16.11.12

Krisensimulation

Fed plant den Super-Stresstest für US-Banken

Auf die wichtigsten US-Banken kommt ein weiterer Stresstest zu. Die US-Notenbank Fed will darin einen massiven wirtschaftlichen Abschwung in Europa und Asien simulieren.

Von Martin Greive
Foto: pa/dpa/EPA
Die US-Notenbank in Washington bereitet einen neuen Stresstest vor
Die US-Notenbank in Washington bereitet einen neuen Stresstest vor

Die US-Notenbank Fed will im kommenden Jahr die 19 größten Kreditinstitute des Landes einem neuen Stresstest unterziehen. Die Tests sollen zeigen, ob US-Großbanken wie JP Morgan, die Citigroup oder die Bank of America eine schwere Rezession überstehen können. Elf weitere Banken führen eigene Stresstests durch und berichten die Ergebnisse an die Notenbank.

Die Banken müssen in dem Stresstest drei Szenarien durchlaufen. Vor allem das schlimmste hat es in sich: die Banken durchlaufen darin nicht nur eine Rezession in den USA, sondern simulieren auch einen wirtschaftlichen Abschwung in Europa und Asien. Die Geldhäuser müssen für jedes Szenario Berichte vorlegen, wie sie auf eine solche Situation reagieren würden. Die Ergebnisse des Stresstests sollen im kommenden März veröffentlicht werden.

Es ist schon der vierte Test seit 2009

Es ist bereits das vierte Mal, dass die Notenbank die Krisenfähigkeit der Banken unter die Lupe nimmt. In der ersten Runde 2009, direkt nach der Finanzkrise, hatten die Institute noch miserabel abgeschnitten. Den Bankenstresstest im vergangenen Jahr hatten 15 Institute bestanden, vier Häuer waren durchgefallen, darunter die Citigroup.

Die Fed hatte in dem Stress-Szenario geprüft, wie die Banken dastehen, wenn die Arbeitslosenquote auf über 13 Prozent steigt und die Häuser-Preise um 21 Prozent sinken. Während die Wall Street die Ergebnisse feierte, sahen Analysten das Ergebnis als Beweis, dass die US-Banken immer noch nicht auf sicheren Füßen stünden.

Ein Banker: "Die Szenarien sind hart, aber fair"

Basisszenario des neuen Stresstests dürfte den Banken keine Probleme bereiten: Demnach wächst die Wirtschaft bis 2015 rund zwei Prozent pro Jahr und die Aktienkurse steigen um durchschnittlich fünf Prozent. Dies entspricht den Erwartungen vieler Ökonomen. Ein ganz anderes Kaliber ist dagegen das "Worst-Case-Szenario."

Hierin wird im Gegensatz zum Test des vergangenen Jahres nicht nur ein Abschwung in den USA und Europa, sondern auch in Asien, insbesondere in China, durchgespielt.

In diesem Fall würde das US-Wachstum laut Stresstest im ersten Quartal um 6,1 Prozent sinken. Die Arbeitslosenquote würde von heute knapp acht auf fast zwölf Prozent steigen, der Aktienmarkt um 50 Prozent und die Immobilienpreise um 20 Prozent bis Ende 2014 abstürzen, teilte die Fed mit. "Dieses Szenario wird einigen Banken mit starken Geschäftsverbindungen nach China Schmerzen bereiten", sagt Walter Young, Stresstest-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.

In dem dritten, moderaten Szenario schrumpft die US-Wirtschaft zwischen Ende 2012 und Anfang 2014 um zwei Prozent, die Arbeitslosigkeit steigt auf fast zehn Prozent und die Aktienkurse fallen um 25 Prozent. "Die Szenarien sind hart, aber fair", sagte ein Banker.

Börsianer fassen wieder Vertrauen in Banken

Insgesamt dürften die Banken in diesem Jahr besser abschneiden als beim vergangenen Test, so Young. Die Banken hielten mehr Kapital vor, zudem haben sie sich darauf eingestellt in einem schwierigen Konjunkturumfeld zu arbeiten, in dem die Arbeitslosigkeit mit rund acht Prozent recht hoch ist.

So hatten viele Banken in den vergangenen Quartalen trotz der eher mauen Konjunktur recht gute Gewinne erzielt. Börsianer fassten daher wieder mehr Vertrauen in den amerikanischen Bankensektor.

So ist der KBW Bank Index, der 24 US-Banken umfasst, in diesem Jahr um 19 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Standard & Poor's-500-Index mit den größten 500 US-Unternehmen legte gleichzeitig nur um 7,6 Prozent zu. Auch gelten amerikanischen Banken als gesünder als ihre europäische Konkurrenz.

So zwang die Fed keines der Geldhäuser dazu, ihr Kapital zu erhöhen. Europas Institute hingegen mussten reihenweise Vermögenswerte und Geschäftsbereich abstoßen, um ihre Bilanzen aufzubessern.

BaFin pocht auf Zeitplan für Bankenregulierung

Ab 1. Januar 2013 soll das dann in Kraft tretende Regelwerk Basel-III Banken weltweit sicherer machen. Die Regeln sehen im Wesentlichen höhere Eigenkapitalquoten für Kreditinstitute vor. Viele Banken beklagen, dass die Regeln noch nicht klar seien. Sie verlangen daher mehr Zeit, bis sie die neuen Vorgaben umsetzen müssen. Besonders die USA treten auf die Bremse: Die Fed, der Einlagensicherungsfonds FDIC und die Bankenaufsichtsbehörde OCC erklärten jüngst, die neuen Vorschriften würden nicht zu Jahresbeginn in Kraft treten

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen warnt vor einer verzögerten Einführung der verschärften Kapitalregeln für US-Großbanken. "Dadurch könnten die transatlantischen Beziehungen leiden", sagte Fitschen. Er könne nur alle Beteiligten aufrufen, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um das Vertrauen wieder herzustellen.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin pocht auf den Zeitplan für die neue Bankenregulierung Es wäre "unverzeihlich", wenn die Einführung der Kapitalvorschriften nicht 2013 begänne, auch wenn es im Detail noch Probleme gebe, sagte die Chefin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König: "Die Regeln sind bekannt. Man kann schon mal losgehen und braucht nicht zu warten, bis jemand sagt: Jetzt gehen wir los."

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