15.11.12

Rohstoff-Markt

Strategen sagen Goldpreis von 2000 Dollar voraus

Die Deutsche Bank erwartet einen Anstieg der Notierungen auf über 2000 Dollar je Feinunze. Käufe von Notenbankern und steigende Herstellungskosten treiben den Edelmetall-Preis.

Von Daniel Eckert
Foto: Infografik Die Welt

Die Geldschwemme in den Vereinigten Staaten treibt den Goldpreis
Die Geldschwemme in den Vereinigten Staaten treibt den Goldpreis

Der Gold-Preis steuert auf sein zwölftes Plus-Jahr in Folge zu, schon jetzt ist das der längste Edelmetall-Boom in der neueren Geschichte. Unter Finanz-Experten ist nun ein Streit darüber entbrannt, ob die Mega-Rallye ein 13. Jahr erleben wird. Zuletzt warnte Andrew Bosomworth, der Deutschland-Chef der mächtigen Fondsgesellschaft Pimco, bei dem gelben Metall drohe eine Spekulationsblase.

Auch viele Markttechniker geben die Kassandra und verweisen auf den Kursverlauf, der alles andere als gut aussehe: Seit mehr als einem Jahr prallen die Notierungen an dem technischen Widerstand von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ab. Häufig ist das der Hinweis auf einen bevorstehenden Abschwung.

Edelmetallpreis steht vor historischem Rekord

Jetzt jedoch formieren sich die Optimisten und rufen neue ambitionierte Preisprognosen aus. Die Deutsche Bank sagt voraus, dass Gold sich nicht nur weiter verteuern wird, sondern 2013 mehr als 2000 Dollar je Feinunze kosten wird. Das wäre ein historischer Rekord. Bisher liegt die Bestmarke bei 1921,15 Dollar, erreicht Anfang September 2011. Seither pendelt der Preis zwischen 1500 und 1800 Dollar. Am Donnerstag wurde das gelbe Metall für 1715 Dollar gehandelt.

"Wir werden die 2000 Dollar hinter uns lassen", sagt Raymond Key, der den globalen Metallhandel von Deutschlands größter Bank leitet. "Die Notenbanken werden weiter Geld drucken, um die globale Wirtschaft zu stimulieren." Das treibe die Notierung der traditionellen Währung. Gold dient Investoren als Alternative zu Papierwährungen wie Dollar oder Euro. Auch Georges Lequime, Bergbau-Experte und Stratege bei der Fondsgesellschaft Earth Resource Investment Group (ERIG) hält schon bald neue Höchststände für wahrscheinlich.

Fernöstliche Notenbanken müssen nachkaufen

Ein Hauptgrund für die optimistischen Prognosen ist das enorme Nachholpotenzial der fernöstlichen Notenbanken. Während die Deutsche Bundesbank oder die amerikanische Federal Reserve offiziell fast drei Viertel ihrer Währungsreserven in Form von Gold halten, sind es bei vielen Zentralinstituten der Schwellenländer nur wenige Prozentpunkte. Das Gros ihrer Devisenbestände bilden Dollar und Dollar-Papiere. In dem Maße, wie das Vertrauen in die Leitwährung Dollar schwindet, müssten sich die Institute nach anderen Anlagemöglichkeiten umsehen.

"Würden die asiatischen Notenbanker den Gold-Anteil an ihren Reserven nur auf 15 Prozent der Gesamtreserven hochschrauben, entspräche das einer zusätzlichen Nachfrage von 17.000 Tonnen", rechnet Rohstoffexperte Lequime vor. Das entspricht in etwa der globalen Minenproduktion von sechs Jahren. Vor allem die Meldung, dass die People's Bank of China ihre Bestände aufstockt, würde Bewegung in den Markt bringen.

China hortet fast 3,3 Billionen Dollar

"Wenn man sieht, wie wenige Gold China im Vergleich mit den USA hält, können die dortigen Bestände nur in eine Richtung gehen", sagte David Gornall, Vorsitzender der London Bullion Market Association, diese Woche in Hongkong.

Offiziell hat die chinesischen Notenbank ihre Goldbestand seit 2009 nicht mehr erhöht. Die ausgewiesenen 1054 Tonnen Edelmetall entsprechen nicht mal zwei Prozent der gesamten Reserven. Die Volksrepublik ist der mit Abstand größte Halter von Währungsreserven. Insgesamt beläuft sich der chinesische Staatsschatz auf 3,29 Billionen Dollar. Das meiste davon ist in Wertpapieren investiert, die auf die US-Währung lauten.

Schwellenländer stocken Goldbestände auf

Große Schwellenländer wie Brasilien, Südkorea, Russland und die Türkei haben in ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt. Allein in den ersten neun Monaten diesen Jahres kauften die Notenbanken netto 268 Tonnen des gelben Metalls.

Tatsächlich gibt es einigen Grund, an der langfristigen Stabilität des Greenback (wie die US-Währung auch genannt wird) zu zweifeln. Das Volumen der Dollar-Liquidität auf der Welt hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als vervierfacht. Die Welt wird mit Geld geflutet, dem kein entsprechendes Maß von Wirtschaftskraft entgegen steht. Zwar sind die Inflationsraten derzeit gering, nicht wenige Ökonomen befürchten jedoch, dass diese Ausweitung der Geldmenge die Kaufkraft des Geldes aushöhlt. Die Menge des verfügbaren Goldes stieg im gleichen Zeitraum nur um 21 Prozent. Wegen seiner Knappheit und wegen seiner Historie als internationales Zahlungsmittel dient das Edelmetall als Wertanker.

US-Leitzins bleibt wohl bis 2015 nahe Null

Die Liquiditätsflut geht weiter: Ende Oktober hat die US-Notenbank angekündigt, mittels Anleihenkäufen Monat für Monat 40 Milliarden Dollar ins Finanzsystem zu pumpen, bis sich die US-Konjunktur stabilisiert hat und die Arbeitslosigkeit auf normale Niveaus zurückgegangen ist. Der Leitzins wird vermutlich bis zum Jahr 2015 nahe Null bleiben. Auch Die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank haben ihre geldpolitischen Maßnahmen (im Fachjargon "QE" oder "Quantitative Lockerung" genannt) jüngst ausgeweitet.

Dazu kommt, dass der reale Zins (also Zins minus Inflation) in vielen Ländern negativ ist. Mit anderen Worten: Rentenpapiere sind nicht mehr so attraktiv, dass sie das unverzinste Gold ausstechen könnten, wie dies zum Beispiel in den Achtzigern oder Neunzigern der Fall war. Aus Sicht von Lequime sind auch private Anleger noch unterinvestiert: "Von einer Bubble sind wir weit entfernt. Anfang der Achtzigerjahre stellte Gold 15 bis 20 Prozent des verwalteten Vermögens, heute sind es etwas mehr als ein Prozent."

USA verfügen über 8134 Tonnen Gold

Mit einer starken Angebotsausweitung, die die Notierungen drücken könnte ist nicht zu rechnen: Es können bis zu 20 Jahren vergehen zwischen der Entdeckung eines Vorkommens und der Aufnahme der Produktion. Und die Kosten für die Förderung des Edelmetalls steigen rasant. Während es im Jahr 2000 weniger als 300 Dollar kostete, eine Unze zu fördern, liegen die Kosten inklusive der Kapitalkosten heute bei 1500 Dollar. "Aus dem Grund können die Notierungen unserer Einschätzung nach nicht nachhaltig unter 1600 Dollar fallen", sagt Lequime.

Die USA, deren Dollar bis 1971 offiziell mit Gold unterlegt war, halten mit 8134 Tonnen die größten Gold-Reserven der Welt. Über den zweitgrößten Edelmetall-Schatz gebietet die Bundesbank mit 3396 Tonnen. Weitere große Halter von Gold sind Italien und Frankreich. In keinem Fall würden die Gold-Reserven aber auch nur annähernd ausreichen, um die gewaltigen Staatsschulden abzucken.

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