19.12.12

Behandlungskosten

Kassenpatienten müssen Milliarden Euro zuzahlen

Auf die gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland kommen 2013 laut Bericht Mehrkosten in Milliardenhöhe zu. In diesem Jahr zahlten sie besonders viel bei Medikamenten und Hilfsmitteln zu.

Quelle: Reuters
19.09.12 1:09 min.
Die Bundeskabinettsentscheidung zur Erhöhung der Apotheker-Vergütung bedeutet ein Plus in Höhe von 190 Millionen Euro. Zu diesem Anlass hatte sich Gesundheitsminister Bahr einen Überblick verschafft.

Unabhängig von der Abschaffung der Praxisgebühr müssen die gesetzlich Krankenversicherten einem Bericht zufolge im kommenden Jahr rund 3,5 Milliarden Euro bei Behandlungen zuzahlen.

Wie die "Bild"-Zeitung aus einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei zudem zitierte, waren die meisten Zuzahlungen im vergangenen Jahr für Medikamente und Hilfsmittel fällig.

Der Linke-Gesundheitspolitiker Harald Weinberg sagte der Zeitung, lediglich die Praxisgebühr abzuschaffen, die bereits ab Januar wegfallen soll, sei reiner Populismus. "Auch die anderen Zuzahlungen haben in der Krankenversicherung nichts zu suchen", fügte er an. So würden diejenigen Patienten bestraft, die sich an die Verordnungen des Arztes hielten.

Lieferengpässe bei Arzneimittelversorgung

Am Vortag war zudem bekanntgeworden, dass es in den Krankenhäusern immer öfter zu Engpässen bei der Versorgung mit Arzneimitteln kommt. In einem Brief an die Politik räumen die großen Arzneiverbände "Lieferschwierigkeiten" ein. Diese könnten "kurzfristig sein und nur wenige Tagen dauern, aber auch längere Zeiträume umfassen". Es sei aber zwischen Liefer- und Versorgungsengpässen zu unterscheiden.

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) stehen immer häufiger auch lebenswichtige Arzneimittel nicht zur Verfügung. Die Bundesregierung kündigte an, sie wolle Anfang nächsten Jahres mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen.

Nebenwirkungen bei Alternativpräparaten

Laut einer Erhebung der DKG unter 100 Krankenhäusern standen innerhalb eines Monats 25 der 400 bis 600 von den Kliniken verwendeten Medikamente nicht zur Verfügung. Dies sei eine relevante Größenordnung. Betroffen seien auch Krebsmittel, Antibiotika sowie Präparate zur Notfallbehandlung etwa nach einem Schlaganfall.

Einem Sprecher zufolge muss daher auf weniger gute Medikamente zurückgegriffen werden. Krebspatienten würden während der laufenden Therapie auf andere Präparate eingestellt, was zu Nebenwirkungen führen könne. Auch könne sich die Umstellung ungünstig auf die Tumorentwicklung auswirken.

Die Politik zeigte sich alarmiert. Ein Sprecher von Gesundheitsminister Daniel Bahr sagte, aufgrund der Hinweise von Ärzten, Apotheken und Industrie über Lieferschwierigkeiten hätten bereits Gespräche über Ursachen und Gegenmaßnahmen stattgefunden. Diese würden zu Beginn des nächsten Jahres mit allen Beteiligten fortgesetzt.

Quelle: AFP/Reuters/cat
Quelle: dapd
21.09.12 1:17 min.
Laut britischen Ärzten kann die regelmäßige oder falsche Einnahme von Schmerzmitteln dazu führen, dass die Beschwerden sogar stärker werden.
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Tipps zum Sparen in der Apotheke
  • Riesiges Sparpotenzial

    Rund 14 Arzneimittel hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr durchschnittlich vom Arzt verordnet bekommen. 488 Euro kosteten diese verschreibungspflichtigen Medikamente pro Person. Den Großteil dafür übernimmt die Krankenkasse, doch gesetzlich Versicherte müssen sich mit Zuzahlungen von zehn Prozent, mindestens aber fünf Euro pro Medikament beteiligen. Hinzu kommen durchschnittlich 51 Euro, die jeder Bundesbürger jedes Jahr für freiverkäufliche Medikamente ausgibt. Da kommt am Ende des Jahres einiges zusammen. Doch es gibt Möglichkeiten, zu Sparen.

  • Verschreibungspflichtige Medik

    Für verschreibungspflichtige Medizin ist ein Preisvergleich nicht möglich – und auch die im europäischen Ausland ansässigen Versandapotheken dürfen nun keine größeren Rabatte oder Boni auf eingereichte Verordnungen mehr geben. Kleine Nachlässe aber sind erlaubt. Oft gibt es Gutscheine, für die freiverkäufliche Medikamente oder Kosmetika erworben werden können. Ungeklärt ist bislang, ob Mini-Rabatte pro Rezept oder pro verordnetem Medikament eingeräumt werden dürfen. Wettbewerbshüter haben ein misstrauisches Auge drauf, seit einer Entscheidung des BGH 2010. Hier warten alle Seiten auf ein klärendes höchstrichterliches Urteil. Solange können Patienten die gewährten Rabatte allerdings nutzen.

  • Freiverkäufliche Medikamente

    Für freiverkäufliche Medikamente wurde 2004 die Preisbindung aufgehoben. Seither können Apotheken Preise selbst festlegen und müssen sich nicht an Empfehlungen der Hersteller halten. Vor allem Versandapotheken, nicht nur ausländische, geben erhebliche Preisvorteile von bis zu 50 Prozent. Über Portale wie Medizinfuchs.de oder Medipreis.de können Patienten Preise vergleichen.

  • Steuern

    Die Ausgaben für Medikamente und medizinisch notwendige Behandlungen können steuerlich als „außergewöhnliche Belastungen“ geltend gemacht werden – allerdings gilt das erst abzüglich einer vom Verdienst abhängigen zumutbaren Belastung. Wie der BFH jüngst entschieden hat, fallen unter diese Position in der Steuerererklärung auch die zehn Euro Praxisgebühr, die gesetzlich Versicherte im Quartal für Arztbesuche zahlen müssen.

  • Generika

    Gerade im Sortiment der freiverkäuflichen Arzneimittel gibt es eine große Auswahl an Nachahmer-Medikamenten, so genannten Generika. Sie enthalten die gleichen Wirkstoffe wie das Originalpräparat, sind aber deutlich billiger. Über die Möglichkeit, ein günstigeres Arzneimittel mit derselben Wirkung zu kaufen, sollte ein Apotheker aufklären. Generika gibt es auch im verschreibungspflichtigen Bereich – hierüber muss dann aber der Arzt Bescheid wissen. So lassen sich zumindest Zuzahlungen reduzieren.

  • Zuzahlungsbefreiung

    Übersteigen die Kosten für notwendige Arzneimittel, Zuzahlungen und weitere Verordnungen eine bestimmte finanzielle Belastungsgrenze, können Patienten bei ihrer Kasse Zuzahlungsbefreiung beantragen. Als Belastungsgrenze gelten zwei Prozent des Bruttoeinkommens, bei Chronikern hingegen liegt die Grenze bei einem Prozent.

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