03.01.13

Devisenmärkte

Bei Währungen sollten Sparer auf Fonds setzen

Die besten Manager von Devisenfonds haben gut fünf Prozent Rendite pro Jahr herausgeholt. Der Devisenmarkt ist ein höchst gefährliches Pflaster für Anfänger, denn die Anlageklasse ist äußerst komplex.

Von Holger Zschäpitz
Foto: Infografik Die Welt

Der Yen ist der große Verlierer im Währungs-Roulette. Und das ist politisch von Tokio so gewollt
Der Yen ist der große Verlierer im Währungs-Roulette. Und das ist politisch von Tokio so gewollt

Mit lautem Getöse hat das neue Jahr an den Devisenmärkten begonnen. Bei den drei Hauptspielern Euro, Yen und Dollar ist nicht klar, wer 2013 die erste Geige spielt. Entsprechend kakofonisch verliefen die ersten beiden Handelstage. Spielte sich zunächst der Euro in den Vordergrund und erreichte mit 1,33 zum Dollar ein Neunmonatshoch, übernahmen schon wenig später Yen und Dollar die Führung.

So verlor die europäische Gemeinschaftswährung am Donnerstag zur japanischen Währung 1,2 Prozent an Wert. Das klingt wenig, eine solche Tagesbewegung ist für den mit vier Billionen Dollar Tagesumsatz trägen Devisenmarkt aber äußerst viel. Gegenüber dem Dollar verlor der Euro innerhalb eines Handelstages sogar 1,5 Prozent.

Zentralbanken schwächen absichtlich ihre Währungen

Der Jahresauftakt zeigt, dass bei Währungen durchaus Musik drin ist. Experten empfehlen Anlegern sogar ausdrücklich, am Devisenmarkt mitzuspielen. Denn Devisen-Anlagen entwickeln sich weitgehend unabhängig von anderen Asset-Klassen. Wer unterschiedliche Währungen in sein Depot aufnimmt, reduziert so die Gesamtrisiken. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen viele Notenbanken aktiv an den Devisenmärkten intervenieren, um den Wert der eigenen Währung zu mindern. Die Zentralbanken in den entwickelten Ländern werden immer aggressiver in ihrem Streben nach Konjunkturimpulsen mittels schwächerer Währungen.

"Wir haben deutliche Hinweise darauf gefunden, dass die Wechselkurse bei den geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken eine größere Rolle spielen", sagt Adam Cole, Währungsstratege der Royal Bank of Canada (RBC) in London. "Es sieht so aus, als wären die Industriestaaten dazu verurteilt, den Zentralbanken der Schwellenländer auf dem Pfad der zunehmenden Interventionen oder zumindest einer vom Wechselkurs getriebenen Geldpolitik zu folgen." Cole rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) beim weltweiten Abwertungswettlauf als Sieger hervorgehen wird. Zum Jahresende 2013 sieht er den Euro nur noch bei 1,22 Dollar, also sieben Prozent niedriger zur US-Devise. Gegenüber dem Yen erwartet er sogar eine Euro-Abwertung von mehr als 20 Prozent.

Goldman Sachs sieht eine Renaissance des Euro

Doch die Experten sind sich alles andere als einig. Thomas Stolper von Goldman Sachs geht von einer Renaissance des Euro aus. Die Gemeinschaftswährung werde von den deutlich reduzierten Extremrisiken profitieren, begründet er seine Prognose, dass der Euro bis zum Jahresende auf 1,40 Dollar steigen werde. "Die EZB hat mit ihrer unbegrenzten Rückendeckung für das Gewebe der Währungsunion die Trendwende in der Euro-Krise herbeigeführt", begründet Stolper.

In diesem unübersichtlichen Umfeld gilt es für Anleger, das Währungsrisiko im eigenen Portfolio zu diversifizieren. So wie es nicht ratsam ist, das gesamte Vermögen allein in eine Aktie zu stecken, macht auch bei der Wahl der Devisen die richtige Mischung den Unterschied. Allerdings ist der Devisenmarkt sehr komplex. Für den normalen Sparer ist es nahezu unmöglich, auf den Auf- oder Abstieg einzelner Währungen zu spekulieren. Es existieren zahlreiche Devisenfonds, bei denen Fondsmanager oder Computeralgorithmen die Auswahl der passenden Währungspaare vornehmen.

Anlageklasse hat sich hier noch nicht durchgesetzt

Die Performance der knapp zwei Dutzend Produkte ist indes durchwachsen. Nur wenigen Managern scheint es zu gelingen, das Auf und Ab an den Devisenmärkten richtig zu antizipieren und in Kursgewinne zu verwandeln. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum sich die relativ junge Anlageklasse hierzulande noch nicht richtig durchgesetzt hat. Zahlreiche Devisenfonds mussten bereits mangels Erfolg und Nachfrage wieder geschlossen werden. Und die existierenden Vehikel operieren mit äußerst kleinen Volumina, sind also für die Gesellschaften reine Hoffnungsträger, die jederzeit geschlossen werden könnten.

Zu den erfolgreichsten Produkten gehörten jene, deren Fondsmanager nicht bloß auf Devisen-Derivate gesetzt, sondern das Geld der Kunden in Fremdwährungsanleihen gepackt haben. So ließen sich neben Währungsgewinne noch Zinsgewinne einstreichen. In vielen Schwellenländern konnten so noch erkleckliche Renditen erwirtschaftet werden.

Sechs Prozent bei überschaubaren Risiken

Kein Wunder, dass zu den besten Produkten seiner Zunft der Pimco Emerging Markets Currency Fonds zählt. Manager Michael Gomez holte seit 2009 eine durchschnittliche Rendite von jährlich knapp sechs Prozent heraus und das bei überschaubaren Risiken. Im vergangenen Jahr schaffte Gomez sogar ein Plus von 6,3 Prozent. Zwar erwirtschaftete der GAM Star rund vier Mal mehr, allerdings sieht die langfristige Bilanz weniger gut aus.

Unter den passiven Fonds konnte allein der db x-trackers Currency Carry überzeugen. Er erwirtschaftete auf Jahresbasis zehn Prozent. In den vergangenen drei Jahren lag die durchschnittliche Rendite immerhin bei jährlich gut vier Prozent.

Die Manager der größten und erfolgreichsten Devisenfonds sind sich über den künftigen Kurs des Euro nicht einig. 2012 hat der Euro gegenüber den Devisen von 13 seiner 16 wichtigsten Handelspartner nachgegeben - wobei der mexikanische Peso und der Neuseeland-Dollar am meisten zulegte und der japanische Yen am stärksten verlor.

Verbinden Sie sich mit dem "Welt-Online"-Autor auf Twitter. Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick.

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