26.01.13

Hochzinsanleihen

Anleger machen Jagd auf Mega-Renditen-Fonds

High-Yield-Fonds gehören zu den erfolgreichsten Produkten der vergangenen Jahre: Das Geld geht in alles, was eine schlechte Kreditwürdigkeit bescheinigt bekam. Das Versprechen: anhaltend hohe Gewinne.

Von Karsten Seibel
Foto: Infografik Die Welt

Nur wenige Investment-Alternativen konnten die High-Yield-Bonds schlagen
Nur wenige Investment-Alternativen konnten die High-Yield-Bonds schlagen

Von Junk-Bonds, wörtlich übersetzt Müll-Anleihen, will längst niemand mehr reden. Auch Ramsch oder Schrott verbindet kaum noch ein Anleger mit Hochzinsanleihen. Schließlich konnte man mit kaum einer anderen Anlageklassen in den vergangenen Jahren so viel Geld verdienen, wie mit den riskanten Schuldtiteln.

Laut einer Auswertung des Fondsanalysehauses Morningstar hätte ein Anleger in den vergangenen Jahren schon auf Fonds mit Aktien aus Thailand, Indonesien oder aus der Biotechnologiebranche setzen müssen, um höhere Gewinne einzufahren. Die großen Indizes an den Börsen brachten alle weit weniger.

Seit dem Jahr 2008, als die internationalen Kapitalmärkten von Immobilien- und Bankenkrise durcheinandergewirbelt wurden, legten Hochzinsfonds im Durchschnitt um zehn Prozent pro Jahr zu. Die zunächst verlangten Risikoaufschläge schmolzen dahin, der Erholung der Wirtschaft und der Rückkehr des Optimismus der Anleger sei dank.

Als dann im Vorjahr auch noch die Euro-Krise durch die beruhigenden Worte von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Schrecken verlor, ging gerade bei Papieren von europäischen Emittenten die Rallye weiter. Heraus kam in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus der entsprechenden Fonds von 20 Prozent, weltweit anlegende Produkte können immerhin plus zwölf Prozent vorweisen.

Manche Fondsmanager warten auf günstigere Kurse

"Ich gehe trotz der enormen Renditen im vergangenen Jahr bei den Hochzinsanleihen davon aus, dass sie auch in diesem Jahr eine ordentliche Performance erzielen und keinen großen Rückschlag erleiden", so Omar Saeed, verantwortlich für den High-Yield-Bereich bei Swisscanto. Mit etwas weniger müssten sich die Anleger zufrieden geben, dämpft er die Erwartungen. Sein Haus erwartet eine Korrektur der aktuell hohen Bewertungen.

Mit Käufen weiterer Papiere halte man sich deshalb zurück und warte auf günstigere Kurse. Doch Jahresrenditen von sechs bis acht Prozent seien bei weltweit anlegenden Fonds erneut möglich.

Das größte Risiko aus Sicht des Anleihen-Spezialisten ist leicht ausgemacht: die Schuldenkrise. So schnell die Beruhigung der Lage im vergangenen Jahr für den Höhenflug der Risikobonds sorgte, so schnell kann die Stimmung auch wieder drehen. "Nach wie vor sehen wir in den Peripherie-Ländern der Euro-Zone eine Rezession.

Und auch ein robuster Staat wie Deutschland spürt langsam die Auswirkungen der Sparmaßnahmen in diesen Ländern", sagt Saeed. Anleger müssten deshalb auch 2013 mit Unwägbarkeiten aufgrund politischer Ereignisse und wirtschaftlicher Daten rechnen.

Zur Gruppe der Hochzinsanleihen, auf Englisch High Yield Bonds, zählen Zinspapiere von Emittenten, die von den großen Ratingagenturen eine schlechte Kreditwürdigkeit bescheinigt bekommen. In der Buchstabensprache der Bonitätswächter gehören dazu all jene, die eine schlechtere Note als BBB haben, das kann BB sein oder sogar eine C-Note.

Dabei spricht man auch vom Non-Investment-Grade-Bereich. Die Folge: Je geringer die Kreditwürdigkeit, desto mehr Zins müssen Unternehmen und Staaten den Investoren bieten, damit sie einen Kredit bekommen.

Viele Emittenten haben ihre Hausaufgaben gemacht

Dieser Zusammenhang besteht auch heute noch. Doch seitdem die Notenbanken die Märkte mit billigem Geld fluten, um die Wirtschaftslage zu stabilisieren, müssen nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen immer weniger Zinsen bieten. Anleger werden auf der Jagd nach höheren Renditen quasi in den Risikobereich getrieben.

Wobei diese Erklärung für den Boom allein nicht reicht. Sicherlich ist bei vielen Anlegern angesichts von Null-Renditen bei Staatsanleihen der Anlagenotstand groß. Doch auch bei den Emittenten hat sich etwas verändert: Viele haben in den zurückliegenden Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und können heute eine bessere Bilanzen vorweisen.

Die Gefahr für Anleger, ihr Geld nicht mehr zurückzubekommen, ist auch bei Unternehmen mit schlechterer Bonität gesunken. Im Vorjahr lag die Ausfallrate bei 2,8 Prozent und damit deutlich unter dem historischen Durchschnitt von vier Prozent.

Mit einem Konjunktureinbruch können viele dieser Unternehmen allerdings ganz schnell wieder in Schwierigkeiten geraten und die Ausfallzahlen nach oben schnellen. Die Experten von Robeco, die zu den erfolgreichsten Hochzinsanleihen-Fondsmanager gehören, gehen für dieses Jahr zumindest von einer wieder etwas höheren Rate aus.

Das hält sie allerdings nicht davon ab, in die Produkte zu investieren. Wegen des vorherrschenden Niedrigzins-Umfeldes könnten die Risikoaufschläge noch weiter sinken, heißt es bei den Niederländern. Sinkende Risikoaufschläge bedeuten auf der anderen Seite steigende Anleihenkurse.

Rating-Segment BB wird favorisiert

Auch bei dem österreichischen Fondsanbieter Erste-Sparinvest will man weiterhin auf Risiko setzen. Hier wird weniger auf die Stärke der Hochzinspapiere verwiesen, als vielmehr auf die Schwäche anderer Wertpapiere: "Die Renditechancen bei Anleihen ohne Kreditrisiko oder Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich sind bereits ausgereizt", so Alexander Fleischer, verantwortlich für Anleihenfonds. Deshalb sagt er: "Uns gefällt das Rating-Segment BB nach wie vor am besten."

Die Anlageexperten des auf Unternehmensanleihen spezialisierten New Yorker Vermögensverwalters Muzinich & Co. sind vorsichtig. Sie setzen auch bei Hochzinsanleihen eher auf kurze Laufzeiten und begründen dies mit zwei Hauptgefahren, die sie für die Weltwirtschaft ausgemacht haben wollen: Inflation und Stagnation.

Weder das eine noch das andere dürfe ignoriert werden, so Gründer George Muzinich: "Inflation wäre eine Katastrophe für die Besitzer vermeintlich sicherer Staatsanleihen, während Stagnation die Wachstumsaussichten von Aktien dämpfen würde,", schreibt er. High-Yield-Anleihen mit hohem Kupon, aber zwingend geringer Laufzeit blieben interessant.

Europa-Anleihen waren die bessere Wahl

Wer Hochzinsanleihenfonds zu seinem Depot beimischen will, steht vor der Frage, ob er auf europäische oder weltweit anlegende Produkte setzen soll (siehe Tabelle). In den vergangenen zwölf Monaten waren die Europa-Anleihen eindeutig die bessere Wahl. Doch nach dem Plus von 20 Prozent sind Fondsmanager vorsichtig geworden.

"Unserer Ansicht nach besteht kaum noch ein Vorteil im Halten von Euro-Beständen gegenüber US-Titeln", so die Experten von Axa Investment Managers. Zumal die Emissionstätigkeit und damit die Auswahl in Europa stark zurückgegangen sei. Daher werde man nun wieder verstärkt auf US-Titel setzen.

Generell wird allerdings damit gerechnet, dass die Auswahl an interessanten Risikopapieren in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen wird. Mehr und mehr Unternehmen gehen direkt an den Kapitalmarkt, um Bankkredite abzulösen. Inwieweit das Angebot von Anlegern weiterhin aufgesaugt wird, hängt auch davon ab, wann mit High Yield doch eher wieder Müll, Ramsch und Schrott verbunden wird.

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