23.11.12

Griechische Anleihen

Hedgefonds wittern satte Gewinne durch Hilfsgelder

Die Politik will Griechenland mit dem Aufkauf von Anleihen sanieren. Hedgefonds freuen sich über ein todsicheres Geschäft. Am Ende könnten Spekulanten mit deutschen Steuergeld einen Reibach machen.

Von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz
Foto: Infografik Die Welt

Auch der griechische Aktienmarkt hat sich deutlich erholt
Auch der griechische Aktienmarkt hat sich deutlich erholt

Griechische Anleihen steigen auf Rekordhoch, die Athener Börse schlägt den Deutschen Aktienindex. Nein, das ist nicht das Drehbuch eines surrealistischen Kinofilm.

Das ist die Realität an den Kapitalmärkten im Herbst 2012: Möglich wird dieses Mirakel von Athen durch die Weiterungen der europäischen Politik. In ihrer Mission, Griechenland im Euro zu halten, scheint Brüssel die düsteren ökonomischen Realitäten außer Kraft zu setzen.

Nutznießer der Griechen-Hausse sind ausgerechnet die umstrittenen Hedgefonds. Seitdem Politiker über einen Aufkauf von griechischen Staatsanleihen durch den Euro-Hilfsfonds EFSF diskutieren, wittern sie Chance auf satte Gewinne und decken im großen Stil mit griechischen Schuldtiteln ein.

Seit Ende Mai über 150 Prozent zugelegt

Allein seit Beginn der Woche haben griechische Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit acht Prozent an Wert gewonnen. Vom Kurstief Ende Mai an gerechnet beträgt das Plus mehr als 150 Prozent. Bei anderen Laufzeiten fallen die Gewinne ähnlich aus. Auch bei griechischen Aktien sind die Vorzeichen deutlich positiv: Seit Jahresanfang haben die Kurse an der Athener Börse 24 Prozent zugelegt – und damit einen Prozentpunkt mehr als der Dax. Seit dem Markttief Anfang Juni ist der griechische Leitindex ASE um nicht weniger als 82 Prozent nach oben gesprungen.

Getrieben werden die Notierungen durch spekulative Käufe. Anleihe-Investoren setzen darauf, dass ihnen der EFSF die Schuldtitel am Ende zu einem höheren Preise abkauft. Aktien-Investoren sehen Griechenland vor einer teilweisen Entschuldung und sammeln Dividendenpapiere zum Schleuderpreis ein.

Ein todsicheres Geschäft für Hedgefonds

Das sei ein absoluter "No-brainer" gewesen, also ein todsicheres Geschäft, kommentiert Hans Humes, Chef des Hedgefonds Greylock Capital aus New York. Rechnerisch konnte Humes' seinen Einsatz binnen weniger Monate mehr als verdoppeln. Auch andere Fonds wie Greylock, Third Point, Fir Tree Partners oder Appaloosa Management sollen sich bereits seit dem Sommer nach dem Schuldenschnitt für Griechenland im großen Stil mit griechischen Anleihen eingedeckt haben.

Sollte die Rechnung der Spekulanten aufgehen, würden am Ende die europäischen Steuerzahler dafür aufkommen, während die Hedgefonds sich eine goldene Nase verdienen. Denn der Rettungsfonds EFSF stützt sich auf die Finanzkraft der restlichen Euro-Mitglieder.

Finanzakrobatische Kunstgriffe der Politiker

Die Idee eines Rückkaufs von griechischen Staatsanleihen ist nicht ohne innere Logik. Denn während der griechische Staat die Schulden zu 100 Prozent in den Büchern stehen hat, notieren die Schuldtitel an den Märkten zu einem Bruchteil davon. Im Sommer wurde die zehnjährige Anleihen eine Zeit lang mit 15 Prozent ihres Nennwerts gehandelt. Mit anderen Worten: Mit einem Einsatz von 15 Millionen Euro hätten sich 100 Millionen Euro Schulden tilgen lassen.

Die Politik sah in den niedrigen Kursen die Chance, den Schuldenstand des Mittelmeer-Landes durch finanzakrobatische Kunstgriffe auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben – und zwar mit relativ wenig Geldeinsatz.

Es war Jörg Asmussen, seines Zeichens deutsches Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), der die alte Idee eines Anleihen-Rückkaufs vor circa zwei Wochen wieder ins Spiel brachte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) griff den Vorschlag wenig später auf. Mittlerweile notieren zehnjährige griechische Anleihen bei über 35 Punkten.

Am Markt ist Reden Silber und Schweigen Gold

Die Vorstöße von Asmussen und Schäuble haben die jüngste Rallye bei griechischen Schuldtiteln ausgelöst. Doch am Markt ist Reden manchmal Silber und Schweigen Gold. Denn mit der um sich greifenden Erwartung, dass ein Anleihen-Kauf bevorsteht, verteuerten sich die anvisierten Papiere drastisch. Um dieselbe Schulden-Reduzierung zu erzielen, müssten der Rettungsfonds schon jetzt deutlich mehr Geld einsetzen als noch vor zwei Wochen.

Neben dem Selbstverteuerungseffekt hat der Asmussen-Schäuble-Plan noch einen anderen Schönheitsfehler: Kapitalmarkt-Experten verweisen darauf, dass der verbliebene Markt für griechische Anleihen nicht mehr besonders flüssig ist. Das Volumen aller ausstehenden Staatspapiere beträgt nur noch 138 Milliarden Euro, ein Gutteil davon findet sich in den Schatullen der Notenbanken.

"Damit ein Anleihen-Rückkauf die Schuldenlast merklich senkt, muss ein Großteil der Schulden in marktgängigen Anleihen zur Verfügung stehen. Zudem muss der Markt liquide sein", sagt Justin Knight, Leiter Zinsstrategie bei der UBS in London.

Alltägliche Spiele mit Griechen-Anleihen

Trotz dieser Fährnisse rechnet der Markt weiter fest damit, dass Brüssel eine Pleite Athens verhindert wird. "Offensichtlich kann sich kaum jemand vorstellen, dass es der Euro-Gruppe letztlich nicht gelingt, weitere Mittel bereitzustellen", bringt es Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz auf den Punkt. Es ist diese zunehmende Gewissheit, die die Kurse der griechischen Wertpapiere treibt.

Für Hedgefonds gehören solche Spiele wie jetzt mit Griechen-Bonds zum alltäglichen Geschäft. Schon mit argentinischen Papieren konnten sie teilweise einen guten Schnitt machen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Griechenlands Misere Finanzspekulanten profitieren lässt.

Bereits beim Schuldenschnitt im März gelang ihnen ein Coup. Sie deckten sich vorher günstig mit speziellen Staatsanleihen Athens ein, die nach internationalem Recht aufgelegt worden waren. Wegen der rechtlichen Besonderheiten dieser Papiere konnte Athen anders als bei den anderen Anleihen keinen Forderungsverzicht erzwungen. Das hieß, dass Griechenland diese Investoren letztlich mit dem Rettungsgeld aus Euro ausbezahlt hat.

Quelle: mit dpa
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