27.11.12

Staatsanleihen

Selbst Fondsmanager verlieren jetzt den Überblick

Profis stehen den Euro-Anleihen so hilflos wie beim Lotto gegenüber und verschenken Rendite. Kein Manager hat 2012 die Messlatte übersprungen. Und Hedgefonds glaubten an ein todsicheres Geschäft.

Von Holger Zschäpitz
Foto: Infografik Die Welt

Kursexplosion bei griechischen Staatsanleihen
Kursexplosion bei griechischen Staatsanleihen

Der klassische Fondsmanager ist keine Spielernatur. Was im Grunde jeder Sparer befürworten würde, rächt sich in diesen Tagen gewaltig. Denn den Profis und deren Kunden gehen durch zu vorsichtiges Agieren wichtige Renditepunkte durch die Lappen. So legen die Anleihen der Peripherie derzeit eine historische Hausse hin.

Doch die findet ohne deutsche Sparer statt. Schließlich haben die meisten Fondsmanager die einstmals hoch gewichteten Anleihen von Griechenland, Portugal oder Irland im Laufe der Krise aus den Portfolios gekegelt. Damit haben viele Bundesbürger erst die Verluste mitgemacht, gehen bei der jetzigen Gegenbewegung aber leer aus.

Griechische Anleihen markierten am Dienstag ein Rekordhoch. Grund war der neue Rettungsplan für Griechenland. So ist ein Kernelement ein Rückkauf unter Wert gehandelter Anleihen. 10,2 Milliarden Euro soll Athen dafür einsetzen – und die Euro-Gruppe erhofft sich davon eine substanzielle Reduzierung der Schuldenlast.

In der Theorie könnten knapp 30 Milliarden Euro an Schulden gelöscht werden. Denn während der griechische Staat die Schulden zu 100 Prozent in den Büchern stehen hat, notieren die Schuldtitel an den Märkten bei einem Drittel davon. Allerdings dürfte sich der Rückkauf schwierig gestalten. Denn durch die Ankündigung sind die Anleihen im Wert bereits kräftig gestiegen.

Sachverstand von Nobelpreisträgern gefragt

"Es braucht schon den versammelten Sachverstand von Nobelpreisträgern zur Spieltheorie, um den öffentlich angekündigten Bondsrückkauf für Griechenland erfolgreich umzusetzen", lästert Gabriel Stein, Stratege bei Stein Brothers über Brüssel. Solch ein Anleiherückkauf funktioniert nach Ansicht von Experten nur, wenn er nicht öffentlich gemacht wird. Anleger würden kaum ihre Anleihen jetzt verkaufen, wenn sie auf höhere Preise spekulieren können.

Nutznießer der Griechen-Hausse sind ausgerechnet die umstrittenen Hedgefonds. Seit Sommer wittern sie die Chance auf satte Gewinne und decken sich im großen Stil mit griechischen Schuldtiteln ein. Dadurch haben zehnjährige Hellas-Bonds bereits 150 Prozent an Wert zugelegt. Im Geleitzug der Griechenhausse legten auch portugiesische Staatsschuldtitel zu. Sie gewannen 40 Prozent an Wert. Lang laufende Irland-Papiere brachten es immerhin noch auf 25 Prozent.

Es war ein todsicheres Geschäft

Das sei ein absoluter "No-brainer" gewesen, also ein todsicheres Geschäft, kommentiert Hans Humes, Chef des Hedgefonds Greylock Capital. Rechnerisch konnte Humes seinen Einsatz binnen weniger Monate mehr als verdoppeln. Auch andere Fonds wie Greylock, Third Point oder Appaloosa Management sollen sich bereits seit dem Sommer nach dem Schuldenschnitt für Griechenland im großen Umfang mit griechischen Anleihen eingedeckt haben.

Die Manager klassischer Rentenfonds haben dagegen nicht nennenswert bei der Peripherie-Hausse mitgemischt. Nicht ein einziger Manager europäischer Staatsanleihen hat 2012 die Messlatte geschlagen. Vielmehr finden sich an der Spitze der Bestenliste passive Produkte, nämlich börsengehandelte Indexfonds, die eins zu eins das Marktbarometer für europäische Staatsanleihen abbilden. In diesem finden sich ausgewählte Peripherieanleihen wieder, weshalb die Messlatte in diesem Jahr auch rund 16 Prozent an Wert gewonnen hat.

Pimco erzielt Rendite von 15 Prozent

Der beste aktiv gemanagte Euro-Anleihefonds, der Allianz Pimco Euro Bond Total Return schafft es immerhin auf den dritten Rang. Dieser hat Anlegern in diesem Jahr eine Rendite von immerhin fast 15 Prozent beschert. Pimco-Chef Bill Gross hat sich zuletzt öffentlich positiv zu spanischen Papieren geäußert. Trotzdem hat das nicht gereicht, um die Messlatte zu übertrumpfen. Im Pimco-Stammland USA ist Pimco dafür bekannt, den Markt zu schlagen.

Der nächste aktiv gemanagte Fonds findet sich erst auf dem sechsten Rang wieder. Der SK SelctedBond von Deka war laut Angaben des Datenanbieters Bloomberg zuletzt stark in italienischen Anleihen investiert.

Für Sparer ist die Minderperformance bitter

Wie schnell die Fondsprofis ins Hintertreffen geraten, macht eine einfache Rechnung deutlich. Spanische Anleihen werfen derzeit 5,5 Prozent ab, portugiesische immerhin 7,5 Prozent. Das ist ein Aufschlag von vier beziehungsweise sechs Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Wer also Peripherie-Titel untergewichtet, verzichtet auf diese Rendite. Eine solche Untergewichtung geht nur auf, sollten Peripherie-Bonds erneut unter die Räder kommen, also stärker an Wert verlieren als der Renditeaufschlag zu Bundesanleihen.

Nach dem Rettungspaket für Griechenland und der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, im Zweifel zu intervenieren, haben sich die Euro-Staatsanleihenmärkte aber beruhigt. Allerdings hängt alles an der Politik, doch mit dieser Komponente tun sich die klassischen Fondsmanager schwer. Sie schauen auf fundamentale Kennziffern, und da sieht es für die Peripherie schlecht aus.

Für deutsche Sparer ist die Minder-Performance bitter. Denn Rentenfonds gehören momentan zu den nachgefragten Vehikeln. Allein im September verzeichneten die Vehikel mit 1,7 Milliarden Euro zum achten Mal in Folge die stärksten Zuflüsse über alle Fondskategorien. Mehr als 20 Milliarden Euro haben Bundesbürger in diesem Jahr netto in Rentenfonds angelegt.

Quelle: dapd
27.11.2012 1:48 min.
Nachdem sich die EU-Finanzminister auf ein verbessertes Hilfsprogramm für Griechenland geeinigt haben, berät der Bundestag über die Freigabe der Notkredite in Höhe von fast 44 Milliarden Euro.
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