09.11.12

Spekulanten

Hedgefonds-Managern geht die Puste aus

Die Investmentmodelle können die Renditeansprüche nicht mehr erfüllen. Seit 2011 haben sie im Durchschnitt Verluste produziert. Die Manager kommen mit politisch manipulierten Märkten nicht zurecht.

Von Holger Zschäpitz
Foto: Infografik Die Welt

Hedgefonds-Manager konnten die hohen Renditeerwartungen ihrer Kunden bei weitem nicht erfüllen
Hedgefonds-Manager konnten die hohen Renditeerwartungen ihrer Kunden bei weitem nicht erfüllen

Hedgefonds haben ihr Mojo verloren. So wird an der Wall Street die wundersame Fähigkeit genannt, aus jeder Situation das Beste zu machen. Genau diese scheint den Magiern der Märkte, wie sich die Hedgefonds-Manager gern selbst sehen, abhanden gekommen zu sein.

Seit dem Ende der akuten Phase der Finanzkrise haben es die hoch bezahlten Profis in der Breite nicht mehr geschafft, ihren Kunden einen Mehrwert aus den Märkten zu erwirtschaften. Besonders dramatisch sieht die Situation bei den hierzulande angebotenen Produkten aus. Hier sitzen die Anleger nicht selten auf dicken Verlusten.

Hedgefonds haben die Aktienrallye verpasst

"2012 ist ein weiteres schwieriges Jahr für die Hedgefonds", meint Goldman-Sachs-Stratege David Kostam. Die Manager seien viel zu pessimistisch und hätten so einen Gutteil der Rallye verpasst. "Nur jedem zehnten Manager ist es gelungen, den breiten Aktienmarkt zu schlagen."

Die Zahlen sind wenig schmeichelhaft. Bis Ende Oktober haben die globalen Vehikel im Durchschnitt 4,1 Prozent abgeliefert. Der globale Index MSCI Welt hat in den ersten zehn Monaten dieses Jahres dagegen fast 13 Prozent und damit mehr als drei Mal so viel abgeworfen. Besonders schlecht lief es für die Profis in Europa. Sämtliche Hedgefonds der Alten Welt lagen Ende Oktober gerade mal drei Prozent im Plus.

Nullrenditen oder Verluste erwirtschaftet

Das wiegt umso schwerer, als die Manager im vergangenen Jahr im Durchschnitt im Gleichlauf mit den globalen Börsen Verluste produziert haben. Während sich die Aktienmärkte aber deutlich erholen konnten, verpassten die Manager die phänomenale Aktienrallye. Seit Anfang 2011 liegen die Fonds gemessen am gängigen Branchenbarometer HRFX Global Hedge Fund Index fast sieben Prozent im Minus, wohingegen der globale Aktienindex MSCI Welt seither sechs Prozent im Wert gestiegen ist.

Dabei schnitten die hierzulande angebotenen Hedgefonds noch wesentlich schlechter ab. Lediglich jeder fünfte Manager schaffte es, den ohnehin schwachen Branchendurchschnitt zu erreichen. Der Rest erwirtschaftete in diesem Jahr Nullrenditen oder gar Verluste von bis zu zehn Prozent (siehe Grafik). Im Vergleich dazu wären Sparer mit guten Tagesgeldkonten wesentlich besser gefahren.

Politik macht Profis Strich durch die Rechnung

Hedgefonds gelten als risikoneutrale Anlage-Vehikel, die in guten wie schlechten Börsenzeiten ihren Anlegern eine positive Rendite bringen. Viele Manager versprechen ihren Kunden darüber hinaus auch noch, die wichtigen Aktienindizes zu schlagen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben die Manager volle Beinfreiheit. Sie können auf fallende als auch steigende Kurse setzen oder auch auf Kredit auf den Untergang ganzer Volkswirtschaften oder deren wetten. Gerade bei unsicheren Märkten wie diesen sollte der Ansatz aufgehen.

Doch diesem Anspruch werden immer weniger Manager gerecht. Nur noch jeder zehnte schafft es, die hoch gesteckten Ziele auch zu erreichen. Offensichtlich kommen viele Profis mit einer Marktordnung nicht zurecht, die unter hohem politischen Einfluss steht. Künstlich niedrig gehaltene Leitzinsen oder öffentlichkeitswirksam angekündigte Interventionen durch die Politik machen den Profis einen Strich durch ihre Rechnung.

Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, brüstete sich damit, Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt zu haben, als er seine berühmte Euro-Rede hielt. Ende August hatte er in London angekündigt, alles zu tun, um den Euro zu retten und damit ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Viele Hedgefonds-Manager hatten damals auf einen Zerfall der Gemeinschaftswährung spekuliert und verloren im Spätsommer sehr viel Geld.

Insgesamt sind die Meisterspekulanten sehr negativ eingestellt und entsprechend positioniert. Doch bislang ist der große Crash ausgeblieben, auch dank der beherzten Eingriffe der globalen Notenbanken.

Doch die Branche leidet auch unter einem strukturellen Prinzip, die immer größere Zahl von Fonds. Denn viele Händler, die bei den Banken nicht mehr ungestört zocken können, machen sich als Hedgefonds-Manager selbstständig. Wenn sich aber immer mehr Akteure in dem Geschäft tummeln, wird es für den einzelnen immer schwieriger, noch nennenswerte Renditen aus den Märkten zu quetschen.

Viele Manager arbeiten mit hohem Hebel

Und dann kommt auch das Brot- und Butter-Geschäft unter Druck. "Das Business ist heute viel härter als noch vor 15 Jahren", sagt Hedgefonds-Legende Julian Robertson. Immer neue Vehikel seien eine Herausforderung für die Industrie. "Außerdem sind unsere Finanzierungsbedingungen gestiegen." Viele Manager arbeiten mit hohem Hebel, also einen großen Anteil geliehenen Geldes. Das wird den Meisterinvestoren von den Banken nicht mehr nachgeworfen.

Doch die schwache Performance hat der Branche bislang noch nicht geschadet. Sie kann sich weiter über hohe Zuflüsse freuen. Auf der Suche nach einigermaßen ansehnlichen Renditen suchen noch immer viele Anleger bei Hedgefonds ihr Glück. Im dritten Quartal stieg das Anlagevolumen um 3,6 Prozent und erreichte mit 2,19 Billionen Dollar ein Rekordvolumen.

Die größten Fonds haben 15 Prozent mehr verdient

Und die frischen Gelder kommen auch den Managern zugute. Die Lenker der größten US-Hedgefonds haben dieses Jahr bis zu 15 Prozent mehr verdient. Dies geht aus einer Studie von Hedge Fund Research und Glocap Search hervor. Portfoliomanager bei mittelgroßen Firmen mit mittlerer Performance erhielten demnach ein durchschnittliches Gehalt von 1,3 Millionen Dollar.

Hedgefonds-Manager bei größeren Firmen mit Top-Anlageergebnis haben mehr als das Doppelte verdient, wie die New Yorker Personalberatung Glocap und HFR aus Chicago herausgefunden haben.

Die Veränderungen in der Vergütung der Hedgefondsmanager im Vergleich zum Vorjahr bewegten sich der Studie zufolge in einer Bandbreite von null bis zu plus 15 Prozent. Die Bezahlung für Händler bewegte sich zwischen einem Minus von 1,5 Prozent bis zu einem Anstieg um 14 Prozent, wobei leitende Händler bei großen Hedgefonds mit mittlerer Performance insgesamt 500.000 Dollar verdienten.

Einsteiger sind die Verlierer bei den Gehältern

Erhöhte Konkurrenz drückte die Gehälter für Analysten auf Einsteiger- und mittlerem Niveau. Bei ihnen reichten die Vergütungsveränderungen von einem Rückgang um fünf Prozent bis zu einem Anstieg um neun Prozent, teilten HFR und Glocap mit.

Dank Kapitalzuflüssen und Anlageerträgen ist das Volumen der Hedgefonds dieses Jahr gestiegen. Im dritten Quartal stieg das Anlagevolumen um 3,6 Prozent und erreichte mit 2,19 Billionen Dollar ein Rekordvolumen. Laut Zahlen von HFR pumpten Investoren dieses Jahr 31 Mrd. Dollar in Hedgefonds. Der durchschnittliche Ertrag lag bis Oktober bei 4,3 Prozent.

Quelle: dapd
26.09.12 1:22 min.
Der potentielle SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in Berlin seine Verbesserungsvorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte vorgestellt. Und die sind seiner Meinung nach auch dringend notwendig.
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Das sagen die Experten
  • Kai Heinrich, Plutos Vermögens

    Wir favorisieren solide, eher konjunkturunabhängigere, Substanz- und Dividendenaktien. Zu den weiteren Profiteuren sollten die Edelmetalle (Gold, Goldminen, Silber) zählen. Bonds sollten mit großer Sorgfalt ausgewählt werden. Nur wenige Anleihen solider Unternehmen gewährleisten realen Kapitalerhalt.

  • Lutz Hering, Damm Rumpf Hering

    Aufgrund der „Liquiditätsschwemme“ und in Ermangelung attraktiver Zielinvestments bevorzugen wir Sachwerte, wobei wir die Aktienanlage als liquideste Form bevorzugen. Als Zielinvestments bevorzugen wir hier Value-Titel. Auf der Rentenseite favorisieren wir für das Restjahr 2012 (wie auch schon für das gesamte Jahr) Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den Emerging Markets. Bei Euro-Anlagen sind wir im Bereich Unternehmensanleihen mit Investmentgrade sowie im High-Yield-Bereich mit kurzer Duration engagiert.

  • Frank Haser, Haser Vermögensve

    „Ganz klar Aktien!“ Wegen des anhaltenden Anlagenotstands sind Renten, Gold und in den letzten Jahren anhaltend teurer geworden. Trotz der schwächelnden Konjunktur erscheinen ausgesuchte Aktientitel unverändert interessant

  • Alexander Daniels, Knapp Voith

    Für die restlichen Wochen des Jahres favorisieren wir einen Mix aus Unternehmensanleihen und sogenannten „Weltaktien“, also Titel mit globalen Absatzmärkten, starken Bilanzen und attraktiven Dividendenausschüttungen.

  • Hermann-Josef Simonis, Laureus

    Für chancenorientierte Anleger Aktien (auch über Discountstrategien), Wandelanleihen, Corporate Bonds aus Emerging Markets, Rohstoffe über Long/Short-Strategien. Für defensive Anleger: Corporate Bonds Investment Grade, bestimmte Wandelanleihen.

  • Christian Mallek, Sigavest

    Bis zum Jahresende favorisieren wir die Asset-Klasse Aktien, für risikofreudige Anleger insbesondere den Bankensektor. Die Möglichkeit, dass die Banken ihre Problemanleihen südeuropäischer Staaten nun an die EZB abgeben können, führt zu einer Verminderung der Risikovorsorge und somit zu einer Gewinnsteigerung. Kurzfristig beflügelt das die Aktienmärkte.

  • Reinhard Hellmuth, I.C.M.

    Uns gefallen Aktien aus Branchen, die mit einer weiteren Konjunkturschwäche am besten umgehen können. Die Bewertung von Finanztiteln sind durchaus nicht überzogen, Impulse aus wiederbelebtem Immobiliengeschäft. Bei anstehenden Neuallokationen könnten Grundstoffindustrien, Maschinenbau mittelfristig profitieren. Bei Unternehmensanleihen allenfalls US-Titel, insb. Finanztitel, Aktienanleihen auf europäische Qualitätstitel im Seitwärtstrend mit großem Puffer und Wandelanleihen oder -Fonds.

  • Eckart Langen v.d. Goltz, PSM

    Chancen sehen wir bei unterbewerteten Aktien am Euro-Stoxx und am chinesischen Aktienmarkt. Deutsche Aktien sind für unsere Begriffe sehr gut bewertet. Trotzdem ist eine Jahresend-Rallye nicht auszuschließen.

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