07.12.12

Finanzprodukte

Wie der Staat künftig Fondspleiten verhindern will

Privatanleger sollen bei geschlossenen Fonds mit Immobilien, Flugzeugen oder Schiffen künftig besser geschützt werden. Für diese Finanzprodukte wird es strenge Regeln geben.

Von Richard Haimann
Foto: Infografik Die Welt

Die Emissionshäuser sammeln weniger Geld ein
Die Emissionshäuser sammeln weniger Geld ein

Initiatoren geschlossener Fonds fahren mit angezogener Handbremse ins neue Jahr. Weil Anleger verunsichert sind und die Bundesregierung strenge Regulierungsvorgaben erlässt, wollen einige Emissionshäuser vorerst keine neue Beteiligungsmodelle auflegen.

Andere Emittenten haben deutlich weniger neue Produkte vorbereitet. Für Anleger ist das positiv. Durch das geschrumpfte Angebot steigt die Wahrscheinlichkeit, dass alle neuen Fonds genügend Kapital einwerben – und nicht rückabgewickelt werden müssen.

Bundesregierung bremst die Fondsbranche

Zu den Emissionshäusern, die zunächst keine neuen Produkte an den Markt bringen, zählen die HIH Hamburgische Immobilien Handlung und Nordcapital. "Wir werden vorerst keinen neuen Fonds auflegen", sagt Roland Paetzold, Prokurist bei der HIH-Vertriebsgesellschaft.

Das Marktumfeld sei dafür durch die Regulierung und die Unsicherheit der Anleger nicht gegeben. "Die Risiken bei der Eigenkapitalplatzierung sind gestiegen", sagt Nordcapital-Vorstandschef Felix von Buchwaldt.

Gesellschaften müssen mehr Kredite aufnehmen

Seit Beginn der Finanzkrise fällt es Initiatoren schwer, bei privaten Investoren in kurzer Zeit genügend Geld für neue Produkte einzuwerben. Sie müssen in immer größeren Umfang auf eigenes Risiko Kredite aufnehmen, um die Objekte vorab zu erwerben. "Wir müssten Projekte gegenwärtig in hohem Maße vorfinanzieren", sagt von Buchwaldt.

Nach Angaben des Verbands Geschlossener Fonds (VGF) konnten die Anbieter im dritten Quartal dieses Jahres insgesamt nur noch 529,1 Millionen Euro für neue Beteiligungsmodelle einwerben. Das ist ein Minus von 45,7 Prozent gegenüber den 974,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

100 Schiffsfonds in der Insolvenz

Der Grund des Einbruchs: Anleger sind verunsichert, weil in den vergangenen Jahren zahlreiche Fonds in Schieflage geraten sind. Besonders heftig traf es maritime Beteiligungsmodelle durch den weltweiten Einbruch der Frachtraten.

"Mehr als 100 Schiffsfonds mussten bereits Insolvenz anmelden, weil sie keine ausreichende Charter mehr einfahren konnten, um die Kosten ihrer Kredite zu decken", sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht. Neben dem Eigenkapital der Anleger nehmen viele geschlossene Fonds zusätzlich Darlehen auf, um ihre Investments zu finanzieren.

Um Pleiten zu verhindern, will die Bundesregierung die im Sommer kommenden Jahres in Kraft tretende EU-Richtlinie für alternative Investmentfonds (AIFM) nutzen, um diese Finanzprodukte stärker zu regulieren. Die Fondshäuser müssen deshalb ab 1. Juli 2013 umfangreiche Berichtspflichten erfüllen und strengere Vorsorge treffen.

Höhere Kosten für die Emissionshäuser

"Auf die Gesellschaften kommen hohe regulatorische Anforderungen zu", sagt Johannes Nölke, geschäftsführender Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Optegra:hhkl. Das erhöht die Verwaltungskosten. Für jeden neuen Fonds müssen die Initiatoren künftig eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft gründen. "Die Kosten dafür dürften deutlich über einer Million Euro liegen", sagt Ralph Petersdorff, Leiter Immobilienfonds bei Hansainvest.

Die Emissionshäuser könnten zwar versuchen, ihre zusätzlichen Aufwendungen vollständig über höhere Managementgebühren auf die Investoren abzuwälzen. Dadurch würden aber die schrumpfen, was die Beteiligungen unattraktiv machen würde.

Bei der Zeichnung eines geschlossenen Fonds gehen Anleger eine langfristige unternehmerische Beteiligung ein. Ihr Geld ist solange gebunden, bis die Objekte nach meist zehn Jahren verkauft und der Fonds aufgelöst wird. Die lange Kapitalbindung wollen sich Investoren durch attraktive Erträge vergelten lassen.

Marktbereinigung in der Fondsbranche

"Die Regulierung wird zu einem Qualitätszuwachs bei den Produkten und zu einer Bereinigung des Gesamtmarkts führen", sagt dagegen Hubert Spechtenhauser, Geschäftsführer von Hannover Leasing. Weil es bislang kaum gesetzliche Auflagen gab, tummelten sich viele schwarze Schafe am Markt, die den Ruf seriöser Anbieter geschädigt haben. Derzeit ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften gegen eine Reihe von Initiatoren geschlossener Fonds.

"Wir registrieren bei Anlegern weiterhin eine signifikante Nachfrage nach solide konzipierten Sachwertanlagen wie Immobilien- und Flugzeugfonds", betont Spechtenhauser. Das bestätigen auch die VGF-Zahlen. Danach sank das Platzierungsvolumen geschlossener Immobilienfonds im dritten Quartal unterdurchschnittlich um nur 13,4 Prozent gegenüber der Vorjahreszeit auf 386,6 Millionen Euro. Beteiligungen, die in ausländische Immobilien investieren, konnten mit 191 Millionen Euro sogar 20 Prozent mehr Eigenkapital einwerben.

Anleger können sich am A380 beteiligen

Hannover Leasing hat jetzt gerade begonnen, einen neuen Flugzeugfonds zu platzieren. Er investiert in einen Airbus A380, der langfristig an die Fluggesellschaft Emirates verpachtet ist. Demnächst startet ein neuer geschlossener Immobilienfonds. Zielobjekt ist ein Büroneubau im niederländischen Utrecht, den Danone für 20 Jahre angemietet hat.

Auch Real I.S. blickt zuversichtlich in das neue Jahr. "Anleger haben weiterhin ein großes Sicherheitsbedürfnis", sagt Andreas Heibrock, Mitglied der Geschäftsleitung des Emissionshauses der Sparkassen-Finanzgruppe. Fonds, die in Immobilien investieren, die langfristig an bonitätsstarke Unternehmen vermietet sind, würden deshalb stark nachgefragt. "Wir sind daher zuversichtlich, dass unser neuer Australienfonds wieder schnell platziert sein wird."

Noch im Januar will der Initiator ein Beteiligung auflegen, die in ein langfristig vermietetes Bürogebäude in Adelaide investiert. Die Investitionssumme von 130 Millionen Australischen Dollar (105 Millionen Euro) wird mit Eigenkapital gestemmt.

Neue Beteiligungsmodelle in der Entwicklung

Das Fondshaus Hamburg hingegen hält nicht mehr an der klassischen Konstruktion der Fonds als Kommanditgesellschaft fest. "Die Branche hat nur eine Zukunft, wenn sie sich für neue Anlageprodukte öffnet", sagt Geschäftsführerin Angelika Kunath. Die Fondsschmiede bereitet deshalb jetzt mit der Assekuranz Wealth-Assurance eine immobilienbasierte Rentenversicherung vor.

"Die Kapitalanlage erfolgt in direkte und indirekte Immobilieninvestments", sagt Geschäftsführerin Kunath. Die Mindestanlagesumme soll 10.000 Euro betragen, genau wie bei klassischen Beteiligungsmodellen.

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