26.12.12

E&Y-Analyse

Volkswagen spielt im Dax in einer eigenen Liga

Die großen Börsen-Konzerne haben 2012 gute Umsätze gemacht. Aber in Folge der Euro-Krise schrumpfen die Gewinne der Unternehmen. Doch VW bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

Foto: Infografik DIE WELT

Unter den größten Dax-Konzernen sind gleich mehrere Autobauer
Unter den größten Dax-Konzernen sind gleich mehrere Autobauer

Müssten Deutschlands Börsenriesen eine Runde Quartett spielen und mit ihren Kennzahlen um Stiche kämpfen, wäre der Sieger schon längst klar: VW. Die Wolfsburger sind nämlich einsame Spitze und dominieren unter den Dax-Unternehmen alle Kategorien, wie eine Studie zeigt. Einen Schönheitsfehler gibt es aber doch.

Der Volkswagen-Konzern spielt in der Riege deutscher Börsenschwergewichte weiterhin in einer ganz eigenen Liga. Egal ob Umsatz, operativer Gewinn oder Mitarbeiterzahlen – Europas größter Autobauer holt überall im Vergleich den ersten Platz.

Das ist das Ergebnis einer Analyse zu den 50 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, die die Wirtschaftsprüfer und -berater von Ernst & Young auf Basis der Ergebnisse des Geschäfts der ersten neun Monate des zu Ende gehenden Jahres erstellten.

Umsätze legten in den ersten neun Monaten noch zu

Demnach legten die Erlöse der 50 umsatzstärksten deutschen Börsenriesen zusammengenommen trotz der anhaltenden Schuldenkrise in Europa in den ersten neun Monaten 2012 noch spürbar zu. Die Gewinnseite der Unternehmen zeigte jedoch das Gegenteil.

So wuchsen zwar die Gesamtumsätze der erlösstärksten Konzerne zweistellig um zehn Prozent und knackten schon nach drei Quartalen die Billionenhürde: 1026 Milliarden Euro nach 934 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Doch das Gesamtergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei diesen Unternehmen mit der starken Umsatzentwicklung brach gleich um 18 Prozent ein. Aus dem laufenden Geschäft blieben nur 60,4 Milliarden Euro, nach 73,9 Milliarden Euro im Vorjahresabschnitt.

Dass die Gewinne nicht weiter stiegen, sondern insgesamt sogar rückläufig waren, liegt nach Ansicht der Experten von Ernst & Young nicht nur an einigen Sondereffekten wie hohen Abwertungen bei der Deutschen Telekom und ThyssenKrupp.

Schwindende Nachfrage führt zu Preisnachlässen

Ursächlich für das Schrumpfen des Konzerngewinns sei auch eine schwindende Nachfrage, erläutert Ernst-&-Young-Partner Thomas Harms diese Entwicklung. "In einem so schwachen konjunkturellen Umfeld lässt sich der Absatz oft nur noch über Preisnachlässe steigern – was dann aber auf Kosten des Gewinns und der Marge geht.

Zudem hätten es einige Unternehmen nach dem starken Wachstum im vorangegangenen Jahr und der damals noch guten Gewinnentwicklung versäumt, rechtzeitig auf die Kostenbremse zu drücken. Bei der Gruppe der "Gewinnmaschinen" sieht das Bild dagegen ein wenig anders aus.

Vergleicht man die Reihe der 50 Unternehmen mit den absolut höchsten Ergebnissen vor Zinsen und Steuern (Ebit), dann legte diese Gruppe im Neunmonatsvergleich um sechs Prozent zu: von knapp 81 auf gut 85 Milliarden Euro. Doch auch hier mussten immerhin 18 der Unternehmen Gewinneinbußen hinnehmen, beim Rest der 32 übrigen Konzerne gab es jedoch Zuwächse beim Ebit.

In der Spitzengruppe sind gleich vier Autobauer

Nach dem Umsatzkönig Volkswagen – der nicht zuletzt auch dank der Komplettübernahmen von MAN und Porsche insgesamt 144 Milliarden Euro und damit gleich 24 Prozent mehr einnahm – folgen der Energieriese E.on und der Autobauer Daimler mit 94 beziehungsweise 85 Milliarden Euro Erlösen.

In den Top-10 nach Umsatzstärke sind gleich vier Autobauer vertreten: Neben dem Volkswagenkonzern und Daimler sind das noch BMW und die VW-Tochter Audi. Den höchsten Umsatzsprung verzeichnete jedoch der Sportwagenhersteller Porsche, der seit Sommer zum Volkswagen-Konzern gehört: 28 Prozent Plus auf 10,2 Milliarden Euro.

Das Gesamtbild von steigenden Umsätzen und unter Druck stehenden Ergebnissen zeigt sich jedoch auch innerhalb des Volkswagen-Konzerns, wo das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar um ein Prozent auf 8,9 Milliarden Euro nachgab – auch wenn das vor dem Chemieriesen BASF (7,4 Milliarden Euro) und dem Versicherungskonzern Allianz (7,2 Milliarden Euro) doch noch ein ganz klarer Abstand ist.

Versicherer können sich gut behaupten

Während die Unternehmen aus der Automobilbranche ihren Gesamtgewinn nur um zwei Prozent steigerten, verzeichneten vor allem die Versicherer große Verbesserungen, wie die Studie resümiert: Im industrielastigen Ranking der 50 gewinnstärksten Unternehmen Deutschlands sind sechs Versicherungen platziert. Deren operatives Ergebnis stieg um 73 Prozent von 8,2 auf 14,2 Milliarden Euro.

Ernst-&-Young-Experte Harms wertet die Ergebnisse als Indiz dafür, dass sich die Mehrheit der Großunternehmen trotz der widrigen Konjunkturbedingungen nach wie vor auf Kurs befinde. "Die meisten Unternehmen in Deutschland verzeichnen Umsatzzuwächse – dem nach wie vor starken Export ins außereuropäische Ausland sei Dank."

Volkswagen hat die meisten Beschäftigten

Das Maß der Dinge ist Volkswagen auch bei der Belegschaftsgröße: Die Wolfsburger zählen global 549.300 Beschäftigte und sind damit der größte deutsche börsennotierte Arbeitgeber vor der Deutschen Post (426.100 Mitarbeiter) und Siemens (370.000 Mitarbeiter).

Auch bei der sogenannten Marktkapitalisierung – also dem an der Börse ermittelten Unternehmenswert – ist Volkswagen an der Spitze: Vor Weihnachten lag Europas größter Autobauer mit fast 80 Milliarden Euro vor SAP und Siemens. Diesen Aspekt verglich die Studie allerdings nicht.

Quelle: dpa
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