10.12.12

Geldpolitik

Der Goldpreis setzt zur Jahresendrallye an

Die US-Notenbank hält an der lockeren Geldpolitik fest und will offenbar noch mehr Anleihen aufkaufen. Damit wächst die Inflationsgefahr weiter. Deshalb greifen Investoren vermehrt zu Gold.

Foto: Infografik Die Welt

Noch hat der Goldpreis den Rekordstand vom September 2011 nicht erreicht
Noch hat der Goldpreis den Rekordstand vom September 2011 nicht erreicht

Der Goldpreis wird im kommenden Jahr nach Meinung von Experten wieder auf den Rekordkurs der vergangenen vier Jahre einschwenken. Insgesamt 16 von Bloomberg befragte Analysten sagen für den Goldpreis im vierten Quartal des Jahres 2013 durchschnittlich 1925 Dollar und damit einen neuen Rekord voraus.

In diesem Jahr habe der Goldpreis noch unter einem reduzierten Bedarf aus der Schmuckindustrie gelitten. In jedem Jahr seit 2008 hat der Goldpreis auf Jahresbasis einen Rekord markiert. Das geltende Allzeithoch von 1921,15 Dollar je Unze stammt von September 2011.

Im Jahresverlauf ergibt sich bislang ein Plus von neun Prozent, womit sich die Serie von jeweils höheren Preisen auf Gesamtjahresbasis seit dem Jahresende 2000 fortsetzen würde.

"Obgleich ein Höchststand bislang ausblieb, hat der Goldpreis schon sehr deutlich angezogen", sagte Vermögensverwalter Jeffrey Sica von Scica Wealth Management in Morristown (New Jersey) zur Entwicklung in diesem Jahr. "Das Vertrauen in die Regierungen schwindet, vermehrt werden die Anleger auf der Suche nach einer Art Zweitwährung sein und sich nach einem sicheren Hafen sehnen."

Investoren setzen auf börsengehandelte Goldprodukte

Investoren haben ihre Anlagen in börsengehandelten Goldprodukten im laufenden Jahr auf ein Rekordniveau erhöht. Mittlerweile sind die Goldbestände in solchen Finanzprodukten insgesamt höher als die jeder Zentralbank außer der Federal Reserve und der Bundesbank.

Andererseits ist der physische Bedarf nach Gold für die Schmuckherstellung in den ersten neun Monaten um 9,8 Prozent zurückgegangen, wie aus Daten der Branchenvereinigung World Gold Council hervorgeht.

Auf inflationsbereinigter Basis sind die Rekorde beim Goldpreis hingegen noch nicht gebrochen worden. Demnach entspräche das Hoch aus dem Jahre 1980 von 850 Dollar heutigen 2398 Dollar, wie die Federal Reserve Bank of Minneapolis berechnet hat. Am Kassamarkt wird Gold derzeit bei 1700 Dollar gehandelt.

Vor der für Mittwoch erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed hat sich der Goldpreis am Montag stabilisiert. Eine Feinunze kostete am Nachmittag 1715,45 Dollar, ein halbes Prozent mehr als am Freitagabend. Die Notenbanker dürften bei ihrer turnusmäßigen Sitzung am Mittwoch die Weichen für eine weitere quantitative Lockerung der US-Geldpolitik mit dem Aufkaufen von Anleihen stellen. "Das stützt den Goldpreis", erklärte ein Börsianer.

Inflationsgefahr lässt Anleger zum Gold greifen

Viele Anleger fürchten, dass die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken weltweit zu einer hohen Inflation führt. Gold sei inzwischen eine beliebte Alternative zu Papiergeld, erklärten Analysten. Daher steige der Preis, sobald die Notenbanken die Gelddruckmaschinen wieder anwürfen.

Und das könnte auch in den nächsten Tagen so sein. Denn die US-Notenbank Fed wird voraussichtlich weitere Milliarden in die Hand nehmen, um die maue Wirtschaft anzukurbeln. Am Mittwoch dürfte der für die Zinspolitik zuständige Offenmarkt-Ausschuss der Federal Reserve (FOMC) die Weichen dafür stellen – und monatliche Anleihekäufe im Volumen von mindestens 45 Milliarden Dollar beschließen.

Denn die US-Wirtschaft droht wegen des ungelösten Haushaltsstreits in die Rezession abzudriften. Die bisherige "Operation Twist" – eine Umschichtung von kurz- auf langlaufende Staatsanleihen – war für die Bilanz der Fed noch ein Nullsummenspiel. Nun müsste mit neuen Bond-Käufen aber die berüchtigte Notenpresse angeworfen werden.

"Die Fed wird angesichts der möglichen Turbulenzen im Zusammenhang mit der fiskalischen Klippe den Fuß nicht vom Gaspedal nehmen wollen, weshalb sie die ,Operation Twist' nicht ersatzlos zu Ende gehen lassen wird", sagt Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Fed wird an lockerer Geldpolitik festhalten

Wie aus den Protokollen der letzten Zinssitzung von Mitte Oktober hervorgeht, denken mehrere Notenbanker genau in diese Richtung: Sobald die Bilanzumschichtung auslaufe, müsse die Lücke gefüllt werden. Auch Fed-Chef Ben Bernanke hatte weitere Konjunkturhilfen signalisiert: "Sollte der Wirtschaft die Puste ausgehen, sind wir zum Handeln bereit."

In der "Operation Twist" hatte die Fed seit Ende 2011 insgesamt fast 700 Milliarden Dollar an kurzfristigen US-Staatsanleihen aus ihrem Portfolio verkauft und dafür langfristige Papiere erworben. Damit sollten die langfristigen Zinsen gedrückt und die Wirtschaft angekurbelt werden.

Beim Volumen des neuen Programms möge die Fed klotzen und nicht kleckern, fordert Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York. "Vielleicht sollte sie es auf 60 Milliarden Dollar monatlich schrauben, damit es für die Märkte spannender wird und die Zinsen stärker gedrückt werden können."

Bereits seit September pumpt die Zentralbank Monat für Monat an die 40 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft, indem sie hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) aufkauft. Unterstellt man jetzt ein neues Anleihekaufprogramm im Volumen von monatlich 45 Milliarden Dollar, würde die Fed-Bilanz durch beide Maßnahmen bis Ende des nächsten Jahres um 1,2 Billionen auf vier Billionen Dollar aufgebläht.

Quelle: Bloomberg/rtr
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Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Das sagen die Experten
  • Kai Heinrich, Plutos Vermögens

    Wir favorisieren solide, eher konjunkturunabhängigere, Substanz- und Dividendenaktien. Zu den weiteren Profiteuren sollten die Edelmetalle (Gold, Goldminen, Silber) zählen. Bonds sollten mit großer Sorgfalt ausgewählt werden. Nur wenige Anleihen solider Unternehmen gewährleisten realen Kapitalerhalt.

  • Lutz Hering, Damm Rumpf Hering

    Aufgrund der „Liquiditätsschwemme“ und in Ermangelung attraktiver Zielinvestments bevorzugen wir Sachwerte, wobei wir die Aktienanlage als liquideste Form bevorzugen. Als Zielinvestments bevorzugen wir hier Value-Titel. Auf der Rentenseite favorisieren wir für das Restjahr 2012 (wie auch schon für das gesamte Jahr) Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den Emerging Markets. Bei Euro-Anlagen sind wir im Bereich Unternehmensanleihen mit Investmentgrade sowie im High-Yield-Bereich mit kurzer Duration engagiert.

  • Frank Haser, Haser Vermögensve

    „Ganz klar Aktien!“ Wegen des anhaltenden Anlagenotstands sind Renten, Gold und in den letzten Jahren anhaltend teurer geworden. Trotz der schwächelnden Konjunktur erscheinen ausgesuchte Aktientitel unverändert interessant

  • Alexander Daniels, Knapp Voith

    Für die restlichen Wochen des Jahres favorisieren wir einen Mix aus Unternehmensanleihen und sogenannten „Weltaktien“, also Titel mit globalen Absatzmärkten, starken Bilanzen und attraktiven Dividendenausschüttungen.

  • Hermann-Josef Simonis, Laureus

    Für chancenorientierte Anleger Aktien (auch über Discountstrategien), Wandelanleihen, Corporate Bonds aus Emerging Markets, Rohstoffe über Long/Short-Strategien. Für defensive Anleger: Corporate Bonds Investment Grade, bestimmte Wandelanleihen.

  • Christian Mallek, Sigavest

    Bis zum Jahresende favorisieren wir die Asset-Klasse Aktien, für risikofreudige Anleger insbesondere den Bankensektor. Die Möglichkeit, dass die Banken ihre Problemanleihen südeuropäischer Staaten nun an die EZB abgeben können, führt zu einer Verminderung der Risikovorsorge und somit zu einer Gewinnsteigerung. Kurzfristig beflügelt das die Aktienmärkte.

  • Reinhard Hellmuth, I.C.M.

    Uns gefallen Aktien aus Branchen, die mit einer weiteren Konjunkturschwäche am besten umgehen können. Die Bewertung von Finanztiteln sind durchaus nicht überzogen, Impulse aus wiederbelebtem Immobiliengeschäft. Bei anstehenden Neuallokationen könnten Grundstoffindustrien, Maschinenbau mittelfristig profitieren. Bei Unternehmensanleihen allenfalls US-Titel, insb. Finanztitel, Aktienanleihen auf europäische Qualitätstitel im Seitwärtstrend mit großem Puffer und Wandelanleihen oder -Fonds.

  • Eckart Langen v.d. Goltz, PSM

    Chancen sehen wir bei unterbewerteten Aktien am Euro-Stoxx und am chinesischen Aktienmarkt. Deutsche Aktien sind für unsere Begriffe sehr gut bewertet. Trotzdem ist eine Jahresend-Rallye nicht auszuschließen.

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