenzial nach oben, wenn die Wirtschaft weiter so gut wächst.

Ähnliches gilt für die USA. Denn dort ist eine wahre Revolution im Gange, die jedoch bislang nur am Rande bemerkt wurde. "Die Industrie kehrt zurück", sagt James Swanson, Chefanlagestratege bei MFS, einer großen US-Fondsgesellschaft. Wesentlicher Grund dafür sind die niedrigen Energiekosten. Der Gaspreis beträgt beispielsweise gerade mal ein Viertel des Preises in Europa.

Und dies ist eine Folge der Umwälzungen im Energiesektor des Landes. Überall werden Schiefergas- und Schieferölvorkommen erschlossen, die Förderung aus diesen Quellen stieg in den vergangenen zwei Jahren dramatisch. Einige prophezeien sogar schon, dass die USA in wenigen Jahren ihren Energiebedarf komplett aus eigenen Quellen decken können. Sie müssen also weniger Öl importieren.

Gleichzeitig nehmen die Exporte zu, denn die Produktion in den USA wird durch die günstigen Kosten wieder interessant. In besonders starkem Maße gilt dies für die börsennotierten Unternehmen, denn rund 40 Prozent von deren Produktion geht in den Export, sagt Swanson. Daher steigen deren Kurse auch weitaus stärker, als es die nach wie vor eher bescheidenen Wachstumsraten der Wirtschaft des Landes erwarten ließen. Und die exportorientierten Firmen, vor allem jene aus dem Hightech-Segment, dürften auch in Zukunft zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören.

Warum Japans Aktien wieder lohnen

Schließlich Japan. Das Land hatten die meisten schon seit Jahren abgeschrieben. Wenn nicht gerade ein Erdbeben die Insel erschütterte oder ein Tsunami über das Land fegte, schaute kaum noch jemand dorthin. Lange Zeit konnten immerhin die großen Konzerne noch Erfolge feiern, doch selbst damit schien es zuletzt vorbei. Newcomer aus den Schwellenländern wie Samsung stahlen den alten Schwergewichten wie Sony die Show.

Die Parlamentswahl Mitte Dezember hat nun aber alles auf den Kopf gestellt. Der neue Premierminister Shinzo Abe kündigte einen radikalen Wechsel in der Geld- und Finanzpolitik des Landes an und hat auch bereits erste Pflöcke eingerammt. Die Zentralbank verkündete in der vergangenen Woche, künftig in unbegrenztem Umfang Staatsanleihen aufzukaufen. So soll Japan endlich aus der Deflation geführt werden, Ziel ist eine Inflationsrate von zwei Prozent. Gleichzeitig erreicht die Notenbank damit, dass der Außenwert des Yen deutlich nachgibt. Dies kommt den Exporteuren zugute, die in den vergangenen Jahren unter der starken Währung litten.

"Eine Abwertung des Yen um zehn Prozent erhöht das Wachstum im folgenden Jahr um etwa 0,3 Prozentpunkte", sagt Kiichi Murashima von der Citibank. Er hat daher unmittelbar nach der Ankündigung der Notenbank seine Wachstumsprognosen für dieses Jahr fast verdoppelt, von 0,7 auf 1,3 Prozent. Die Gewinne der Firmen dürften parallel um 25 Prozent steigen, "und dies dürfte wiederum die Investitionen nach oben treiben". Bestenfalls könnte also ein sich selbst tragender Aufschwung entstehen.

Kein Wunder, dass der Tokioter Aktienmarkt seit der Wahl rund 15 Prozent zugelegt hat. Für ausländische Investoren kam zwar als Wermutstropfen hinzu, dass parallel der Yen an Wert verlor, die steigenden Kurse also teilweise aufgefressen wurden. Aber: "Wenn der Yen ein Prozent abwertet, steigt der Nikkei-Index im Schnitt drei Prozent", sagt Ewen Cameron Watt, Chefanlagestratege beim BlackRock Investment Institute. Auch Japan-Aktien lohnen daher wieder.

Quelle: Reuters
03.01.13 1:23 min.
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