20.12.12

Libor-Skandal

Zwei Banker der UBS in New York angeklagt

Der Staatsanwalt ermittelt gegen Mitarbeiter der Schweizer Großbank. Die UBS kommt nach der Einigung auf 1,16 Milliarden Euro Strafe nicht zur Ruhe. Auch Hongkong hat einen Anfangsverdacht.

Von Tina Kaiser
Foto: REUTERS

Dunkle Wolken über der Zentrale der Schweizer Großbank UBS
Dunkle Wolken über der Zentrale der Schweizer Großbank UBS

Die Schweizer Großbank kommt trotz des milliardenschweren Vergleichs im Libor-Skandal nicht zur Ruhe: Die Staatsanwaltschaft in New York reichte Klage gegen zwei ehemalige UBS-Händler ein. Gleichzeitig startete die Zentralbank von Hongkong (HKMA) ein Ermittlungsverfahren gegen das Schweizer Institut.

Am Mittwoch hatte sich die UBS mit US-amerikanischen, britischen und Schweizer Bankenaufsichtsbehörden auf eine Strafzahlung von 1,16 Milliarden Euro geeinigt.

Die Klagen gegen den Briten Tom Hayes und den Schweizer Roger Darin wurden beim Bundesgericht in Manhattan eröffnet. Beiden Männern wird Verschwörung vorgeworfen. Hayes wird weiterhin des Betrugs beschuldigt. Gemeinsam mit Händlern anderer Banken soll er sich über die Libor-Kurse illegal abgesprochen haben.

Interbankenkurse wie der Libor werden durch die Angaben von Banken berechnet. Eine Veränderung von wenigen Basispunkten kann bei Derivate-Geschäften über enorme Gewinne oder große Verluste entscheiden. "Lassen Sie sich nicht täuschen.

Ex-Mitarbeiter sollen ausgeliefert werden

Den UBS-Händlern ging es bei der Manipulation des Libor darum, reich zu werden", sagte Staatsanwalt Lanny Breuer bei einer Pressekonferenz in Washington.

Die US-Behörden wollen sich nun um Auslieferungsverfahren für die ehemaligen UBS-Mitarbeiter bemühen. Darin hält sich vermutlich in der Schweiz auf. Dort war er in der Vergangenheit als leitender Angestellter bei der UBS für die Libor-Meldungen verantwortlich.

Hayes wurde bereits in der vergangenen Woche in Großbritannien festgenommen. Der 33-Jährige hatte bis zum September 2009 drei Jahre für die Schweizer Bank in Tokio gearbeitet. Die US-Ermittler beschrieben ihn als einen der erfolgreichsten Yen-Derivate-Händler der Welt. In seiner Zeit bei der UBS soll er für die Bank 178 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet und viele Millionen in Boni eingestrichen haben.

Weitere schlechte Nachrichten gab es für die UBS aus Hongkong. Die Finanzaufsicht HKMA nahm Ermittlungen gegen die Schweizer Bank auf. Es lägen Hinweise vor, dass UBS auch in Hongkong die lokalen Interbankenzinsen manipuliert haben soll.

Es handelt sich dabei offenbar um einen Anfangsverdacht. Ausländische Regulierer hatten die HKMA auf mögliche Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht.

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Libor, Euribor, Interbankenhandel
  • Libor

    Der Libor soll den durchschnittlichen Zinssatz angeben, den die Banken für Geldverleih-Geschäfte untereinander verlangen. Er beruht wie sein Gegenstück im Euro-Raum, der Euribor, aber nicht auf echten Transaktionen. Er wird berechnet aus Schätzungen der 18 weltweit wichtigsten Banken, zu welchen Sätzen sie Geld am Interbankenmarkt aufnehmen können. Grundlage sind also nicht tatsächliche Zinsen, sondern die Einschätzung der Banken über ihre Finanzierungsbedingungen.

    Der Libor wird täglich durch den britischen Bankenverband BBA festgestellt. Die höchsten und niedrigsten Werte werden gestrichen. Das sollte Manipulationen eigentlich ausschließen. Den Libor gibt es seit den 80er-Jahren. Der Referenz-Zinssatz ist ausschlaggebend für die Zinsen von zahlreichen Finanzierungen in Dollar. Darunter Hypotheken, variabel verzinste Immobilien-Kredite oder die Zinsen für Kreditkarten.

  • Euribor

    So wird der durchschnittliche Zinssatz bezeichnet, zu dem 57 europäische Banken einander Anleihen in Euro gewähren. Der Euribor ist die Grundlage für zahlreiche Zinsprodukte, die in Euro laufen. Täglich um 11.00 Uhr werden die Euribor-Werte – 15 verschiedene Euribor-Zinssätze mit unterschiedlichen Laufzeiten – festgesetzt. 43 Institute melden dafür ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken.

    Den Euribor gibt es seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. In Deutschland ersetzte er den Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate). Die Höhe der Euribor-Zinssätze wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dazu kommen Faktoren wie etwa das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Inflation, die Kreditwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen der Banken sowie das Vertrauen der Verbraucher.

  • Interbankenmarkt

    Auf dem Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Institute, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Dabei wechseln sich Geber- und Nehmerbanken ab. Der Markt funktioniert nur, wenn sich die Banken gegenseitig vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Das Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 immer wieder gestört. Deswegen sind die Notenbanken immer wieder eingesprungen, um die Geschäftsbanken mit billigem Geld zu versorgen. Zur Jahreswende 2011/2012 pumpte die Europäische Zentralbank rund 1000 Milliarden Euro in die Geschäftsbanken.

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