02.01.13

Budgetstreit

Einigung auf US-Etat treibt Börsenkurse hoch

Das Ende des US-Haushaltsstreits hat die Aktienkurse weltweit beflügelt. Der Dax legte zum Handelsstart um bis zu zwei Prozent zu und notierte so hoch wie seit Januar 2008 nicht mehr.

Die Finanzmärkte weltweit feiern die Einigung im US-Haushaltsstreit. Der Dax gewann zur Eröffnung bis zu zwei Prozent auf 7761,30 Punkte und lag damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2008.

Durch den Kompromiss könnten ein Rückfall der USA in die Rezession und die damit verbundenen Belastungen für die Weltwirtschaft vermieden werden, sagte Aktienstratege Shane Oliver von AMP Capital.

Zu den Spitzenreitern der ersten deutschen Börsenliga gehörten Commerzbank und Deutsche Bank. Sie gewannen 3,8 Prozent auf 1,49 Euro beziehungsweise drei Prozent auf 33,94 Euro. Finanzwerte reagieren üblicherweise überdurchschnittlich auf Bewegungen des Gesamtmarktes.

Kursplus in Asien und Australien

Auch die Börsen in Asien stiegen stark an. Der MSCI-Asien-Pazifik-Index, der alle Börsen außer der in Japan zusammenfasst, legte um 1,9 Prozent zu. Die Tokioter Börse blieb wegen eines Feiertages geschlossen.

Der Leitindex der Hongkonger Börse gewann mehr als zwei Prozent, der südkoreanische Kospi-Index 1,7 Prozent. In Australien stieg der Aktienmarkt auf den höchsten Stand seit 19 Monaten.

Anleger wieder risikobereiter

Der Euro zog ebenfalls kräftig an. In der Nacht sprang der Kurs der Gemeinschaftswährung über die Marke von 1,32 Dollar und legte in der Spitze bis knapp unter 1,33 Dollar zu. Im weiteren Handelsverlauf fiel der Euro wieder etwas zurück, am Morgen stand er bei 1,3287 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montag auf 1,3194 (Freitag: 1,3183) Dollar festgesetzt.

Der Kompromiss im US-Haushaltsstreit fördere die Risikobereitschaft bei den Anlegern, hieß es von Händlern. In den vergangenen Handelstagen hatten Investoren wegen drohender Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in den USA noch den "sicheren Hafen" des Dollar gesucht. Nach der Einigung werde am Devisenmarkt wieder stärker in den Euro investiert, hieß es weiter.

Ölpreis zieht an

Auch die Ölpreise legten zu. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Februar-Lieferung im asiatischen Handel 111,82 Dollar. Das waren 71 Cent mehr als zum Handelsschluss am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 95 Cent auf 92,77 Dollar.

Ein Abrutschen der größten Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession hätte die weltweite Nachfrage nach Rohöl gebremst. Das Repräsentantenhaus in Washington wandte dies allerdings in letzter Minute ab. In der Nacht zum Mittwoch stimmte es nach stundenlangen Verhandlungen für einen Kompromissvorschlag des Senats, der viele automatisch in Kraft getretene Einschnitte aufhebt.

Sieg für Obama

Allerdings werden zahlreiche Sparmaßnahmen mit einem Volumen von mehr als einer Billion Dollar zunächst nur um zwei Monate verschoben, sodass neuer Streit im Kongress programmiert ist.

Die Einigung galt trotzdem als Sieg für Präsident Barack Obama, da die Republikaner insbesondere bei der Besteuerung von reichen Amerikanern Zugeständnisse machen mussten.

Quelle: Reuters/dpa/AFP/cat
Quelle: Reuters
02.01.13 0:59 min.
US-Präsident Barack Obama hat den erzielten Kompromiss zum Haushaltsstreit in den USA begrüßt. Dabei hob er besonders die Steuererhöhungen für die reichsten zwei Prozent des Landes hervor.
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Der US-Haushaltskompromiss
  • Sparmaßnahmen

    Der Start automatischer Ausgabenkürzungen im Volumen von 1,2 Billionen Dollar über zehn Jahre (sogenannter „Sequester“) wird um zwei Monate verschoben. In diesem Zeitraum müssen dennoch 24 Milliarden Dollar eingespart werden. Die Hälfte davon soll durch Sparmaßnahmen bei Verteidigung und in anderen Ressorts kommen, die andere Hälfte durch neue Einnahmen.

  • Steuererhöhungen

    Über einen Zeitraum von zehn Jahren werden Einnahmen im Volumen von 600 Milliarden Dollar durch eine Reihe von Steuererhöhungen für wohlhabende Amerikaner generiert.

  • Steuererleichterungen

    Die im Jahr 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush eingeführten Steuererleichterungen für Bezieher von Einkommen unter 400.000 Dollar (Einzelpersonen) oder 450.000 (Familien) sollen dauerhaft bestehen bleiben. Wer mehr verdient muss künftig einen Spitzen-Steuersatz von 39,6 Prozent statt bislang 35 Prozent bezahlen.

  • Kapitalsteuern

    Über dieser Einkommensgrenze sollen Kapitalerträge und Dividenden statt mit 15 Prozent künftig mit 20 Prozent besteuert werden.

  • Ausnahmeregeln

    Ausnahmeregeln für Einkommen über 250.000 Dollar (Einzelperson) oder über 300.000 Dollar (Haushalt) werden abgeschafft.

  • Arbeitslosenversicherung

    Die Zuwendungen aus der Arbeitslosenversicherung werden für zwei Millionen Menschen um ein Jahr verlängert.

  • Kinder

    Steuervorteile für Kinder und deren Erziehung werden um fünf Jahre verlängert.

  • Ärzte

    Kürzungen für die Honorare von Ärzten, die Medicare-Patienten behandeln, werden vermieden.

  • Landwirtschaft

    Landwirtschaftsprogramme werden vorübergehend verlängert.

  • Politiker

    Eine Erhöhung der Bezüge für Kongressmitglieder wird gestrichen. Reuters

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