27.12.12

Geldanlage

Gute Vermögensverwalter sind kaum noch zu finden

Qualität der Vermögensverwalter nimmt ab. Berater gehen zu selten auf Kundenwünsche ein. Bei der Hälfte der Institute ist die Leistung höchstens ausreichend. Nur drei erhalten ein "Sehr gut".

Von Karsten Seibel

Einen guten Vermögensverwalter zu finden, wird immer schwieriger, die Mängelliste immer länger: Berater gingen sowohl am Telefon als auch im direkten Gespräch zu wenig auf die Wünsche des einzelnen Kunden ein, reklamiert das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ).

Bei den Anlagevorschlägen fehlten häufig wichtige Angaben zur persönlichen und finanziellen Situation des Kunden, zu seinen Renditezielen und zu den Kosten der Beratung, heißt es in der Studie "Vermögensverwalter 2012", die der "Welt" vorab vorliegt.

Lediglich drei der 25 getesteten Vermögensverwalter bekamen eine sehr gute Bewertung. Im Vorjahr konnte sich noch jeder dritte Vermögensverwalter mit dieser Note schmücken.

Hamburger Berenberg Bank ist Testsieger

Am besten schnitt in diesem Jahr die Hamburger Berenberg Bank ab. Sie verbesserte sich von Platz 13 auf Platz eins. Einen deutlichen Sprung nach oben machte auch HSBC Trinkaus von Position 17 auf zwei. Dass eine gute Platzierung nicht von der Tagesform des Beraters abhängen muss, bewies Credit Suisse. Nach Rang zwei im Jahr 2011 belegt der Deutschland-Ableger der Schweizer Großbank nun Rang drei.

Auch der Vorjahressieger Hauck & Aufhäuser erreichte mit Platz fünf erneut einen Spitzenrang. Als einziger der getesteten Vermögensverwalter schafften es die Frankfurter zudem, in den fünf Stichproben, die das DISQ seit 2008 gemacht hat, stets unter den Top-Ten zu landen.

Deutlich abgerutscht sind dagegen 2012 die BHF Bank (von vier auf zwölf), die Fürst Fugger Privatbank (von elf auf 19) und die Hamburger Sparkasse (von zwölf auf 21).

Zielrendite lag bei fünf Prozent jährlich

Bei allen Adressen hatte sich eine Testperson mit folgendem Profil vorgestellt: 27 Jahre, selbstständig in der IT-Branche, durch den Verkauf eines IT-Projekts erwartet sie eine größere Geldsumme, genau 2,1 Millionen Euro nach Steuern. Davon will sie 1,6 Millionen langfristig anlegen, Werterhalt ist ihr dabei vor dem Hintergrund der Eurokrise sehr wichtig.

Auf den Rest will die Person kurzfristig zugreifen können, um neue Projekte anzustoßen. Dabei interessiert sie auch, inwiefern die Bank bei einer Firmengründung helfen kann.

Der IT-Profi liebäugelt zudem mit dem Erwerb einer Immobilie, ansonsten liegt seine Zielrendite bei fünf Prozent pro Jahr nach Steuern, Einlagensicherung ist ihm genauso wichtig wie Transparenz bei Kosten und Gebühren.

Die Berater nahmen sich meist nicht genug Zeit

Das waren viele Punkte, die der einzelne Vermögensverwalter berücksichtigen oder übersehen konnte. Die Versäumnisse fingen laut Studie oft bereits bei der Kontaktaufnahme an.

So hätten es die Mitarbeiter der Vermögensverwalter in 60 Prozent der Fälle bei einem ersten Gespräch am Telefon versäumt, durch gezielte Fragen direkt mehr über ihren potenziellen Kunden zu erfahren, um so besser auf das persönliche Gespräch vorbereitet zu sein.

Auch bei den anschließenden Beratungsgesprächen vor Ort zeigten sich immer wieder Mängel. "Die Berater nahmen sich vielfach nicht genügend Zeit, um auf den individuellen Fall des Kunden einzugehen", heißt es in der Studie.

Keine guten Voraussetzungen für eine dauerhafte Geschäftsbeziehung: Bei nur knapp einem Drittel der auf die Probe gestellten Institute konnte sich der Tester am Ende des Gesprächs denn auch tatsächlich vorstellen, Kunde zu werden.

Empfohlene Fonds kamen oft aus dem eigenen Haus

Auch die ausgearbeiteten Anlagevorschläge überzeugten laut Untersuchung selten. Nur zehn der 25 Vorschläge erhielten ein gutes oder sehr gutes Urteil. Zu häufig seien Standardpräsentationen überreicht worden.

Die beabsichtigte Firmengründung und den geplanten Immobilienerwerb griffen beispielsweise nur 40 Prozent der Verwalter auf. Auch das vom Tester genannte Renditeziel und ein Verweis auf die Einlagensicherung finden sich längst nicht in allen Präsentationen.

Abzüge gab es zudem, wenn bei der Produktauswahl augenscheinlich keine objektiven Qualitätskriterien ausschlaggebend waren, sondern die empfohlenen Fonds und Zertifikate überwiegend aus der eigenen Herstellung kamen.

Jeder fünfte Berater habe zudem die zu erwartenden Kosten der Produkte nicht ausgewiesen. Auch Depotentgelte oder mögliche Rückvergütungen, die dem Kunden zustehen, ließen einige Adressen unter den Tisch fallen.

Quelle: DWTV
19.12.12 4:23 min.
In Deutschland gibt es 800.000 Millionäre, Peter Ackermann ist einer von ihnen. Er hat sein Geld mit Software verdient, und er möchte davon etwas abgeben. Dafür hat er eine Stiftung gegründet.
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Lokführer-Streik "Rücksichtsloses Treiben auf dem Rücken der…
Vulkanausbruch So sieht der brodelnde Babardunga von oben aus
Werbekampagne Hier heiratet ein zwölfjähriges Mädchen
Homosexualität Gemischte Gefühle zum neuen Tonfall des Vatikans
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Lichterglanz

Berlin erstrahlt beim "Festival of Lights"

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote