13.11.12

Devisenmarkt

Zweifel am Euro lösen Kursrutsch aus

Der Kurs der Einheitswährung rutscht auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten und fällt bei Investoren in Ungnade. Der Won aus Südkorea, der Neuseeland-Dollar und die Norwegen-Krone sind gefragt.

Foto: Infografik Die Welt

Optimistische und pessimistische Einschätzung zum Euro-Kurs
Optimistische und pessimistische Einschätzung zum Euro-Kurs

Offiziell geben sich die Europa-Politiker optimistisch, die Schuldenkrise im Griff zu haben, doch der Devisenmarkt sendet Warnsignale. Seit Anfang November befindet sich der Kurs des Euro auf Talfahrt. Zu Wochenbeginn nun hat die Gemeinschaftswährung bei 1,27 Dollar ein Zwei-Monats-Tief markiert.

"Die zwischenzeitliche Erholung des Euro ist ins Stocken geraten", sagt Christian Apelt, Stratege bei der Helaba. Knapp acht Wochen hatte der Euro-Dollar-Kurs in einer Handelsspanne von 1,28 bis 1,32 gependelt. Jetzt ist die untere Grenze dieses Seitwärtsbands durchbrochen.

Auch zum japanischen Yen, der anderen wichtigen Exportwährung, geht es bergab. Am Montag wurde der Euro für rund 101 Yen gehandelt, fast drei Prozent niedriger als noch Ende Oktober.

Für eine Reihe von Ökonomen deutet sich eine neue Schwächephase der europäischen Gemeinschaftswährung an – wenn nicht gar mehr. Wieder ist es die Situation in der Peripherie, die Unruhe in den Markt bringt. "Die griechische Regierung tut sich schwer mit den Sparmaßnahmen", sagt Helaba-Mann Apelt.

Zweifel an Griechenlands Stabilität bleiben

Zwar wurde das Budget 2013 am Wochenende vom Parlament verabschiedet, zwar legte die Troika einen Bericht mit positivem Grundtenor vor. Die Zweifel an der Stabilität des Landes sind aber nicht ausgeräumt. Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung wackelt.

Beobachter bezweifeln nicht nur, dass die Spar-Ziele eingehalten werden können. Die Regierung in Athen selbst schätzt, dass der Schuldenstand bis 2014 auf 189 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern wird, das wäre 50 Prozentpunkte mehr als vor Austritt der Finanzkrise.

Weiterhin schwebt das Gespenst eines Griechen-Austritts (Grexit) mit schwer kalkulierbaren Folgen über der Währungsunion. Die Ratingfirma Moody's warnte kürzlich, dass der Grexit eine Gefahr bleibe. "Es mehren sich Berichte über schwere soziale Verwerfungen in Griechenland", erklärt Ciaran O'Hagan, Ökonom bei der Société Générale.

Die Leidensgeschichte des Euro

Der Euro hat dieses Jahr schon eine wahre Leidensgeschichte hinter sich: Mit der Zuspitzung der Finanzprobleme Spaniens und Italien waren die Notierungen im Sommer auf knapp über 1,20 Dollar abgesackt. Im Herbst konnte sich der Wechselkurs erholen.

Das war nach den starken Worten von Mario Draghi: Man werde alles tun, sagte der EZB-Präsident, um Europas Währung zu verteidigen. Doch das von Draghi ins Leben gerufene Anleihen-Kaufprogramm OMT ist an politische Bedingungen geknüpft, was seine Wirksamkeit an den Kapitalmärkten empfindlich mindert.

Griechenland ist nicht der einzige Krisenherd: "Spanien sträubt sich, offiziell unter den EU-Rettungsschirm zu schlüpfen", sagt Vassili Serebriako, Stratege bei der BNP Paribas. Das laste derzeit auf dem Markt. Dazu kommt eine Häufung enttäuschender Euroland-Konjunkturdaten.

Sogar der Wachstumsmotor Deutschland ist zuletzt ins Stottern gekommen. Unter diesen Voraussetzungen zögern Investoren, ihr Geld in der Euro-Zone abzulegen. Profiteure der europäischen Misere sind Währungen von Volkswirtschaften mit stabiler Konjunktur und relativ niedriger Verschuldung. Die sind vor allem in Asien zu finden.

Australien lockt mit hohem Zinsniveau

Zu den stärksten Devisen zählen der Südkoreanische Won und der Neuseeland-Dollar, die beide seit Anfang des Jahres beide fast acht Prozent zulegen konnten. Gefragt sind auch die Norwegische Krone und der Austral-Dollar, die ein Plus von sechs und vier Prozent verzeichnen.

Australien ist für Investoren nicht zuletzt wegen des hohen Zinsniveaus attraktiv. "Der Aussie ist eine der letzten Hochzins-Währungen", sagt Sébastien Galy, Ökonom bei der Société Générale. Während der Leitzins auf dem Fünften Kontinent bei 3,25 Prozent steht, liegt er in der Euro-Zone bei 0,75 und in den USA bei praktisch null.

Viele Akteure nutzten dies Zinsdifferenz für Arbitragegeschäfte (Carry-Trades), bei denen sie sich billige Euro oder Dollar leihen, in Austral-Dollar tauschen und die dortigen hohen Zinsen kassieren. "Die Carry-Trade-Geldflüsse sind heute teils stärker als vor der Finanzkrise", sagt Galy.

Allerdings gibt es schon Anzeichen für eine Übertreibung. Gemessen an der Kaufkraft-Parität ist die australische Devise zur Leitwährung Dollar um mehr als ein Viertel überbewertet, die Neuseeland-Dollar um gut ein Fünftel und die Norwegen-Krone um rund 15 Prozent.

Saxo Bank sieht weitere Schwächung des Euro

Der Euro hingegen ist nach Einschätzung von Morgan Stanley leicht unterbewertet. Mit einem baldigen Ende der Überbewertung von "Carry"-Währungen rechnet jedoch kaum ein Stratege. Gerade Hedgefonds und andere spekulative Investoren aus dem angelsächsischen Raum glauben, dass die die Bewertungen gerechtfertigt sind, solange die Krise vor sich hinschwelt.

Zu den Euro-Skeptikern gehören auch die Experten der dänischen Saxo Bank. Sie halten die Probleme der Währungsunion für so gravierend, dass sich der Euro weiter abschwächen muss. Schließlich hat der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit der Südländer damit zu tun, dass der Wechselkurs zu hoch steht. In einem halben Jahr sehen die Dänen den Kurs des Euro noch mal gut zehn US-Cent unter dem aktuellen Niveau.

BNP-Paribas-Stratege Serebriako hingegen hält die jetzige Schwäche für vorübergehend. Schon Anfang des nächsten Jahres werde der Kurs wieder über 1,30 Dollar liegen, glaubt er. Dafür spricht seiner Ansicht, dass die US-Notenbank Fed den Markt über ihre Anleihenkäufe mit Dollar flutet und die amerikanische Währung damit abwertet.

Allerdings geben alle Ökonomen zu, dass Währungsprognosen in Zeiten politischer Börsen extrem schwierig sind.

Daniel Eckert ist Währungsexperte und twittert vor allem zur Entwicklung von Euro, Dollar, Gold und Yuan.

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