04.01.13

Plastikgeld

Kartenbetrüger schlagen erfolgreicher zu

Die Zahl der echten Schadensfälle ist 2012 leicht gestiegen. Aber die Angriffe auf Geldautomaten nehmen in absoluten Zahlen erneut ab. Jetzt nehmen die Gangster auch kleinere Städte ins Visier.

Foto: Infografik Die Welt

Zwar nimmt die Zahl der Attacken auf Geldautomaten ab, aber die Betrüger kommen dabei öfter an ihr Ziel
Zwar nimmt die Zahl der Attacken auf Geldautomaten ab, aber die Betrüger kommen dabei öfter an ihr Ziel

Der Betrug an Geldautomaten ist im vergangenen Jahr gestiegen. Zwar sank die Zahl der manipulierten Geldautomaten erneut deutlich, jedoch kamen die Datendiebe am Ende in mehr Fällen an ihr Ziel als 2011. Dies zeigen Daten der Gesellschaft Euro Kartensysteme, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegen. So reduzierten sich die Angriffe auf Geldautomaten, sowie einige Kontoauszugsdrucker und Türöffner an den Filialen in den vergangenen zwölf Monaten von 780 auf 521.

Auf der anderen Seite konnten Betrüger 2012 mit Hilfe der vielen an einem Gerät geklauten Daten in rund 23.000 Fällen tatsächlich auf das Konto eines Kunden zugreifen, bevor es gesperrt wurde. Ein Jahr zuvor war ihnen dies nur in 21.000 Fällen gelungen. Die Betrüger greifen bei der Manipulation eines Automaten Daten von so vielen Karten wie möglich ab. Der Gesamtschaden lag mit rund 30 Millionen Euro ungefähr auf Vorjahresniveau.

Durchschnittsschaden sinkt auf 1400 Euro

Bei Euro Kartensysteme sieht man die Entwicklung dennoch positiv. "Nicht nur die Zahl der Skimming-Angriffe, sondern auch der Durchschnittsschaden pro erfolgreich eingesetzter Kartendublette ist gesunken", sagte Margit Schneider, Leiterin des Sicherheitsmanagements des Gemeinschaftsunternehmen der Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Institute, auf Anfrage. Er habe 2012 bei rund 1400 Euro gelegen. Sitzen bleibt auf dem Schaden kein Verbraucher, er bekommt ihn vollständig ersetzt. In Deutschland stehen knapp 60.000 Geldautomaten, rund 94 Millionen EC-Karten sind im Umlauf.

Besonders aktiv waren Betrüger in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Dabei sei zu beobachten, dass sich die Banden, die vor allem aus Rumänien und Bulgarien kommen, aus Großstädten zurückziehen, so Schneider. "Die Betrüger versuchen zunehmend, in kleineren Städten und ländlichen Gegenden Kartendaten vom Magnetstreifen auszulesen und die PIN-Eingabe zu erspähen."

Kriminelle müssen immer weiter reisen

Die Datendiebe verfahren beim sogenannten Skimming seit Jahren nach dem gleichen Muster: Sie manipulieren den Karteneinzugsschlitz am Automaten und filmen mit einer Minikamera die Eingabe der Geheimnummer oder fingieren direkt die Tastatur. So kommen sie an die Informationen auf dem Magnetstreifen und die Geheimnummer. Im Ausland werden dann Dubletten mit den Daten beschrieben und eingesetzt.

Dabei müssen die Kriminellen allerdings immer weiter reisen, da in Europa die Informationen auf dem Magnetstreifen nicht mehr reichen, um in Geschäften einzukaufen oder am Automaten Geld abzuheben. Dies geht nur mit dem EMV-Chip, dem goldenen Chip, der auf allen Geldkarten prangt. Der Datensatz darauf ist verschlüsselt, die Karte wird bei Gebrauch auf Echtheit geprüft. Kopien fallen sofort auf.

EMV-Chip macht Betrügern das Leben schwer

Bevor 2010 diese Technik eingeführt wurde, lagen die Haupteinsatzländer für Dubletten mit deutschen Kartendaten in Europa. Großbritannien, Italien, Niederlande führten die Liste an. Im Vorjahr lagen die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kolumbien auf den vorderen Plätzen. Es folgen Thailand, Brasilien, die Dominikanische Republik und Peru.

Mittelfristig wird sich diese Reihenfolge weiter verändern, erwartet die Branche. So führte etwa Peru im Herbst den EMV-Chip ein, die Vereinigten Staaten wollen im April damit beginnen. Bis zu einer flächendeckenden Verbreitung wird es Experten zufolge allerdings noch Jahre dauern.

Einen Rückgang der Betrugszahlen erhofft sich die Kreditwirtschaft dennoch bereits im kommenden Jahr. "Wir gehen davon aus, dass der Durchschnittsschaden 2013 unter 1000 Euro sinken wird", sagte Schneider. Bereits im vierten Quartal sei es zu einem signifikanten Rückgang der Schäden gekommen, da seit Oktober sehr viel mehr Institute als zuvor das sogenannte Geoblocking eingeführt hätten. Damit können Magnetstreifentransaktionen im außereuropäischen Ländern blockiert werden, es sei denn der Kunde hat das Reiseland freigeschaltet. Schneider: "Betrüger werden an den deutschen Kartendaten nicht mehr viel Freude haben."

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