12.12.12

Mastercard & Visa

Kreditkarten drohen in Deutschland teurer zu werden

Die Politik will die Transparenz der Kreditkartenkosten erhöhen. Für die Verbraucher wird das wohl zu steigenden Kosten führen. Denn das geplante Modell ist im Ausland schon im Einsatz.

Von Karsten Seibel
Foto: Infografik Die Welt

Bei kleineren Umsätzen müssen Händler höhere Provisionen zahlen
Bei kleineren Umsätzen müssen Händler höhere Provisionen zahlen

Der Streit um die Gebühren von Kreditkarten spitzt sich zu. Verbrauchern könnte es bald nicht mehr egal sein, ob sie an der Ladenkasse per Kreditkarte, Lastschriftverfahren oder Bargeld zahlen. Denn der Karteneinsatz droht teurer zu werden.

Bislang weiß der Großteil der Kunden gar nicht, dass ein Händler einen Abschlag von teilweise mehr als drei Prozent auf den Preis hinnehmen muss, wenn er die Zahlung per Kreditkarte akzeptiert. Denn bevor das Geld auf dem Konto des Ladeninhabers landet, bedienen sich Banken im Hintergrund – der Kartenpartner des Händlers und die kartenherausgebende Bank des Kunden. Vor allem die Interchange-Gebühren sorgen seit Jahren für Diskussionen.

EU-Kommission sieht mögliches Preiskartell

Die EU-Kommission sieht darin ein mögliches Preiskartell, weil der Händler auf die Höhe der Gebühren nur schwer Einfluss nehmen könne. Sie will deshalb die Gebührensätze gesetzlich festlegen lassen. Das EU-Parlament forderte jüngst sogar, dass die Händlergebühren ganz abgeschafft werden. Das Jahr 2013 soll eine Entscheidung bringen.

"Staatliche Regulierung des funktionierenden, effizienten Zahlungsverkehrs in Deutschland führt zu signifikanten Belastungen für den Verbraucher", sagte Mastercard-Deutschland-Chef Christian Stolz bei der Präsentation einer Untersuchung in Frankfurt am Main.

Die Untersuchung, von der Mastercard hofft, dass sie auch bei der Wettbewerbskommission in Brüssel zu einem Umdenken führt und das bisherige Modell rettet, kommt von drei spanischen Universitäten, die sich mit der Entwicklung der Kreditgebühren in den vergangenen fünf Jahren beschäftigt haben. Mastercard war an der Studie nach eigenen Angaben nicht beteiligt.

Banken holen sich entgangene Einnahmen von Kunden

In Spanien setzte die Regierung bereits 2005 durch, dass die Interbanken-Entgelte stufenweise zwischen 2006 und 2010 reduziert wurden, durchschnittlich um fast 60 Prozent. Ein Großteil der Gebührensenkung wurde der Untersuchung zufolge an die Einzelhändler in Spanien weitergegeben. Der Abschlag auf den Ladenpreis sank um gut die Hälfte, genau um 51 Prozent.

Die entgangenen Einnahmen von Seiten des Handels besorgten sich die spanischen Banken dafür beim Verbraucher. So erhöhten sich die Jahresgebühren für die Kreditkarten in den fünf Jahren um rund die Hälfte. Statt 23 Euro im Jahr 2005 kostete die Kreditkarte im Jahr 2010 bereits mehr als 34 Euro im Durchschnitt.

Zahl der Einkäufe mit Plastikgeld steigt

Die Autoren kommen zu dem Schluss: "Weder die Händler noch die verantwortlichen Ministerien, die Wettbewerbsbehörde, die spanische Zentralbank oder das nationale Statistikamt konnten empirische Belege dafür vorlegen, dass die Verbraucher in irgendeiner Weise von der Absenkung der Interbankenentgelte profitiert hätten", schreiben sie in der Studie. Obwohl genau dies 2005 ein Ziel gewesen sei.

Immerhin ist die Zahl der Einkäufe, die via Kreditkarte beglichen wurden, im Untersuchungszeitraum gestiegen, auch bei kleineren Beträgen zückten die Kunden in Spanien vermehrt die Karte. Zudem stieg die Zahl der ausgegebenen Karten bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 in dem Mittelmeerland unverändert an. Das heißt, die Kunden ließen sich von den höheren Jahresgebühren zunächst nicht abschrecken.

Quersubventionierung mit hohen Überziehungszinsen

Ob deutsche Verbraucher in den nächsten Jahren ähnliche Preisaufschläge wie in Spanien befürchten müssen, ist noch nicht ausgemacht. "Ich bezweifle, dass die Banken in Deutschland die Kreditkartenkosten in ähnlichem Umfang auf den Verbraucher abwälzen könnten", sagte Jürgen Bott, Finanzwissenschaftler und Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern, bei der Präsentation der Untersuchung.

Schließlich würden deutsche Banken einzelne Produkte, beispielsweise ein Girokonto, sehr viel stärker durch Einnahmen an anderer Stelle, etwa höhere Überziehungszinsen, subventionieren. Der Wettbewerb zwischen Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Instituten trägt dazu bei.

Kreditkarten dürften auch in Deutschland teurer werden

Dass für Verbraucher der Einkauf per Kreditkarte auch hierzulande grundsätzlich teurer werden könnte, wird von keiner der beteiligten Parteien in dem Gebühren-Streit bestritten. So machte das EU-Parlament im November deutlich, dass das bisherige Geschäftsmodell der Kreditkartengesellschaften und Banken im Zahlungsverkehr komplett verändert werden müsse. Dazu gehöre, dass höhere Jahresgebühren von den Karteninhabern verlangt werden.

Beim Handelsverband Deutschland (HDE) will man die eigene Klientel nicht vollkommen von Gebühren befreien. "Aber auch der Kunde muss künftig stärker seinen Anteil tragen", sagt HDE-Zahlungsverkehrsexperte Ulrich Binnebößel. Dass sich die möglicherweise künftig geringeren Belastungen für den Handel direkt auf die Preise der Waren auswirken, ist allerdings kaum zu erwarten. Zumindest so lange nicht, wie der Anteil der Einkäufe, die in Deutschland per Kreditkarte beglichen werden, lediglich bei rund fünf Prozent liegt.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
4D-Achterbahn Das Batmobil gibt es bald auch als Achterbahn
Neuseeland Polizei sucht nach zweifachem Todesschützen
Irak-Krise Irakische Stadt Amerli aus IS-Belagerung befreit
Arbeitskampf Jetzt streiken die Lokführer
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Hinter den Kulissen

Tage der offenen Tür bei der Bundesregierung

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote