07.12.12

T-Aktie

Deutsche Telekom kürzt Dividende um 30 Prozent

Telekom-Aktionäre bekommen ab 2013 eine deutlich geringere Ausschüttung. Im Gegenzug verspricht der Konzern, das Internet in Deutschland doppelt so schnell zu machen – unter einer Bedingung.

Die Zeit der hohen Dividenden bei der Deutschen Telekom ist Geschichte. Von 2013 an will die Telekom ihren Aktionären nur noch 50 Cent je Aktie auszahlen. Das entspricht einer Kürzung von fast 30 Prozent. Zwischen 2010 und 2012 hatte der Konzern noch 70 Cent je Aktie ausgeschüttet. Dafür plant die Telekom in den kommenden Jahren höhere Investitionen.

Das Schrumpfen der Dividende war erwartet worden. Die Telekom hatte zuletzt über ihre Verhältnisse gelebt und weniger verdient als sie ausgeschüttet hat.

Den Planungen zufolge wird sie ihren Anteilseignern im kommenden Mai noch einmal gut drei Milliarden Euro auszahlen, was einer Dividendenrendite von 8,3 Prozent entspricht. Nach hohen Abschreibungen in diesem Jahr wird der Nettoverlust der Telekom für 2012 voraussichtlich bei etwa zwei Milliarden Euro liegen.

Aktienkurs gestützt

Mit einer hohen Dividende hat Obermann in den vergangenen Jahren den Aktienkurs gestützt. 2010 legte er sich sogar für drei Jahre fest. Jährlich sollten 3,4 Milliarden Euro ausgeschüttet werden – drei Milliarden als Dividende, den Rest per Aktienrückkauf.

Allerdings hat die Telekom nur im ersten Jahr den Aktienrückkauf wie geplant vorgenommen. Über einen solchen Zeitraum will sich die Telekom nun nicht mehr verpflichten. Die 50 Cent sollen in den kommenden zwei Jahren gezahlt werden. 2015 will sich die Telekom dann erneut entscheiden.

Druck von allen Seiten

Den Unternehmen der Telekommunikationsbranche fällt es zunehmend schwer, Wachstumsfantasien zu wecken. Der Markt schafft kaum noch Steigerungen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat in vielen Ländern statistisch gesehen schon jeder Einwohner ein Mobilfunkgerät.

Zugleich lässt der Druck auf die Gebühren nicht nach, Telefonieren wird zunehmend billiger. Zwar nimmt die Nutzung des mobilen Internets bei allen Anbietern schnell zu. Doch die Einkünfte können die zurückgehenden Umsätze aus dem Telefonie-Geschäft noch nicht ausgleichen. "Der Markt bleibt unter Preisdruck", sagte Telekom-Chef René Obermann vor Investoren in Bonn zum Start der Kapitalmarkttage des Unternehmens.

Auch der Druck der Regulierer lässt nicht nach. Im November hat die Bundesnetzagentur die sogenannten mobilen Terminierungsentgelte fast halbiert. Dabei handelt es sich um die Gebühren, die sich die Handy-Netzbetreiber gegenseitig berechnen, wenn sie Gespräche aus einem Netz ins andere weiterleiten. "Den Mobilfunkunternehmen in Deutschland werden mit dieser Entscheidung etwa 500 Millionen Umsatz pro Jahr entzogen", klagte die Telekom.

Milliardeninvestitionen in Deutschland und den USA

Trotz der Dividendenkürzung mühte sich Telekom-Chef Obermann, die T-Aktie schmackhaft zu machen. Die Telekom werde in den kommenden drei Jahren annähernd 30 Milliarden Euro investieren, sagte Obermann.

Im laufenden Jahr gibt die Telekom etwa 8,3 Milliarden Euro aus. Ein großer Teil der geplanten Investitionen geht im kommenden Jahr mit etwa 4,7 Milliarden Dollar in die USA und dort vor allem in den Ausbau eines schnelleren mobilen Internets.

Wie die neue Prognose der Telekom zeigt, erwartet die Telekom im kommenden Jahr noch keine Erholung. Erst ab 2014 sollen der Konzernumsatz und auch das bereinigte operative Ergebnis wieder wachsen. Größere Übernahmen schloss Obermann aus.

In Deutschland plant der Konzern, rund sechs Milliarden Euro in den Breitbandausbau zu stecken. Nicht zuletzt sollen die Investitionen auch die Bundesregierung zufrieden stellen. Der Staat hält noch einen Anteil von mehr als 30 Prozent an der Telekom – und ist von der Dividendenkürzung damit besonders betroffen. Allerdings gehört der Breitbandausbau auch zu den zentralen Zielen der Bundesregierung.

Bedingungen für Internet-Ausbau

Obermann stellt für den Ausbau jedoch Bedingungen. Voraussetzung sei ein entsprechender Regulierungsrahmen. Damit knüpft er seine strategische Ausrichtung an Ungewissheiten. Hintergrund sind Planungen, die Internet-Geschwindigkeiten für 24 Millionen Haushalte auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde zu verdoppeln. Derzeit kann die Telekom nur die Hälfte der Geschwindigkeit insgesamt zwölf Millionen Haushalten anbieten.

Allerdings laufen die Konkurrenten gegen die Pläne Sturm. Das beschleunigte Internet funktioniert nämlich nur, wenn diese sich aus den Kabelverzweigern (KVZ) fernhalten. Denn die Telekom muss dafür die Kupferleitungen, die von den Kästen am Straßenrand in die Häuser laufen, entstören. Das ist jedoch nicht möglich, wenn auch Wettbewerber diese Kupferdrähte nutzten.

Konkurrenten fürchten "Remonopolisierung"

Einige der Konkurrenten haben die Telekom-Kästen an eigene Glasfaserleitungen angebunden und befürchten nun, außen vor zu bleiben. Inzwischen hat die Telekom für die betroffenen Kästen einen Bestandsschutz angeboten. Der Telekom-Branchenverband VATM spricht trotzdem von einer "Remonopolisierung" des Netzes.

Die Telekom entgegnet, dass Konkurrenten bundesweit nur 140.000 Haushalte auf diesem Weg erschlossen hätten. "Wir wollen keine Remonopolisierung", sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. Die neue Technik mit der Bezeichnung Vectoring aber werde den Breitbandausbau deutlich voranbringen.

Ohne die Unterstützung der Bundesnetzagentur, die dem Bundeswirtschaftsministerium nachgeordnet ist, wird die Telekom ihre Pläne nicht ausführen können. Denn die Mietpreise für die "letzte Meile" der Telekom-Leitungen in die Häuser sind reguliert und ein wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs. Die Telekom müsste ihren Konkurrenten ein Vorleistungsprodukt für das schnellere Internet anbieten.

Großflächige Glasfasernetze zu teuer

Derzeit laufen noch Gespräche zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten. Einige von ihnen haben Interesse an den neuen Zugängen angemeldet. Denn während die Telekom ihren Anteil von 45 Prozent am Breitbandmarkt stabil halten kann, verlieren ihre Rivalen zunehmend Kunden – vor allem an die TV-Kabelnetzbetreiber. Unternehmen wie Kabel Deutschland (KDG) und Unitymedia bieten bereits Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde zu Preisen an, die unter denen der Telekom liegen.

Die Telekom geht davon aus, dass die Bandbreite von 100 Megabit pro Sekunde bis 2015 ausreichend ist. Anschließend müsse man auf die technisch überlegenen Glasfaseranschlüsse setzen. Ein großflächiger Glasfaserausbau kostet Telekom internen Berechnungen zufolge aber bis zu 80 Milliarden Euro. "Das können wir nicht stemmen", heißt es aus dem Unternehmen. Der nun geplante Vectoring-Ausbau hingegen koste nur ein Bruchteil davon.

Im vergangenen Jahr hat die Telekom ihr Glasfasernetz so weit ausgebaut, dass knapp 170.000 Haushalte erreicht werden konnten. Bis Ende des Jahres sollen noch einmal 200.000 Haushalte hinzukommen. Dabei handelt es sich aber um technische Reichweiten. Die wenigsten Haushalte davon nutzen auch wirklich einen solchen Anschluss.

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