11.12.12

Corporate Bond

Sparer entdecken die Unternehmensanleihen zu spät

Die Bundesbürger haben 2012 mehr als fünf Milliarden Euro in Rentenfonds mit Schwerpunkt Unternehmensanleihen gepackt. Die Renditen allerdings sind auf den tiefsten Stand seit 1957 gefallen.


Unternehmesanleihen-Index von Moody’s
Unternehmensanleihen-Index von Moody's

Deutsche Privatanleger gelten gemeinhin als Kontraindikator. Sie entdecken eine Anlageklasse immer erst dann, wenn die Hausse bereits gelaufen ist und es nicht mehr viel zu verdienen gibt oder gar Verluste drohen. Wenn der Anlage-Michel sein Geld dann investiert, ermöglicht er damit nicht selten anderen Anlegern den lukrativen Ausstieg.

Insofern ist Vorsicht geboten, wenn deutsche Sparer dieser Wochen in großem Stile bei Unternehmensanleihen einsteigen. Gekauft werden nicht nur einzelne Mittelstandspapiere. Auch Corporate-Bond-Fonds erfreuen sich milliardenschweren Zuspruchs.

Laut Fondsverband BVI flossen Rentenfonds mit dem Schwerpunkt auf Unternehmenstitel in diesem Jahr 5,4 Milliarden Euro an frischem Geld zu. Das Segment, das bei Privaten hierzulande bisher ein Schattendasein führte, verzeichnete beim Anlagevolumen einen Zuwachs um mehr als ein Viertel. Insgesamt 24 Milliarden Euro stecken nun in den Fondsvehikeln.

Höhere Renditen als bei Staatspapieren

Vor allem Renditejäger haben Unternehmensanleihen entdeckt. Denn im Vergleich zu Staatsanleihen oder Tagesgeldkonten werden hier noch auskömmliche Zinsen von vier bis sechs Prozent versprochen. Doch wenn immer mehr Investoren die Unternehmensanleihen kaufen, sinkt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage automatisch die Verzinsung. Gleichzeitig nehmen wegen der konjunkturellen Fährnisse die Risiken der Papiere zu.

Ablesen lässt sich das am Moody's Unternehmensanleihe-Index. Dieser weist aktuell eine durchschnittliche Rendite von nicht einmal mehr vier Prozent aus. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1958. Noch Anfang 2010 warfen die Titel durchschnittlich sechs Prozent ab, im Jahr 2008 waren es immerhin sieben Prozent.

Bereits investierte Anleger erzielten grandiose Gewinne. Anleihen aus dem Finanzsektor verzeichneten in diesem Jahr sogar die beste Entwicklung aller Zeiten, der breite Markt für Corporate Bonds das beste Jahr seit 2009.

Risiken steigen im kommenden Jahr

"Mit Unternehmensanleihen konnten Investoren in diesem Jahr Erträge von bis zu 20 Prozent erzielen. Diese Rallye wird sich 2013 kaum wiederholen", warnt Patrick Kohlmann, Anleihestratege bei der Commerzbank in Frankfurt. Er hält die klassischen Titel für ausgereizt. "Unternehmensanleihen höherer Bonität dürften 2013 nur einen Ertrag von rund einem Prozent abwerfen; das dürfte nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen", sagt Kohlmann.

Wer im kommenden Jahr noch etwas verdienen wolle, müsse schon erheblich größere Risiken eingehen und sein Geld in Hochzinstitel stecken. Bei den sogenannten High-Yield-Bonds, im Jargon auch Schrottanleihen genannt, stellt der Commerzbanker Anlegern noch Renditen von bis zu acht Prozent in Aussicht.

Tatsächlich sind die Zinsaufschläge solider Firmentitel etwa zu Bundesanleihen nur noch marginal. Eine zehnjährige BASF-Anleihe wirft mit etwas über zwei Prozent gerade mal 0,7 Prozentpunkte mehr ab als deutsche Staatsschuldtitel. Nach Abzug der Inflation bleibt also auch von der Rendite der Unternehmensanleihen nichts übrig. Nach Ansicht von vielen Experten sind Aktien eine bessere Alternative.

Der Chemiekonzern BASF etwa bietet seinen Anteilseignern eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent und damit deutlich mehr als seinen Anleihehaltern. Allerdings sind Dividenden keine sichere Angelegenheit, wie das Beispiel ThyssenKrupp zeigt. Nach Verlusten beim Stahlkonzern wurde hier kurzerhand die Ausschüttung gestrichen. Bei Unternehmensanleihen ist die Verzinsung hingegen sicher, zumindest so lange, wie das entsprechende Unternehmen nicht Insolvenz angemeldet hat.

Fonds bieten eine Alternative

Wer Aktien nicht traut und für Hochzinsanleihen zu risikoscheu ist, also die relative Vorzüglichkeit solider Unternehmensanleihen schätzt, hat hierzulande die Wahl zwischen 212 Fonds. Im Gegensatz zu anderen Fondskategorien hängen aktiv gemanagte Vehikel die passiven Indexprodukte klar ab. Durch geschickte Übergewichtung etwa von Bankanleihen konnten viele Profis den Markt schlagen.

Der beste Fonds im Segment, der Sparinvest Grade Value Bond, schaffte seit Januar ein Plus von fast 30 Prozent. Doch die hohe Rendite hat auch ihren Preis. Der Kurs ist größeren Schwankungen ausgesetzt. So betrug der maximale Wertverlust auf Ein-Jahres-Sicht 5,9 Prozent. Andere Produkte verzeichneten in ihrer Historie dagegen weitaus geringere Abschläge.

Anleger sollten also neben der Rendite auf die Kenngröße maximaler Wertverlust schauen. Auch ein Blick auf die Portfoliozusammensetzung ist aufschlussreich. Einige Fonds haben Finanztitel, nämlich Anleihen von Banken und Versicherungen, zu über 70 Prozent gewuchtet. Andere haben ihr Portfolio weitaus stärker diversifiziert.

Investoren ziehen sich aus EFTs zurück

Nicht nur Commerzbanker Kohlmann warnt vor überzogenen Erwartungen. Gerade in den USA nehmen die skeptischen Stimmen zu. In Übersee beginnt die seit vier Jahren anhaltende Begeisterung von Bondinvestoren für Unternehmensanleihen sogar schon abzuebben.

Investoren ziehen aus börsengehandelten Fonds (ETF), die Unternehmensanleihen halten, so viel Geld ab wie seit sechs Monaten nicht mehr, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Der ETF von Pimco hat seine Bestände an Unternehmenspapieren zugunsten von Staatsanleihen reduziert.

Der Total Return ETF von Pimco hat den Anteil seiner Unternehmensanleihen um mehr als drei Prozentpunkte auf 18,9 Prozent reduziert, zeigen Bloomberg-Daten. Nach den "bemerkenswerten" Erträgen bei Unternehmensanleihen in diesem Jahr ist der Anreiz laut Merill Lynch niedrig, weitere Investments einzugehen.

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