14.11.12

Geldinstitute

Deutsche Bank entdeckt den Filialleiter neu

Bei den Mitarbeitern der Deutschen Bank hat sich ordentlich Groll aufgestaut. Die Deutsche Bank will nach "Welt"-Informationen die jüngsten Veränderungen wieder korrigieren.

Von S. Jost und K. Seibel
Foto: Hamburger Abendblatt/Andreas Laible

An den großen Deutsche-Bank-Standorten, wie hier in Hamburg, soll es schon bald wieder eine für alle verständlichere Kompetenzverteilung geben
An den großen Deutsche-Bank-Standorten, wie hier in Hamburg, soll es schon bald wieder eine für alle verständlichere Kompetenzverteilung geben

Die Stimmung war schon mal besser. Jeden Herbst versammeln sich die Führungskräfte der Privatkundensparte der Deutschen Bank, es geht um die Bilanz des zu Ende gehenden Jahres und die Ziele für das kommende. Doch das Hauptziel ist für viele der Manager bereits klar, bevor das diesjährige Treffen am Freitag in Hamburg beginnt: endlich wieder Ruhe in den Filialbetrieb bekommen.

Denn seit dessen Strukturen im Frühjahr umgekrempelt wurden, hat sich bei vielen Mitarbeitern ordentlich Groll aufgestaut. Er ist groß genug, dass die Bankführung um Thomas Rodermann, den Verantwortlichen für die Privat- und Geschäftskunden in Deutschland, nach Informationen der "Welt" nun reagiert – mit einer Reform der Reform, die die Veränderungen ein Stück weit zurückdreht. Das soll den versammelten Managern am Wochenende erklärt werden.

Filialleiter wurden durch Reform entmachtet

Weniger Kirchturm-, dafür mehr Spartendenken, das war die Devise für den Umbau. Die Filialleiter der Deutschen Bank sollten nicht länger die alleinigen Könige ihres Geschäftsgebiets sein.

Stattdessen sollte das Deutschlandgeschäft, Kern des Verantwortungsbereichs von Konzernvorstand Rainer Neske, bis hinunter in die Zweigstellen nach Sparten sortiert werden: An den großen Standorten sind die Berater für das Massengeschäft, die Geschäftskunden und das gehobene Private Banking seither nicht mehr alle demselben Filialleiter unterstellt. Stattdessen berichten sie an die jeweiligen Regionaldirektoren der einzelnen Geschäftsbereiche. Der Filialleiter blieb zwar formal das Aushängeschild vor Ort, sein Einflussbereich war allerdings erheblich beschnitten.

Was für einen besseren Durchgriff bis an die Schalterfront sorgen sollte, hatte aus Sicht vieler Deutschbanker weitreichende Nebenwirkungen. "Wenn vor Ort irgendetwas verändert werden soll, reden jetzt neben dem Filialleiter immer auch mehrere Regionaldirektoren mit", berichten Mitarbeiter. "Das hat zu unglaublich schwerfälligen Entscheidungsprozessen geführt."

Kundenberater sind frustriert

So mancher Kundenberater sei deshalb frustriert, heißt es – zumal sich längst nicht allen erschlossen habe, warum es diesen Umbau überhaupt gebraucht habe, und das ausgerechnet in einer kritischen Marktphase mit sinkenden Erträgen in der ganzen Branche. Selbst im Kreise der Macher der Reform wird eingeräumt, dass man an der einen oder anderen Stelle über das Ziel hinausgeschossen sei.

Nun werde an diversen Schräubchen nachjustiert, verlautet aus dem Unternehmen. Zwar wird betont, dass es sich nicht um eine Generalüberholung der Generalüberholung handle. Auch das Personaltableau bleibe unverändert.

Filialleiter sollen wieder gestärkt werden

Dennoch sind die Veränderungen nach Angaben von Kennern der Pläne merklich. So solle die Position des Filialleiters unter dem Strich wieder deutlich gestärkt werden. Er soll dem übertriebenen Silo-Denken entgegenwirken und dafür sorgen, dass die Mitarbeiter aus den einzelnen Sparten wieder mehr miteinander reden und nicht autark nebeneinander her arbeiten.

Auch auf den Ebenen darüber soll das Spartendenken wieder ein Stück weit aufgebrochen werden. Die Regionaldirektoren der einzelnen Geschäftsbereiche blieben zwar erhalten, so heißt es. Dennoch soll auch auf den oberen Ebenen des Privatkundengeschäfts wieder stärker spartenübergreifend gearbeitet und entschieden werden. Ziel sei vor allem eine bessere Kommunikation.

Bank will Veränderungen nicht kommentieren

Die Bankführung hält sich zu alledem bedeckt. Ein Sprecher bestätigt zwar die Führungskräftetagung am Wochenende, betont allerdings, das es sich um eine turnusgemäße Routineveranstaltung handle. Mögliche Veränderungen bei der Organisation des Deutschlandgeschäfts wollte er nicht kommentieren.

In der Privat- und Geschäftskundensparte werden neben den Sparern auch kleinere Firmen betreut, während große Mittelständler und Konzerne ebenso in anderen Teilen des Deutsche-Bank-Konzerns betreut werden wie Privatkunden mit großem Vermögen.

Auch andere Banken zerbrechen sich derzeit die Köpfe darüber, wie sie mit ihren Privatkunden am besten ins Geschäft kommen. Das Umfeld ist schwierig: Niedrige Zinsen haben die Margen der Banken bei Krediten zusammenschmelzen lassen, und bei Wertpapiertransaktionen halten sich viele Kunden angesichts der unsicheren Finanzmärkte zurück, so dass auch die Provisionseinnahmen der Banken bescheiden ausfallen.

Privatkundengeschäft läuft gut

Während die Deutsche Bank in dem Segment wirtschaftlich vergleichsweise gut dasteht und in den ersten neun Monaten gut 1,5 Milliarden Euro verdiente, sieht es bei der Konkurrenz teilweise düster aus. Vor allem die Commerzbank bekam die schwierige Marktlage zu spüren – ihr Privatkundengeschäft konnte sich in den vergangenen Quartalen jeweils nur knapp über der Nulllinie halten.

Auch hier soll nun nicht zuletzt ein neuer Zuschnitt der Filialen das Geschäft neu in Schwung bringen. Künftig sollen kleinere Filialen zu reinen Servicepunkten schrumpfen, während sich die Beratung auf die größeren Standorte konzentriert.

Außerdem liebäugelt die Bankführung mit längeren Öffnungszeiten. Die Hypovereinsbank hat sich derweil bereits aus dem Filialkorsett gelöst und will unter anderem mit Videoberatung bei Kunden punkten. Zudem werden Franchise-Modelle eingeführt, um die Dichte der Anlaufstellen zu erhöhen.

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