12.12.12

Börsen-Rallye

Aktie bleibt für viele Sparer der letzte Ausweg

Der deutsche Leitindex steigt über 7600 Punkte. Und der kleine Bruder MDax erreicht sogar erstmals mehr als 12.000 Zähler. Der Einstieg kann sich für Anleger aber immer noch lohnen.

Foto: Infografik Die Welt

Kursentwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax)
Kursentwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax)

Nicht mal Silvio Berlusconi kann die Börsen dieser Tage noch verschrecken. Die Kurse steigen auch in dieser Woche weiter, obwohl der 76-Jährige angekündigt hat, erneut bei den italienischen Parlamentswahlen zu kandidieren. Selbst diese Aussicht kann die Investoren in ihrem Optimismus nicht mehr beeinträchtigen.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte am Mittwoch erstmals seit fünf Jahren wieder über 7600 Punkte, der MDax, in dem die Konzerne aus der zweiten Reihe versammelt sind, nahm sogar erstmals die Marke von 12.000 Zählern und markierte damit ein neues Allzeithoch.

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht

Seit Mitte November hält diese Rallye an. Damals hatte der Dax ein Zwischentief bei rund 6950 Punkten erreicht, seither hat er rund zehn Prozent zugelegt. Das ist immerhin rund die Hälfte des Gesamtzugewinns des Dax in diesem Jahr, der seit dem 1. Januar um fast 20 Prozent zulegte. Ganz ähnlich sieht es beim MDax aus. Und die meisten Aktienexperten glauben, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

"Die bisherigen Kursgewinne haben nur die Entwicklung des Vorjahres korrigiert", sagt Henning Gebhardt, Leiter des Aktienfondsmanagements bei der DWS. Denn nach Ausbruch der Euro-Krise hatten die meisten außereuropäischen Investoren den Kontinent fluchtartig verlassen, viele besaßen lange Zeit überhaupt keine europäischen Aktien mehr, und wenn, dann allenfalls noch einige deutsche. Das führte dazu, dass Europas Börsen der weltweiten Entwicklung lange hinterher hinkten.

8000 Dax-Punkte scheinen 2013 leicht erreichbar

Nun jedoch kommen die internationalen Investoren allmählich wieder zurück. Das entscheidende Signal für sie war die Ankündigung des EZB-Chefs Mario Draghi von Ende Juli, alles zu tun, um den Euro zu verteidigen. Seither beruhigt sich die Lage an den Anleihemärkten der Eurozone, und nach und nach kommen auch die Anleger zurück. Das treibt die Kurse nach oben.

Und Gebhardt glaubt, dass dies noch ein gutes Stück weiter gehen kann. "Allein die Dividenden werden den Dax im kommenden Jahr um rund 300 Punkte steigen lassen", sagt er. Denn die Dividenden werden beim deutschen Börsenbarometer, im Gegensatz zu vielen anderen, mit eingerechnet. Die 8000 Punkte, die er für den Dax zum Jahresende 2013 prognostiziert, scheinen so leicht erreichbar. "Wir erwarten aber 2013 auch ein neues Allzeithoch für den Dax", sagt er. Der bisherige Rekordstand war im Sommer 2007 bei 8151 Punkten verzeichnet worden. Bis dahin fehlen nur noch rund neun Prozent.

Aktien scheinen für viele Anleger der einzige Ausweg

Für einen anhaltenden Aufwärtstrend spricht eine ganze Reihe von Gründen. Die Zentralbanken bleiben bei ihrer sehr lockeren Geldpolitik, was nichts anderes heißt, dass Banken sich quasi zum Nulltarif Geld leihen können. Zudem drücken die Notenbanken die Zinsen durch den Aufkauf von Staatsanleihen.

Dies führt dazu, dass die Renditen für diese Papiere selbst bei Laufzeiten von zehn Jahren oder mehr unter der Inflationsrate liegen. Anleger, die also auf deutsche, amerikanische oder britische Staatsanleihen setzen, verlieren damit Jahr für Jahr Geld. Und auch die Zinsen für Anleihen von krisenfesten Unternehmen sind inzwischen auf einem solch niedrigen Niveau, dass sich damit kaum noch etwas verdienen lässt.

Daher bleibt vielen Anlegern inzwischen nur noch die Aktie als Ausweg – was zumindest von der amerikanischen Notenbank auch durchaus so gewollt ist. "Denn seit 2009 ist das Vermögen der Amerikaner durch die Aktienkursentwicklung allein um 500 Milliarden Dollar gestiegen", sagt Anton Brender, Chefvolkswirt von Dexia Asset Management. Das lässt diese sich "reicher" fühlen und bringt sie dazu, wieder mehr Geld auszugeben. Kein Wunder also, dass neuerdings wieder deutlich positivere Nachrichten zur US-Konjunktur kommen.

Deutsche Aktien gehören zu den Stars an den Börsen

Und schließlich sind auch die Bewertungen der börsennotierten Unternehmen derzeit noch nicht besonders hoch, zumindest in Europa. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt im Schnitt immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Besonders gilt dies jedoch für die Firmen aus den Peripheriestaaten, deren Aktien in den vergangenen zwei Jahren in den Keller geprügelt wurden. Deutsche Aktien dagegen konnten sich ganz gut behaupten, gehörten 2012 sogar zu den Stars an den Börsen.

Die meisten Aktienexperten halten dennoch auch für 2013 an deutschen Aktien fest, auch und gerade an Nebenwerten. "Für Investoren ist der deutsche Nebenwertemarkt allein aufgrund seiner Größe interessant", sagt Holger Stremme, Manager des LBBW Dividenden Strategie Small & MidCaps Fonds. Hinzu komme, dass viele Unternehmen derzeit über prall gefüllte Kassen verfügen.

Aktien aus Spanien und Italien wieder interessant

Sie suchen daher nach Übernahmezielen, und diese finden sie meist in der zweiten und dritten Reihe. Aber Stremme sieht auch wachsendes Interesse an Werten aus anderen Euroländern, insbesondere Spanien oder Italien. Viele Anleger sehen sich die dortigen Aktien nun erstmals wieder an. Für sie spricht, dass ihre Kurse noch nicht so stark gestiegen sind wie jene in Kerneuropa. Und wenn sich die wirtschaftliche Lage dort weiter entspannt, haben sie großes Potenzial.

Trotz der Rekordstände lohnt es sich für Sparer also noch, über Anlagen in Aktien nachzudenken, denn die Alternativen wie Tagesgeld oder Festgeld führen nach Inflation zu stetigen Verlusten. Allerdings sollten sich Anleger nicht nur auf deutsche Unternehmen konzentrieren, inzwischen lohnt sich auch mal wieder ein Blick in andere Teile Europas.

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