19.11.12

USA

Obamas Wiederwahl vernichtet 806 Milliarden Dollar

Nach der US-Präsidentschaftswahl haben die Anleger den S&P-500-Index ordentlich auf Talfahrt geschickt. Insgesamt ging der Börsenwert der US-Aktien um 806 Milliarden Dollar zurück.

Foto: dpa

US-Präsident Barack Obama freut sich über seine Wiederwahl. Für die Börsen war es eine Hiobsbotschaft
US-Präsident Barack Obama freut sich über seine Wiederwahl. Für die Börsen war es eine Hiobsbotschaft

Seit Barack Obamas Wiederwahl haben amerikanische Aktien 806 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren – es war der stärkste Rückgang seit Mai 2012. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P-500-Aktien beträgt im Durchschnitt nur noch 13,7. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist damit niedriger als nach dem Ende von acht der neun Bullenmärkte seit 1962. Börsianer sprechen von Bullenmärkten, wenn die Aktienkurse über längere Zeit vor allem steigen.

Nach Meinung der Pessimisten zeigen der 4,8-Prozent-Rückgang im S&P 500 und die Bewertungen, dass Investoren im US-Haushaltsstreit nicht mit einen Kompromiss rechnen, der die Erholung sichert. Die Optimisten, darunter die Top-Strategen von sechs Wall Street-Firmen, sehen in den Rückgängen ein weiteres Kaufsignal und erwarten, dass Aktien von Apple bis Dollar Tree mit steigenden Unternehmensgewinnen zulegen werden.

"Der Aktienmarkt scheint günstig bewertet, weil die Leute viel zu pessimistisch im Hinblick auf das Wachstum in den nächsten zehn Jahren sind", sagt Brian Jacobsen, Chefstratege bei Wells Fargo Advantage Funds in Menomonee Falls in Wisconsin. Er prognostiziert, dass der S&P 500 2014 um 47 Prozent auf 2000 Punkte steigen wird. "Es kann im Markt starke und schnelle Bewegungen geben, wenn die Erwartungen so niedrig sind."

Sorge um US-Staatshaushalt überschattet Aktienmarkt

Sorge wegen der sogenannten Fiskalklippe – Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 607 Mrd. Dollar, die zum 1. Januar automatisch wirksam werden, wenn es im Kongress vorher zu keiner Einigung kommt, – haben in der vergangenen Woche unerwartet gute Quartalsberichte von Cisco Systems Inc. und Home Depot Inc. überschattet und den S&P 500 um 1,5 Prozent auf 1359,88 Punkte fallen lassen.

Trotz fallender Aktienkurse sind die Strategen optimistisch, was Kursgewinne im kommenden Jahr betrifft. Der S&P 500 wird bis Ende 2013 um 17 Prozent auf einen Rekordwert von 1585 Zählern steigen, lautet die Durchschnittsprognose. Am Freitag schloss der Index bei 1359,88 Punkten. Douglas Kass, Gründer von Seabreeze Partners Management Inc. in Palm Beach, Florida, erwartet, dass der Benchmark-Index nächstes Jahr um 18 Prozent auf 1600 Punkte steigt, sofern die Politiker einen Haushaltskompromiss schließen und die Wirtschaft weiter wächst.

Analysten streiten über die richtige Bewertung

"Der größte Fehler ist, sich an das Sprichwort 'Gebranntes Kind scheut das Feuer' zu halten", sagte Kass am 14. November in einem Interview bei Bloomberg Radio. "Die Marktteilnehmer handeln heute fälschlicherweise wie im letzten Jahr, als es im August die Haushaltsberatungen gab. Solche Ängste sind fehl am Platz."

Savita Subramanian von Bank of America Corp. in Charlotte, North Carolina, traut dem Index 2013 bei steigenden Unternehmensgewinnen und abnehmenden Sorgen um die Weltwirtschaft zu, bis auf 1600 Punkte zu steigen. John Stoltzfus von Oppenheimer & Co. sagt einen Anstieg auf 1585 Zähler voraus, und David Kostin von Goldman Sachs Group Inc. gründet seine Schätzung von 1575 Punkten auf Unterstützung durch die dritte Runde von Anleihekäufen durch die US-Notenbank.

James Bianco, Präsident von Bianco Research LLC in Chicago, dagegen hält Optimismus nicht für angebracht, solange es Obama und die Republikaner nicht schaffen, sich auf Maßnahmen zur Vermeidung der drohenden automatischen Ausgabeneinschnitte und Steuererhöhungen zu einigen. Die 607-Milliarden-Dollar-Belastung könnte die weltgrößte Volkswirtschaft nächstes Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen lassen, so ein Bericht der Haushaltsbüros des Kongresses vom 8. November.

"Bis zum Wahltag hatte niemand eine Fiskalklippe eingepreist, weil die vorherrschende Meinung an der Wall Street war, dass es keine geben wird", sagte Bianco in einem Interview in Bloomberg TV. "Erst jetzt fangen wir an, das einzupreisen, und wir tun das erst seit einer Woche." Wenn sich die Marktteilnehmer weiterhin zurückhielten, könne es noch deutlich stärker bergab gehen, fügte er an.

Quelle: Bloomberg/dma
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