27.12.12

Devisenmärkte

2013 droht das Jahr der Währungskriege zu werden

Große Schwellenländer und Industrienationen werfen sich gegenseitig Manipulation der Wechselkurse vor. Für das neue Jahr ist Streit programmiert. Der könnte auch Deutsche teuer zu stehen kommen.

Foto: Infografik Die Welt

Beim Abwertungswettlauf der Währungen hat Japan aufgeholt
Beim Abwertungswettlauf der Währungen hat Japan aufgeholt

Der nächste "Weltkrieg" hat längst begonnen. Während Europa das Ende der Schuldenkrise herbeisehnt und die USA noch verzweifelt versuchen, die fiskalische Klippe zum Jahresende zu umschiffen, erreicht ein anderer Konflikt globale Dimension. Gekämpft wird – wieder einmal – ums Geld. Oder genauer: um die eigene Währung und um die besten Plätze auf dem Weltmarkt.

Jüngster Anheizer in dieser Auseinandersetzung ist Japan. Denn der designierte japanische Regierungschef Shinzo Abe hat angekündigt, dass die wichtigste Zentralbank in Fernost bald aus allen Rohren feuern soll. Negative Leitzinsen, eine "unbegrenzte" Geldmengenausweitung und der Ankauf von viel mehr Staatsanleihen, hat der neue Premier als Ziel ausgerufen.

Billiger Yen kurbelt Japans Wirtschaft an

Japans neuer mächtiger Mann hat alle Trümpfe in der Hand: Seine Koalitionsregierung verfügt über eine Zweidrittel-Mehrheit im Unterhaus und hat damit gegenüber einer renitenten Zentralbank massives Drohpotenzial, sollte diese nicht mit einer aktiveren Wechselkurspolitik die Interessen der vormals glänzenden Exportwirtschaft des Landes zu verteidigen wissen. Ein billigerer Yen, so lautet Abes Kalkül, kann die lahmenden japanischen Exporte ankurbeln.

In der Bundesregierung ist man mit offener Kritik gegenüber den G20-Verbündeten zurückhaltend. Unions-Fraktionsvize Michael Meister attackiert die Abe-Politik vor allem wegen der Fortsetzung der übermäßigen Verschuldung, die Japan noch in "gewaltige Turbulenzen" stürzen werde.

Dabei gibt es im Kanzleramt sehr wohl die Sorge, dass auch in der Euro-Zone einige Partner darauf schielen, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeforderte Wettbewerbsfähigkeit nicht über schmerzhafte Strukturreformen, sondern durch einen billigen Euro zu verbessern.

Es wird mehr Eingriffe in die Wechselkurse geben

Der britische Notenbankchef Mervyn King wurde bereits deutlicher: "Meine Sorge ist es, dass wir 2013 mehr aktive Eingriffe in die Wechselkurse sehen werden", sagte er jüngst bei einem Auftritt in New York.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zeigt sich besorgt: "Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen."

Der Grund: Kein Land glaubt es sich in den Zeiten der Globalisierung leisten zu können, im knallharten Wettbewerb nur deshalb ins Hintertreffen zu geraten, weil massenhaft billiges Geld über die Grenzen strömt, das die eigene Währung verteuert und der heimischen Industrie den Export schwermacht, weil die teuren Waren dann keiner mehr kaufen will.

Die meisten Täter halten sich für Opfer

Das psychologische Problem dabei ist, so wird auch in der Bundesregierung gewarnt, dass sich niemand für den Täter, sondern meist für das Opfer hält – weil zu allererst auf die Kursmanipulationen und die Politik des billigen Geldes der anderen Länder verwiesen wird.

Tatsächlich kommt es immer öfter zu massiven Eingriffen in die Devisenmärkte, etwa mit Zinssenkungen und Kapitalverkehrskontrollen. Ganz vorne an der Front stehen die Zentralbanken des Westens: die Bank von England, die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) und nun eben auch die japanische Notenbank.

Brasilien steht die Dollarflut bis zum Hals

Zumindest bei den Amerikanern ist diese Politik eigentlich nicht Neues. Die Fed hat schon häufiger versucht, mit einer massiven Dollarflut Probleme in den USA zu lösen. Doch während die Milliarden daheim augenscheinlich kaum etwas ausrichten im Kampf gegen die Krise, steht Ländern wie Brasilien oder Chile die Dollarflut aus dem Norden mittlerweile bis zum Hals.

Brasiliens Finanzminister Guido Mantega war vor zwei Jahren der erste Politiker, der das böse Wort vom "Währungskrieg" in den Mund nahm. Als die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff im März Deutschland besuchte, warnte sie, dass nun auch die Europäer die Fehler der Amerikaner wiederholten: "Ich habe der Bundeskanzlerin die Sorge Brasiliens ausgedrückt bei der Währungsexpansion, die im Gange ist", sagte die Präsidentin damals.

Sicher seien die USA das größere Teil des Problems. "Aber auch die EU entwertet ihr Währung", kritisierte Rousseff mit Bezug auf die EZB-Liquiditätshilfen für Banken im Volumen von mehr als einer Billion Euro. Es gebe einen "Tsunami" des billigen Geldes aus den USA und der Euro-Zone, der die Welt überschwemme.

China steht schon seit langem am Pranger

Aus dem Norden kamen prompt die Antworten: China steht für eine künstlich niedrige gehaltenen Yuan-Kurs ohnehin seit langem am Pranger. Fed-Chef Ben Bernanke warf den Schwellenländern generell vor, sie würden ihre Währungen künstlich niedrig halten. Und der britische Notenbankchef sagte, er beobachte von Monat zu Monat mehr Manipulationen der Wechselkurse durch die Zentralbanken. Aus Sicht der Länder, die die Zeche für die Liquiditätsschwemme des Nordens zahlen, sind diese Eingriffe in den Devisenmarkt freilich mehr Verteidigungs- denn Angriffsstrategie.

Und es sind nicht nur Brasilien, Chile & Co. und Japan, die längst damit begonnen haben, ihre Währungen mit aller Gewalt und viel Aufwand künstlich abzuwerten. Mitten in Europa kämpft auch die Schweiz unverdrossen ihren Kampf gegen die Unbilden des Marktes, der ihren Franken zu einer der sichersten Anlagen der Welt erkor und damit zugleich die Preise für die Schweizer in Höhen pushte, die Regierung und Zentralbank auf den Plan rufen mussten.

Erst als die Notenbank dem Wechselkurs des Franken an den Euro koppelte und die Marke von 1,20 Euro mit Klauen und Zähnen verteidigt, kehrte wieder etwas Ruhe im Land der Eidgenossen ein.

Quelle: Reuters/dde/ww
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