16.11.12

Börse

Dax sackt unter die 7000-Punkte-Marke

Sorgen um den Euro und schwächere US-Börsen haben Kursverluste beim Dax ausgelöst. Der Leitindex fiel unter die psychologisch wichtige 7000er-Marke. Investoren meiden derzeit jegliches ich Risiko.

Von Karsten Seibel
Foto: REUTERS

Der deutsche Leitindex Dax fällt erstmals seit Wochen unter 7000 Punkte
Der deutsche Leitindex Dax fällt erstmals seit Wochen unter 7000 Punkte

Ein paar Tage gelang es dem Deutschen Aktienindex noch, sich über der 7000-Punkte-Marke zu halten. Doch am Freitagvormittag war es geschehen: Das Leitbarometer fiel erstmals seit Anfang September wieder in den 6000er Bereich. Im weiteren Tagesverlauf ging es zwischenzeitlich bis auf 6950 Punkte hinab. Angesichts solcher Verluste drängt sich vielen Anlegern zunehmend die Frage auf, ob das Aktienjahr 2012 die besten Wochen nicht längst hinter sich hat?

Bis zu 22 Prozent lag der Dax seit Jahresanfang bereits im Plus. Das ist ein Anstieg, den es seit Jahren nicht gab. Selbst nach der jüngsten Schwächephase sind es immer noch 16 Prozent. Und das trotz weiterhin schwelender Eurokrise, trotz zunehmend verbreiteter Konjunktursorgen. Kaum ein Analyst hatte im Januar eine solche Entwicklung prognostiziert.

Anleger bringen Aktiengewinne in Sicherheit

"Viele Investoren haben ihr Geld in diesem Jahr verdient", sagt Mario Drotschmann von der Vermögensverwaltung Valexx in Hannover. Entsprechend geht er nicht davon aus, dass es noch zu einem turbulenten Jahresendgeschäft mit neuen Kurshöhen kommen wird. Unnötige Risiken mag jetzt niemand mehr eingehen.

Gerade die großen Anleger, beispielsweise Fondsgesellschaften, werden mit Blick auf die letzten sechs Wochen des Jahres nur noch ein Ziel haben: die Aktiengewinne in Sicherheit bringen, um gegenüber ihren Kunden auf ein mehr als zufriedenstellendes Jahr 2012 verweisen zu können. Schon die vergangenen Handelstage waren von dünnen Handelsumsätzen geprägt.

Fiskalklippe könnte USA in die Rezession stürzen

Zumal es an möglichen Störfaktoren der Märkte nicht mangelt. Der bange Blick geht dabei vor allem in die Vereinigten Staaten. Dort laufen zum Jahresende Steuererleichterungen aus, gleichzeitig drohen automatische Ausgabenkürzungen, wenn sich Präsident Barack Obama und die Vertreter der Republikaner im Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen können. Kommt es zu keiner Schlichtung, könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese Fiskalklippe in die Rezession stürzen, so das Szenario.

Zwar geht kaum ein Beobachter davon aus, dass es wirklich so schlimm kommen wird. Nach einem harten Poker werden sie sich kurz vor Jahresultimo noch einigen, lautet die weit verbreitete Meinung. Doch, wie die Analysten der Landesbank Berlin in einem Marktkommentar schreiben, würde nur eine schnelle Einigung noch einen positiven Impuls in Richtung der Marktteilnehmer aussenden. "Was jedoch eher unwahrscheinlich ist", so die Berliner weiter.

Einen Dax-Absturz kann sich aber keiner vorstellen

Einen regelrechten Absturz des Dax in den letzten Wochen 2012 mag sich auf der anderen Seite derzeit auch kaum jemand vorstellen. "An Aktien führt kein Weg vorbei", sagt Jan Lintermann, Portfoliomanager bei dem Kölner Vermögensverwalter Albrech & Cie. Schließlich gebe es kaum Alternativen. Mit den meisten Anleihen lässt sich angesichts kümmerlicher Renditen nach Abzug der Inflation nichts mehr verdienen. Im Gegenteil: Wer die Papiere kauft, vernichtet vorsätzlich Teile seines Vermögens.

Lintermann sieht aus dieser Überlegung heraus der künftigen Kursentwicklung zumindest nicht pessimistisch entgegen. Sein Haus habe seit Jahresanfang das Aktienrisiko Schritt für Schritt erhöht und niemand bei ihnen denke bislang daran, dies in den letzten Wochen des Jahres zurückzufahren. Er gehört nicht zu den einzigen vorsichtigen Optimisten. "Wir empfehlen, die aktuelle Kursschwäche zum Aufstocken der Aktienpositionen zu nutzen", sagt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

So spricht einiges dafür, dass große Sprünge beim Dax - nach unten oder oben - in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten sind. Wobei, ganz der vorsichtige Vermögensverwalter, von entspannten Restwochen auch Lintermann nichts wissen will. "Die Lage bleibt unsicher, eine Meldung kann vieles verändern", sagt er. In den vergangenen Jahren zeigte der Dax in den letzten Wochen kein einheitliches Bild. Während 2009 und 2010 die Kurse noch bis in den Dezember hinein stiegen, hätte im Vorjahr niemand etwas verpasst, wenn er Mitte November aus dem Aktienmarkt ausgestiegen wäre.

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