03.12.12

Altschulden

Griechen machen Gläubigern attraktives Angebot

Athen überrascht die Märkte mit einer großzügigen Offerte zum Rückkauf seiner Altschulden. Die Aktion ist zum Erfolg verdammt, sonst ist eine Rettung des Landes kaum mehr möglich.

Foto: dapd

Wertlose Euronoten: In Athen verkauft ein Geschäft Handtücher, die vorgeben, wertvoll zu sein
Wertlose Euronoten: In Athen verkauft ein Geschäft Handtücher, die vorgeben, wertvoll zu sein

Griechenland hat die Finanzmärkte mit einem unerwartet großzügigen Angebot zum Rückkauf von Altschulden positiv überrascht. Die Börse in Athen legte kräftig zu, die Anleihenkurse schossen auf ein 14-Monats-Hoch. In einer "holländischen Auktion" haben private Investoren bis Freitag Zeit, der Regierung ihre Preisvorstellung für den Rückkauf zu nennen.

Dabei müssen sie sich innerhalb einer Preisspanne bewegen, die höher ausfiel als erwartet. Das Land ist auf einen Erfolg der mit dem IWF und den anderen Euro-Ländern vereinbarten Verringerung des Schuldenbergs angewiesen, um an weitere Milliardenhilfen zu kommen. Über die Alternative eines Schuldenerlasses wird weiter diskutiert. Die CSU winkte wegen der Belastung der deutschen Steuerzahler ab.

Zehn Milliarden Euro für Rückkauf der Altschulden

Die Adressaten des griechischen Angebots sind die privaten Besitzer von griechischen Staatsanleihen im Nennwert von gut 60 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich vor allem um Banken und Pensionskassen im Land selbst und um Hedgefonds, die versuchen, aus der schwierigen Lage des Landes Kapital zu schlagen. Für den Rückkauf der Altschulden setzt Griechenland zehn Milliarden Euro ein.

Das Land ist bereit, den Inhabern – je nach Laufzeit ihrer Papiere – für jeden Euro ihrer Forderungen mindestens 30,2 bis 38,1 Cent zu zahlen, höchstens aber 32,2 bis 40,1 Cent. Die Besitzer müssen nun angeben, bei welchem Betrag sie einschlagen würden. Wer zu hoch pokert, bleibt auf seinen Papieren sitzen.

Bedingung für nächste Tranche des Rettungsschirms

Mit dem Rückkauf will Griechenland vom Preisverfall seiner Anleihen an den Börsen profitieren und seine Schulden von rund 300 Milliarden Euro unterm Strich um etwa 20 Milliarden Euro senken. Dies ist notwendig zur Sicherung seiner langfristigen Schuldentragfähigkeit, die wiederum Voraussetzung ist für die Auszahlung weiterer Nothilfen durch den IWF und den Euro-Rettungsschirm. Die nächste Tranche umfasst 43,7 Milliarden Euro.

Börsianer hatten lediglich mit einer Offerte zwischen 20 und 30 Cent pro ein Euro Nennwert gerechnet. Offenbar versuche Griechenland alles, um den Schuldenrückkauf zu einem Erfolg zu machen, sagte Anlage-Stratege Ricardo Barbieri von der Mizuho Bank. Nach der Veröffentlichung des Angebots stieg der Kurs der zehnjährigen griechischen Bonds um 4,31 Punkte auf ein 14-Monats-Hoch von 39,495 Zählern.

Im Gegenzug sank die Rendite um fast zwei Punkte auf bis zu 14,56 Prozent. Auch am Aktienmarkt war die Reaktion positiv: Der Athener Leitindex stieg um bis zu zwei Prozent. Der Banken-Index legte in der Spitze sogar um 5,6 Prozent zu. Die Geldhäuser gehören zu den größten Gläubigern des griechischen Staates.

Umschuldung muss gelingen

Gelingt die Schulden-Entlastung nicht im gewünschten Umfang oder gerät das Haushalts-Konsolidierungsprogramm erneut aus dem Ruder, müsste sich die Euro-Zone nach anderen Wegen umschauen, um die Belastung durch Zinsen und Tilgung zu verringern. Dazu hatte der IWF bereits einen Schuldenverzicht der öffentlichen Gläubiger ins Gespräch gebracht – also im wesentlichen der anderen Euro-Länder und ihrer Steuerzahler. Allein Deutschland bürgt bereits mit fast 40 Milliarden Euro für Hilfskredite.

CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich anders als Kanzlerin Angela Merkel grundsätzlich gegen einen Schuldenerlass aus. Er halte davon "gar nichts", sagte der bayerische Ministerpräsident vor einer Vorstandssitzung seiner Partei. Krisenländer, die sich um Reformen und Einsparungen bemühten, würden bestraft, wenn anderen ein Teil der Schulden erlassen würde. Wenn man ernsthaft vom Grundsatz Hilfen gegen Auflagen ausgehe, müsse man darauf bestehen, dass Reformanstrengungen ernsthaft betrieben würden.

Merkel hatte am Wochenende eine Hintertür offengelassen. "Wenn Griechenland eines Tages wieder mit seinen Einnahmen auskommt, ohne neue Schulden aufzunehmen, dann müssen wir die Lage anschauen und bewerten. Das ist nicht vor 2014/15 der Fall, wenn alles nach Plan läuft", sagte sie.

Schuldenerlass ist derzeit nicht möglich

So lange das Land neue Kredite braucht, verbietet die Rechtslage in Deutschland und anderen Euro-Ländern einen Schuldenerlass. Denn nach einem solchen Schritt dürfte der Bund für weitere Kredite des Euro-Rettungsschims EFSF keine Bürgschaften mehr übernehmen.

Welche Maßnahmen zur Abwendung einer Pleite noch ergriffen werden müssen, hängt vor allem davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft erholt und der Staat seine Einnahmen verbessert. Die griechische Nationalbank zeigte sich zuversichtlich, dass der Aufschwung früher kommen könnte als gedacht.

Der Wendepunkt werde irgendwann 2014 erreicht sein, hieß es in einer neuen Analyse. Für dieses Jahr erwartet sie allerdings ein BIP-Minus von sechs Prozent und für 2013 von weiteren 4,5 Prozent. Damit wäre die Wirtschaft seit 2008 um etwa ein Viertel geschrumpft.

Quelle: rtr/pos
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Die Griechen-Krise
  • Rezession

    In Griechenland hatte die Euro-Schuldenkrise ihren Anfang. Das Land war das erste, das 2010 internationale Finanzhilfe brauchte. Mehr als zweieinhalb Jahre später ist das Land immer noch von Pleite bedroht. Griechenlands Wirtschaft ist binnen fünf Jahren um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Für 2013 wird mit einem weiteren Minus zwischen 4,2 bis 4,5 Prozent gerechnet. Die Stimmung in der Bevölkerung ist explosiv.

  • Arbeitslosigkeit

    Die Arbeitslosenquote liegt auf einem Rekordstand von 25,4 Prozent. Dramatisch ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. Die Arbeitslosenquote beläuft sich in dieser Altersgruppe auf 58 Prozent. Wegen der dramatischen Lage sind allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 15 800 Griechen nach Deutschland ausgewandert (2011: 6 900). Angaben über andere Länder liegen aus griechischen Quellen nicht vor. Die meisten Auswanderer sind hoch spezialisierte Menschen wie Ärzte, Ingenieure und Computerfachleute.

  • Einzelhandel

    Einen Einbruch erlebt der Einzelhandel. Im Zentrum Athens ist jedes dritte Geschäft geschlossen. Um fast 40 Prozent ist der Immobilienmarkt geschrumpft. Besser ist die Lage dagegen in der Exportwirtschaft. Auch der Tourismus konnte sich über Wasser halten.

  • Schulden

    Das Land sitzt nach Angaben des Finanzministeriums kurz vor Jahresende auf einem Schuldenberg von 340,6 Milliarden Euro. Das sind fast 170 Prozent der Wirtschaftsleistung – Tendenz steigend.

  • Hilfspakete

    Griechenland hat nach Angaben des Finanzministeriums in Athen bislang insgesamt 148,6 Milliarden aus den beiden Hilfspaketen (110 und 130 Milliarden Euro) erhalten (Stand November 2012). 31,5 Milliarden Euro sollten im Juni fließen, weitere fünf Milliarden im Oktober. 8,3 Milliarden Euro sind für Dezember geplant. Diese Zahlungen wurden nach langem Gezerre Ende November freigegeben. dpa

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