13.12.12

Indizes

Verblüffende Reaktion des Goldes auf Fed-Geldspritze

Die Börsen weltweit hatten auf eine Geldspritze der US-Notenbank Fed gesetzt. Doch als es dann tatsächlich so kam, blieben die Reaktionen der Anleger zurückhaltend. Einzig der Goldmarkt verblüffte.

Er hat alles gemacht, was sie wollte. Und sie ist trotzdem nicht zufrieden. Er, das ist Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Sie, das ist die Börse mit ihren Akteuren. Die großen Banken und Investoren wollten, dass Bernanke die Märkte mit frischem Geld flutet. Genau das hat er am Mittwochabend als Beschluss verkündet. Doch die Kapitalmärkte reagierten verhalten.

Trotz der jüngsten Geldspritze schloss der Deutsche Aktienindex (Dax) bei 7581 Punkten leicht im Minus. Auch andere Indizes von Asien bis nach Amerika notierten zumeist im roten Bereich.

Gold reagiert unerwartet

Unerwartet reagierte der Goldmarkt: Der Preis des gelben Metalls gab um rund ein Prozent auf 1697 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach. Nicht wenige Beobachter hat diese Reaktion verblüfft. Denn die Ausweitung der Dollar-Geldmenge, von manchen als Politik der Notenpresse kritisiert, müsste die Alternativ-Währung Gold eigentlich stärken.

"Der Dollar gewinnt aggressiv gegenüber Gold und Silber, den Währungen ohne Fehl und Tadel", sagt Folker Hellmeyer, Chefstratege der Bremer Landesbank. Diese Bewegung stehe im diametralen Widerspruch zur Sachlage.

Auch Rohstoff-Experten Eugen Weinberg von der Commerzbank wundert sich über die Reaktion des Goldpreises: "Das hat vor allem mit der höheren Risikobereitschaft der Anleger zu tun, was Gold als sicherer Hafen weniger attraktiv macht", sagt er. Für 2013 rechnet er wegen der ultra-lockeren Geldpolitik der Zentralbanken aber mit einem neuen Rekordpreise für das gelbe Metall.

Wertpapierkäufe ausgeweitet

Bei seiner Zinssitzung am Mittwoch hatte der Offenmarktausschuss der Fed unter Leitung seines Vorsitzenden Ben Bernanke beschlossen, die Wertpapierkäufe der Notenbank nochmals deutlich auszuweiten.

Zusätzlich zu den bereits vorgesehenen monatlich 40 Milliarden Dollar an Hypotheken-besicherten Papieren sollen nun auch 45 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen gekauft werden.

Die unorthodoxen Maßnahmen dienen dem Zweck, Geld ins Finanzsystem zu pumpen. Die Banken sollen dazu ermutigt werden, wieder mehr Kredite zu vergeben. Zugleich sollen sinkende Zinsen (eine Folge der Wertpapierkäufe durch die Notenbank) und steigende Aktienkurse Unternehmen und Verbraucher dazu animieren, wieder mehr Geld auszugeben, um die stotternde Konjunktur anzuschieben.

Angenehmer Nebeneffekt für Staat

Für den amerikanischen Staat haben die Wertpapierkäufe der Notenbank den angenehmen Nebeneffekt, dass seine Zinskosten bei der Verschuldung nach unten gehen. Zuletzt mussten die USA nur 1,7 Prozent Zinsen für Schuldtitel mit zehnjähriger Laufzeit bieten.

Das jetzige Kaufprogramm ist nicht das erste seiner Art. Das erste initiierte die Fed im November 2008, mitten in der Finanzkrise. Damals machte Bernanke die Welt mit dem Fachausdruck "Quantitative Lockerung" (englisch QE für quantitative easing) vertraut.

Bei diesem inzwischen als QE1 in die Geschichte eingegangenen Programm kaufte die US-Notenbank bis März 2010 verschiedene Arten von Zinspapieren für insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Der Leitindex S&P stieg in dieser Zeit von rund 900 auf 1200 Punkte, der Goldpreis zog von 800 Dollar auf 1100 Dollar an.

Operation Twist läuft aus

Es folgte der Kauf von lang laufenden US-Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar von November 2010 bis Juni 2011, nunmehr als QE2 bekannt, sowie die im September 2011 verkündete "Operation Twist", bei der Schuldtitel mit kurzer Laufzeit in solche mit langer Laufzeit getauscht werden.

Diese Operation Twist läuft nun aus, weshalb besorgte Investoren auf eine Ausweitung des im vergangenen Herbst beschlossenen QE3-Programms gedrungen hatten.

Diesen Wunsch hat die Fed den Investoren nun erfüllt. Die offizielle Begündung der Maßnahmen ist eine Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Situation, was ebenso Auftrag der US-Notenbank ist wie die Aufrechterhaltung von Geldwertstabilität.

Bernankes Beamte erklärte zudem, der Leitzins werde solange auf seinem jetzigen Niveau von nahe null bleiben, wie die Arbeitslosigkeit nicht unter unter 6,5 Prozent gefallen ist. Eine andere Situation könne sich nur dann ergeben, wenn die Inflation nachhaltig über 2,5 Prozent schnelle.

Skeptiker fürchten nachlassende Wirksamkeit

Befürworter der unorthodoxen Maßnahmen verweisen darauf, dass die beherzten Interventionen der Federal Reserve die US-Arbeitslosigkeit tatsächlich nach unten gebracht hätten. Zuletzt lag die Erwerbslosenquote in der weltgrößten Volkswirtschaft bei 7,7 Prozent, während in der Euro-Zone 11,7 Prozent der Erwerbspersonen ohne Job sind.

Skeptiker sehen die Wirksamkeit der Geldspritzen mehr und mehr nachlassen. Dazu kommen steigende Inflationsgefahren durch die Geldflut. Akut sind diese Gefahren zwar nicht, aber das könnte sich schnell ändern.

"Die jetzigen Beschlüsse bedeuten, dass die Bilanzsumme der Fed um monatlich 85 Milliarden Dollar wächst", sagt Kit Juckes, Stratege bei der französichen Großbank Société Générale. Das bedeutet eine Aufblähung der Notenbank-Bilanz um rund eine Billion Dollar bis Ende 2013 – und eine potenzielle rasante Ausweitung der Geldmenge.

Sein Fazit: "Seit der Weimarer Republik hat es keine Zentralbank mehr gegeben, die eine derart lockere Geldpolitik betrieben hat."

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  • Japan

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    2013: 0,7 Prozent

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    Bruttoinlandsprodukt real, arbeitstäglich bereinigt, Quelle: dpa

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