02.12.12

Telekom bis Fonic

Deutschlands Mobilfunkanbieter im Direktvergleich

Das Deutsche Institut für Servicequalität hat 22 Anbieter von Mobilfunktarifen überprüft, sowohl die sogenannten Full-Service-Provider als auch die Discounter. Das Ergebnis überrascht.

Von Ekkehard Kern
Foto: Infografik Die Welt

Die Leistungsfähigkeit deutscher Mobilfunkanbieter im Vergleich
Die Leistungsfähigkeit deutscher Mobilfunkanbieter im Vergleich

Sein Lieblingshandy hat fast jeder, doch mit der monatlichen Mobilfunkrechnung dürften die meisten Nutzer unzufrieden sein. Was sich beim schnellen Preisvergleich zu Hause nur erahnen lässt, hat nun das unabhängige Deutsche Institut für Service-Qualität in einer aufwendigen Studie, die der "Welt" exklusiv vorliegt, bestätigt: Mit dem richtigen Handytarif lässt sich richtig Geld sparen – besonders im Bereich der Datentarife.

Daneben haben die Hamburger Forscher auch eine umfangreiche Serviceanalyse durchgeführt, die neben dem Telefon- und E-Mail-Support verschiedener Mobilfunker auch deren Websites auf Benutzerfreundlichkeit und Qualität untersucht.

Sie testeten 22 Mobilfunkanbieter: Acht Full-Service-Provider, also Unternehmen mit breitem Angebotsspektrum, wie zum Beispiel die Telekom, O2 und The Phone House, aber auch Mobilfunk-Discounter mit eingeschränktem Leistungsangebot, wie Aldi Talk, Congstar, Fonic oder Simyo.

Vier typische Nutzerprofile

Um eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Tarife sicherzustellen, erarbeitete das Institut in Zusammenarbeit mit der Serviceplattform teltarif.de vier typische Nutzerprofile: den Wenigtelefonierer, den Normaltelefonierer, den Vieltelefonierer und den SMS-Vielschreiber. Je nach Nutzungsart bietet sich demzufolge die Wahl eines ganz bestimmten Tariftyps an.

Die günstigsten Tarife im Bereich Telefonie und SMS bietet dabei Lidl Mobile. Besonders diejenigen Nutzer, die wenig bis normal oft telefonieren oder SMS schreiben, sind mit dem Angebot des Discounters gut beraten. Maxxim, ebenfalls ein Discounter, kann günstige Tarife besonders für die Wenig- und Vieltelefonierer bieten. Letztere zahlen monatlich nur 19,95 Euro und liegen damit 75 Prozent unter dem Angebot des teuersten Anbieters.

The Phone House ist der ungünstigste Anbieter

Letztplatziert beim Ergebnis in der Kategorie Preise ist The Phone House. Besonders Verbraucher, die viel telefonieren, müssten hier mit hohen Kosten rechnen, so die Experten vom Deutschen Institut für Service-Qualität. Auch für die Profile "Normaltelefonierer" und "SMS-Vielnutzer" gehörte das Münsteraner Unternehmen zu den teuersten Anbietern.

Wenigtelefonierer können beim gezielten Preisvergleich übrigens am meisten sparen. Beim günstigsten Anbieter zahlen sie lediglich 4,24 Euro pro Monat für ihren Tarif, während beim teuersten, yourphone, mit 20,62 Euro fast das fünffache fällig wird. Vieltelefonierer sind mit dem Tarif der E-Plus-Tochter hingegen gut beraten.

Günstige Vertragsbedingungen bei Bildmobil

Bei den Vertragsbedingungen im Bereich Telefonie und SMS kann Bildmobil punkten. "Das Unternehmen bot sowohl Prepaid- als auch Vertragstarife an und überzeugte mit Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten von null Tagen", schreiben die Wissenschaftler. Zudem werde kein Mindestumsatz verlangt. Platz zwei belegt hier Simply, Platz drei Simyo, Letzter wurde Mobilcom-Debitel.

Die Untersuchung moniert, dass nach Abzug des Startguthabens hier noch Kosten für die Anmeldung in Höhe von durchschnittlich gut 26 Euro anfallen. Zudem betrage die Vertragslaufzeit im Durchschnitt etwa zwei Jahre.

Eher negativ einzuschätzen ist, dass nur rund 55 Prozent der neben Vertrags- auch Prepaid-Tarife anbieten. Ebenso, dass nur bei einem der 22 Anbieter nach Abzug des Startguthabens keine weiteren Anmeldegebühren anfallen.

Da in Zeiten von Whatsapp, Facebook und vor allem YouTube immer mehr mobile Daten verbraucht werden, untersuchte das Institut auch die in diesem Bereich angebotenen Tarife. Hier wurde anhand der Nutzerprofile "Normalsurfer" und "Vielsurfer" bewertet, wobei bei Ersterem von einem monatlichen Verbrauch von 500 MB Daten ausgegangen wurde, bei Letzterem von 5 GB, also zehnmal soviel, was nur dann wirklich gebraucht werden dürfte, wenn ein regulärer Internet-Anschluss zu Hause nicht vorhanden ist.

Nur 14,99 Euro für Vielsurfer

Lidl Mobile belegt im Ergebnis "Preise" den ersten Platz: Der Tarif für Vielsurfer kostet hier nur 14,99 Euro und ist somit ganze 70 Prozent günstiger als beim teuersten Anbieter, der Telekom. Platz zwei belegt Aldi Talk. Die Tarife beschreiben die Experten als fast genauso günstig wie bei Lidl Mobile. Nur der Tarif für Normalsurfer kostet vier Cent mehr als beim Erstplatzierten. Rang drei teilen sich E-Plus und dessen Tochter Base mit gleichen Tarifen. Mit 15 Euro pro Monat sind Vielsurfer günstig dran.

Die Telekom landet auf dem letzten Platz. Sowohl für das Normal- als auch das Vielsurfer-Profil bietet das Unternehmen die jeweils teuersten Tarife auf dem Markt an. Erstere müssen gar das Zehnfache im Vergleich zum günstigsten Datenangebot zahlen. Für sie lohnt sich in jedem Fall ein intensiver Preisvergleich, betonen die Wissenschaftler.

Während der günstigste Anbieter 4,95 Euro für 500 MB Datenvolumen verlangt, sind es beim teuersten knapp 50 Euro. Allerdings sollten auch die jeweiligen Vertragsbedingungen wie Geschwindigkeit von Download und Upload, Laufzeit des Vertrags und Kündigungsfristen immer berücksichtigt werden.

Servicequalität nur "knapp befriedigend"

Im Bereich "Servicequalität" untersuchte das Institut, wie gut die Kunden bei einem Unternehmen aufgehoben sind: Wie lange hängt man als Kunde in der Telefon-Warteschleife, wie viele Stunden oder Tage dauert die Beantwortung einer E-Mail, wie schnell findet der Nutzer die Informationen, die er wirklich sucht und die ihn weiterbringen?

Insgesamt bewerten die Wissenschaftler diese Servicequalität als "knapp befriedigend". Nur drei der vierzehn Unternehmen bieten einen guten Service, zwei gar einen mangelhaften.

Blau.de mit dem besten Internetauftritt

Testsieger im Gesamtergebnis "Service" ist die E-Plus-Tochter Blau.de. Vor allem der Internetauftritt sei informativ, so die Wissenschaftler, wichtige Inhalte wie ein Verzeichnis mit häufig gestellten Fragen und eine Tarifübersicht seien schon nach einem Klick zu finden.

Simyo (Platz zwei) glänzte vor allem durch die beste telefonische Beratung. So seien die Antworten der Kundenberater "vollständig und sehr souverän", die Warteschleife mit durchschnittlich zwölf Sekunden sehr kurz gewesen.

Lange Wartezeiten beim Service-Telefon

Lidl Mobile und Fonic, die den gleichen Telefon- und E-Mail-Kontakt nutzen, schnitten im Bereich "Service" am schlechtesten ab. Die Anbieter hatten während der Testreihe auf überhaupt keine der gestellten E-Mail-Anfragen reagiert. Zudem ist während des Testzeitraums kein Telefongespräch mit einer Wartezeit von unter sieben Minuten zustanden gekommen.

Überhaupt sei diese Wartezeit bei vielen Anbietern eine Baustelle, so die Forscher. Nicht einmal jedes zweite der 210 Telefonate sei innerhalb von 20 Sekunden angenommen worden. Für die Unternehmen ein guter Angriffspunkt, Service zu verbessern.

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