13.12.12

Trotz Politkrise

Italiens Zinsen auf tiefstem Stand seit Herbst 2010

Die Aufregung der Märkte um ein mögliches Berlusconi-Comeback hat sich gelegt, Italien kommt problemlos an frisches Geld. Spanien traut sich sogar mit einer langfristigen Staatsanleihe an den Markt.

Quelle: Reuters
11.12.12 1:52 min.
Die Bundesregierung ist verärgert über die Kritik Silvio Berlusconis, der eine "deutschen Sparpolitik" der Regierung in Rom für die Rezession Italiens verantwortlich macht.

Italien kann sich billiger frisches Geld leihen: Trotz der anhaltenden politischen Turbulenzen gelang es dem Land, zwei Anleihen zu gesunkenen Zinsen zu verkaufen. Das geht aus Daten der italienischen Schuldenagentur hervor.

Mit einer dreijährigen Anleihe sammelte Italien demnach knapp 3,5 Milliarden Euro ein. Die Zinsen gingen gegenüber der letzten Auktion am 14. November von 2,64 auf 2,5 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Wert seit Ende Oktober 2010.

Zudem zapfte Rom Investoren im langen Laufzeitbereich bis 2026 an. Das entsprechende Papier spülte zu einem Zinssatz von 4,75 Prozent weitere 729 Millionen Euro in die Staatskasse.

Nachfrage mehr als ausreichend

Insgesamt konnte Italien das maximale Platzierungsziel von 4,25 Milliarden Euro damit beinahe erreichen. Die Nachfrage nach den Anleihen ging gegenüber den letzten Auktionen leicht zurück, blieb aber mehr als ausreichend.

Die politischen Risiken in Italien waren zuletzt wieder gestiegen. Silvio Berlusconi hatte die Finanzmärkte zwischenzeitlich mit einer Comeback-Ankündigung in Aufruhr versetzt. Am Mittwochabend deutete er jedoch an, nun doch eventuell wieder Abstand von diesen Plänen zu nehmen. Bereits am Mittwoch hatte Italien sich mühelos 6,5 Milliarden Euro am Geldmarkt besorgt.

Spanien platziert Langfristanleihe

Mit Spanien gelang es einem weiteren Euro-Sorgenkind, den Kapitalmarkt anzuzapfen. Erstmals seit gut eineinhalb Jahren platzierte Madrid eine Staatsanleihe mit dreißigjähriger Laufzeit.

Zusammen mit zwei weiteren Papieren mit Fälligkeit 2015 und 2017 nahm das krisengeschwächte Euro-Land insgesamt 2,02 Milliarden Euro auf, wie aus Zahlen der spanischen Notenbank hervorgeht. Die Summe lag sogar etwas höher als die angestrebte Kapitalaufnahme. In den kurzen Laufzeiten waren die zu zahlenden Renditen rückläufig.

Problemlose Versteigerung

Da Spanien seinen Refinanzierungsbedarf für das laufende Jahr bereits seit einigen Wochen gedeckt hat, dienen die neu aufgenommenen Mittel bereits der Finanzierung des Staatshaushalts 2013. Im Vorfeld der Auktion war aus dem Handel zu hören gewesen, das vergleichsweise geringe Volumen der Emissionen spreche für eine problemlose Versteigerung.

Als fraglich galt jedoch, wie das dreißigjährige Papier vom Markt aufgenommen wird. Schließlich war es das erste Mal seit Mai 2011, dass Spanien mit einem derart langlaufenden Schuldtitel an Investoren herantrat.

Die Versteigerung des Langläufers war aber problemlos: Die Nachfrage war gut doppelt so hoch wie das Angebot. Die durchschnittliche Rendite lag bei 5,89 Prozent.

Quelle: dpa/cat
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Spanische Wirtschaftsdaten
  • Das Land

    Die Kaufkraft pro Einwohner in Spanien liegt in diesem Jahr bei 12.943 Euro. Das entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Kaufkraft je Einwohner den Berechnungen zufolge bei 20.014 Euro, in Italien bei 16.179 und im krisengeschüttelten Griechenland bei 11.357 Euro.

    Dabei ist die Kaufkraft – also die Summe, die Bürger nach Abzug von Steuern und Abgaben für Konsumausgaben und zum Sparen übrig haben – auch in Spanien durchaus sehr unterschiedlich verteilt: Der Wohlstand konzentriert sich auf die Grenzregion zu Frankreich im Norden – und auf die zentral gelegene Hauptstadtregion Madrid.

  • Das reiche Spanien

    Die Provinzen mit der höchsten Kaufkraft pro Einwohner befinden sich im Baskenland an der Grenze zu Frankreich. Spitzenreiter ist Gipuzkoa (16.707 Euro), dicht gefolgt von Alava (16.461 Euro) und Navarra (16.284 Euro). Die Region Madrid liegt mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 16.238 Euro an vierter Stelle.

    Für Spanien ist das reich – beim Euro-Partner Italien allerdings entspricht dieser Wert gerade einmal dem landesweiten Durchschnitt. Auffällig ist, dass die Kaufkraftspreizung in Spanien in beide Richtungen etwa gleich weit ausschlägt: Während das reiche Gipuzkoa rund 30 Prozent über dem spanischen Durchschnitt liegt, rangiert die kaufkraftschwächste Region Cádiz etwa 30 Prozent darunter.

  • Das arme Spanien

    Das Schlusslicht Cádiz an der Südspitze des Landes bringt es auf gerade einmal 8729 Euro Kaufkraft je Einwohner. Das entspricht in etwa der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft Maltas oder der Slowakei. In den bevölkerungsarmen Provinzen Cáceres, Huelva und Badajoz, allesamt an der Grenze zu Portugal gelegen, sieht es nicht viel besser aus. Auch dort liegt die Kaufkraft je Einwohner weit unter dem spanischen Durchschnitt.

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