05.12.12

Verzinsung

Allianz verabschiedet sich von der magischen Vier

Die Sparer müssen für die Schuldenkrise büßen: Der Versicherer Allianz senkt seine Überschussbeteiligung auf 3,6 Prozent. Lukrative Altverträge werden gegenüber dem restlichen Kollektiv bevorzugt.

Foto: Infografik Die Welt

Überschussbeteiligung fällt immer tiefer
Die Überschussbeteiligung fällt immer tiefer

Für Markus Faulhaber ist es die neue Normalität, für Millionen Vorsorgesparer der Einstieg in die Zweiklassengesellschaft bei der Lebensversicherung. Die Allianz kürzt die Überschussbeteiligung stärker als erwartet und gibt der Branche damit die Richtung vor. Die laufende Gesamtverzinsung werde für das kommende Jahr von vier auf 3,6 Prozent reduziert. Bei der wichtigen laufenden Verzinsung verabschiedet sich der deutsche Marktführer für Lebensversicherungen von der wichtigen Vier-Prozent-Marke.

Damit werden Allianz-Leben-Kunden künftig unterschiedlich behandelt, je nachdem wann sie ihre Police abgeschlossen haben. Jene mit lukrativen Altverträgen bekommen vier Prozent fest gut geschrieben, während der Rest mit einer niedrigeren Überschussbeteiligung leben und auf einen Schlussüberschuss hoffen muss.

Experten von kräftiger Absenkung überrascht

Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber betonte, man müsse "in der neuen Normalität nach der Finanzkrise akzeptieren, dass die in der Vergangenheit erzielten Renditen nicht als Maßstab für künftige Zinserträge gelten können".

Experten reagierten überrascht. "Mit so einer kräftigen Absenkung haben wir nicht gerechnet", sagt Reiner Will vom Analysehaus Assekurata. "Das ist auch ein Zeichen für die gesamte Branche. Will hatte bislang für die Branche mit einem Rückgang um 0,3 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent gerechnet. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte sogar nur eine Absenkung um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte vorausgesagt.

S&P-Analystin Silke Longoni hatte aber vor allem schwächere Versicherer gewarnt, nicht zu großzügig auszuschütten. "Negative Ratingmaßnahmen sind denkbar bei Lebensversicherern, deren Überschussbeteiligung im Vergleich zu ihren finanziellen Mitteln und ihrer Anfälligkeit für ein Niedrigzinsniveau hoch angesetzt sind."

Andere Versicherer orientieren sich am Marktführer

Bei der finanzstarken Allianz habe das aber keine Rolle gespielt, sagt Alf Neumann, Vorstand bei Allianz Leben: "Wir haben die laufende Verzinsung weit weniger stark gesenkt als die Renditen an den Märkten gefallen sind. Unser Leitbild ist das, was wir für die Kunden erwirtschaften können." Der Allianz sei es mit der Absenkung auch nicht darum gegangen, ein politisches Signal zu setzen.

Die Vorsorgesparer bekommen bei einer ihrer beliebtesten Geldanlagen jetzt die Folgen der Finanzkrise zu spüren. Weil sichere Anlagen wie Bundesanleihen und Pfandbriefe kaum mehr Rendite abwerfen, wird es für die Lebensversicherer immer schwieriger, die versprochenen Erträge zu erwirtschaften. Erst am Mittwoch hatte der Bund zweijährige Anleihen mit einer negativen Rendite an den Markt gebracht.

Die Absenkung der Allianz kann durchaus als Menetekel gesehen werden. Viele Versicherer warten mit ihrer Zinsdeklaration ab, wie sich der Branchenprimus entscheidet. Nun könnten sich auch andere ermutigt fühlen, die Zinsen stärker kappen. In den Vorjahren hatte Allianz Leben den Zins jeweils nur leicht gesenkt, in diesem Jahr von 4,1 auf vier Prozent.

Der Schlussüberschuss ist keine Garantie

Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Ergo Leben, ehemals Hamburg-Mannheimer die Gesamtverzinsung sogar um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent gesenkt. Bei Ergo ist die Zweiklassengesellschaft inzwischen zementiert, während die Allianz Leben noch einen gewissen Ausgleich zwischen den Versicherten schaffen kann. Mit insgesamt 4,2 Prozent einschließlich Schlussüberschuss liegt die Allianz Leben bei allen Policen noch über vier Prozent. Doch der Schlussüberschuss ist keine Garantie.

Allianz-Vorstand Neumann sieht trotzdem keinen Grund, das Produkt abzuschreiben. Im Vergleich zu anderen Sparformen stehe die Lebensversicherung gut da. Auch wirtschaftliche Probleme kann er für die Gesellschaften nicht erkennen. "Die deutsche Lebensversicherung steht stabil da. Anders als in Japan, haben wir bei der Garantieverzinsung nie Werte über vier Prozent versprochen."

Quelle: mit Reuters
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Gesamtverzinsung
  • Garantiezins

    Diesen Zins versprechen die Gesellschaften den Kunden bei Vertragsabschluss als Mindestrendite versprechen. Dieser garantierte Rechnungszins ist fix über die gesamte Laufzeit und liegt abhängig vom Datum des Vertragsabschlusses zwischen 1,75 Prozent (aktuell) und vier Prozent (zwischen Juli 1994 und Juni 2000).

  • Überschussbeteiligung

    Diese laufende Gutschrift wird jedes Jahr neu festgelegt und wurde bei der Allianz nunmehr von 4,0 auf 3,6 Prozent, also unter die Vier reduziert.

  • Schlussüberschuss

    Dies ist eine Beteiligung an den Bewertungsreserven. Rechnet man diese hinzu, schreibt die Allianz 4,2 Prozent gut.

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