03.12.12

Börsenrallye

Dax steigt auf den höchsten Stand des Jahres

Die Euro-Krise konnte der Börse nichts anhaben. Mit Standardwerten wie Conti, SAP oder Henkel haben Anleger seit Januar bis zu 77 Prozent Plus gemacht. Die Geldpolitik bleibt aber ein Risiko.

Von Daniel Eckert
Foto: REUTERS

Der Deutsche Aktienindex ist auf dem Weg nach oben. Erste Börsianer sehen die 8000-Punkte-Marke in Reichweite
Der Deutsche Aktienindex ist auf dem Weg nach oben. Erste Börsianer sehen die 8000-Punkte-Marke in Reichweite

1500 Punkte in sechs Monaten. Fast scheint es, als wolle der Deutsche Aktienindex (Dax) mit gewissen deutschen Sportwagen mithalten. 1500 Punkte, rund 25 Prozent, hat das bekannte Börsenbarometer seit Juni zugelegt. Am Montag ist der Leitindex nun auf ein Jahreshoch von 7488 Punkten gestiegen.

Mit der fulminanten Rallye (so bezeichnen Börsianer rasante Kursgewinne am Aktienmarkt) steht der Dax international fast konkurrenzlos da. Geschickte Börsianer haben in einem halben Jahr mit deutschen Aktien eine Rendite gemacht, für die Tagesgeld-Anleger beim jetzigen Zinsniveau von unter ein Prozent ein Vierteljahrhundert bräuchten. Die meisten Banken-Experten sagen für 2013 weiter steigende Kurse voraus – zumindest solange die Zentralbanker mitspielen und Geld weiter billig halten.

Rallye kommt auch für alte Hasen überraschend

Die jetzige Rallye ist eine der stärksten Börsenaufschwünge der vergangenen Jahre. Selbst für viele alten Hasen an der Börse kommt sie in diesem Ausmaß überraschend. Das vielleicht Überraschendste: Anders als zum Beispiel während der Internet-Blase der Jahr 1998 bis 2000 findet die jetzige Aufwärtsbewegung ohne Euphorie statt. Vergrault von allzu heftigen Kursausschlägen haben vielmehr Millionen Sparer dem Aktienmarkt den Rücken zugewandt. Bewegt werden die Kurse von großen Investment-Fonds und den Finanzinstituten, die sich derzeit zu rekordniedrigen Zinsen Geld von der Zentralbank leihen können.

Die steigenden Kurse künden aber auch von der Stärke der Wirtschaft, die sich dank ihrer hohen Export-Überschüsse gegen die Problemen zahlreicher anderer Euro-Länder isolieren konnte. So waren es zu Montag denn auch Nachrichten über ein verbessertes Wirtschaftsklima in der Volksrepublik China, die dem Dax Schub gaben. Das Reich der Mitte gehört zu den wichtigsten Abnehmern von Maschinen, Automobilen und anderen Produkten "Made in Germany". Dieses wie nächstes Jahr soll die chinesische Wirtschaft um 7,5 Prozent wachsen.

Peking ist wieder auf Expansionskurs

Im Sommer hatte sich die Wirtschaft des Riesenlandes etwas abgekühlt. Doch nun ist Peking wieder auf Expansionskurs. Der chinesische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im November den dritten Monat in Folge auf zuletzt 50,6 gestiegen. Das war der höchste Stand seit April. "Die Daten deuten darauf hin, dass es mit der chinesischen Wirtschaft wieder klar bergauf geht", sagt Barbara Lambrecht, Ökonomin bei der Commerzbank.

Die Exportstärke der deutschen Wirtschaft, die die mit Abstand größte in Europa ist, lässt sich auch an der Gewinnerliste im Dax ablesen. Ganz vorne stehen Werte, die von einem freien Welthandel und starken Wachstum in den Schwellenländern profitieren: Aktien des Automobilzulieferers Continental steht heute 77 Prozent höher als zu Jahresanfang, der Chemiespezialist Lanxess bringt es auf ein Plus von 67 Prozent, die Softwarefirma SAP auf 50 Prozent, der Konsumgüterhersteller Henkel auf 45 Prozent, der Autobauer Volkswagen auf 45 Prozent und der Chemie- und Pharmakonzern Bayer auf 43 Prozent.

Dax gehört weltweit zu den stärksten Indizes

Die stärksten Verlierer im Dax – der Stahlkonzern ThyssenKrupp (minus elf Prozent und der Versorger Egon (minus 17 Prozent) – haben mit Management-Fehlern zu kämpfen und leiden unter den Auswirkungen der Energiewende. Eher schwach waren auch die Banken.

Mit einem Jahresplus von rund 27 Prozent gehört der Dax nicht nur in Europa zu den stärksten Indizes, auch weltweit gibt es kaum ein Börsenbarometer, das mithalten kann. Der amerikanische Leitindex Dow Jones hat seit Januar sechs Prozent zugelegt, der britische auf Euro-Basis knapp neun Prozent. Der japanische Nikkei steht währungsbereinigt um weniger als vier Prozent im Plus. Allein die kleine dänische Börse weist eine ähnlich gute Bilanz auf wie die deutsche.

Erste Börsianer sehen schon 8000 Dax-Punkte

Das Gros der Ökonomen rechnet mit einer Fortsetzung der Rallye, betont aber auch die Risiken. Optimistisch stimmt die Profis, dass sich die europäische Konjunktur im kommenden Jahr stabilisieren dürfte. In ihrem Ausblick hat der Branchenprimus Deutsche Bank jetzt ein Dax-Ziel von 8000 Punkten für Ende 2013 ausgerufen. Das wäre vom jetzigen Niveau noch mal ein Plus von sieben Prozent.

Eine potenzielle Gefahr ist die stagnierende Ertragssituation der Unternehmen: "Im laufenden Jahr mussten die Analysten ihre Gewinnprognosen mehrfach nach unten revidieren. Gegenüber dem Vorjahr sind die Profite nicht gestiegen – das war eine deutliche Enttäuschung", sagt Christophe Bernard, Chefstratege bei der Vontobel-Gruppe. Zwar setzten viele Börsianer darauf, dass der Trend 2013 nach oben dreht. Ausgemacht ist das jedoch nicht. Barnards Devise ist daher: "Vorsicht walten lassen."

Kehrtwende in der Geldpolitik ein Risikofaktor

Die große Unbekannte an der Börse ist und bleibt jedoch die Schuldenkrise. Im Sommer 2011 führte die Herabstufung der US-Bonität und der Schock, dass sich Republikaner und Demokraten nicht auf eine Konsolidierung des Staatshaushalts einigen können, zu einem Kurssturz. Skeptiker fürchten bei den jetzigen Budgetverhandungen in der größten Volkswirtschaft der Welt ähnlich unliebsame Überraschungen. Allerdings scheinen die beiden großen politischen Lager in den USA diesmal eher zu einer Einigung bereit.

Mitspielen müssen auch die Zentralbanken. Angesichts der labilen Lage der Konjunktur wünschen sich die Börsianer, dass die Geldpolitiker die Märkte weiter mit Liquidität fluten und die Zinsen niedrig halten. Sollte jedoch die Inflation steigen, könnte das die Notenbanker dazu zwingen, die geldpolitischen Zügel früher als erwartet anzuziehen – für die Stimmung an der Börse wäre das ein schwerer Schlag. Die Stabilität der Währungen ist Risikofaktor Nummer eins.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote