17.01.13

SPD-Pläne

Steinbrück will Dispo-Zins gesetzlich beschränken

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück macht Front gegen zu hohe Dispo-Zinsen. Sollte sich die SPD mit ihrer Initiative durchsetzen, wäre derzeit bei knapp acht Prozent Dispo-Zins Schluss.

Foto: dapd

Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, will den Dispo-Zins in Deutschland deckeln
Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, will den Dispo-Zins in Deutschland deckeln

Die hohen Dispo-Zinsen vieler Banken sind ein Dauerärgernis für deutsche Verbraucher. Nun plant die SPD die Zinsen für überzogene Girokonten per Gesetz deckeln. Die Partei fordere eine Regelung, nach der es "maximal einen Aufschlag von höchstens acht Prozentpunkten auf den Basiszinssatz der Bundesbank" geben dürfe, berichtete die "Bild" unter Berufung auf ein internes SPD-Positionspapier.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück empört sich in der Zeitung: "Obwohl sich die Banken bei der Europäischen Zentralbank derzeit für nur 0,75 Prozent so günstig Geld leihen können wie nie, verlangen sie bis zu 15 Prozent Zinsen für einen einfachen Überziehungskredit!" Und er legt noch nach: "Das ist Wucher."

Durchschnittlicher Dispozins bei 11,06 Prozent

Der Basiszinssatz der Bundesbank ist automatisch an den Leitzins der Europäischen Zentralbank gekoppelt. Er liegt aktuell mit minus 0,13 Prozent sogar im negativen Bereich. Käme das geforderte Gesetz zur Anwendung, dürften Banken aktuell höchstens 7,87 Prozent für die Überziehung des Kontos verlangen.

Innerhalb der letzten zwölf Monate ist der durchschnittliche Dispo-Zins in Deutschland nur leicht zurückgegangen. Nach Berechnungen des Verbraucherportals Biallo liegt der durchschnittliche Dispozins in Deutschland derzeit bei 11,06 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten ist das der Tiefststand. Das Hoch lag bei 11,88 Prozent.

Die derzeitige Bundesregierung lehnt eine gesetzliche Obergrenze bislang strikt ab. Das hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner im Oktober zuletzt bei einem Treffen mit der Kreditwirtschaft deutlich gemacht.

Quelle: dapd/dma
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Was Verbraucher beim Dispo beachten sollten
  • Definition

    Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gibt die Bank einen Dispositionskredit – kurz: Dispokredit oder Dispo. Er ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozins. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese sind oft mehrere Prozentpunkte höher.

  • Informationen

    Banken informieren darüber mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten. Auch die Berater erteilen Auskunft. Eine weitere Informationsquelle ist der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es spezielle Internetseiten wie fmh.de.de oder biallo.de

  • Vor- und Nachteile

    Vorteil ist, dass eingeräumte Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen, sondern sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto; es gibt keine festen monatlichen Raten zur Rückzahlung. Nachteil ist die Zinshöhe, die oft im zweistelligen Bereich liegt. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

  • Sparen

    Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro einzurichten. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie etwa Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe der Dispozinsen verhandeln.

  • Alternativen

    Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.

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