08.11.12

Wall Street

Höchster Verlust des Jahres nach Obamas Wahlsieg

Die Freude über die Wiederwahl von Barack Obama als US-Präsident ist an der Wall Street nicht angekommen: Der Dow Jones verzeichnete den größten Tagesverlust des Jahres. Doch es gibt auch Gewinner.

Foto: AFP

Kein guter Tag für die New Yorker Händler: Am Tag nach der Wiederwahl von Barack Obama verzeichnete der Dow Jones den höchsten Tagesverlust des Jahres
Kein guter Tag für die New Yorker Händler: Am Tag nach der Wiederwahl von Barack Obama verzeichnete der Dow Jones den höchsten Tagesverlust des Jahres

Der Dow Jones Industrial hat am Mittwoch nach den US-Wahlen den größten prozentualen Tagesverlust seit November letzten Jahres verzeichnet. Die erste Freude über die klare Wiederwahl von Barack Obama zum US-Präsidenten verpuffte vor dem Hintergrund neuer Sorgen um das verschuldete Griechenland und Aussagen von EZB-Chef-Mario Draghi, wonach die Euro-Krise auch die deutsche Wirtschaft zu belasten beginne.

Wie die EU-Kommission zudem mitteilte, bekommt neben Spanien auch Frankreich sein Defizit nicht in den Griff. Die Wachstumsprognosen für den Euroraum wurden gesenkt und am Abend stand im pleitebedrohten Griechenland die Abstimmung über ein neues Sparpaket an.

Der Dow verlor 2,36 Prozent auf 12.932 Punkte. Der Leitindex hatte zuletzt Anfang August unter der Marke von 13.000 Punkten geschlossen. Für den marktbreiten S&P-500-Index ging es am Mittwoch um 2,37 Prozent auf 1394 Punkte nach unten.

Die Indizes der Technologiebörse Nasdaq gaben ebenfalls deutlich nach: Der Composite Index rutschte um 2,48 Prozent auf 2937 Punkte ab, und der Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 2,55 Prozent auf 2612 Punkte ein.

Angst vor der "Fiskalklippe"

"Schneller als gedacht hat die Wirklichkeit uns wieder eingeholt", sagte ein Börsianer. So muss in den Vereinigten Staaten eine Einigung getroffen werden, um die fiskalische Klippe zu umschiffen, damit das Land nicht wieder in die Rezession fällt. Diese droht Anfang des neuen Jahres, wenn sich Demokraten und Republikaner nicht einigen.

Sollte dieser Fall eintreten, würden Anfang 2013 zahlreiche Steuererleichterungen auslaufen und Ausgabenkürzungen sowie massive Steuererhöhungen über insgesamt 600 Milliarden US-Dollar automatisch in Kraft treten. Die sich langsam erholende US-Wirtschaft würde so wieder abgewürgt.

"Der ungelöste Streit um die fiskalische Klippe verunsichert die Anleger", sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Die Investoren sorgten sich, dass Obama und der Kongress in dieser Frage keine Übereinkunft erzielen könnten.

Krankenhausbetreiber legen zu, die Rüstung verliert

Der Wahlsieg Obamas bewegte einige Branchenaktien teils deutlich. In die Höhe schnellten zum Beispiel Papiere von Krankenhausbetreibern, da die vom Präsidenten angestoßene Gesundheitsreform nun nicht zurückgenommen wird. So zogen HCA um 9,44 Prozent an. Im Gegenzug fielen die Papiere der Rüstungskonzerne Lockheed Martin und Raytheon um mehr als 3 Prozent. Obamas Herausforderer Mitt Romney hatte die Militärausgaben erhöhen wollen.

Finanzwerte gerieten angesichts der Konjunktursorgen stark unter Druck. So büßten JPMorgan und Bank of America am Dow-Ende bis zu 7,14 Prozent ein. Der Telekomkonzern AT&T baut indes seine Breitbandnetze aus. In den nächsten drei Jahren sollen 14 Milliarden US-Dollar in den Ausbau von schnellen Datendiensten über Mobilfunk und Festnetz fließen. Die Ankündigung kam an der Börse nicht gut an. Die Aktien fielen um 3,36 Prozent und zählten damit zu den größten Verlierern im Dow.

Unter den Einzelwerten zogen ansonsten vor allem jene Unternehmen Aufmerksamkeit auf sich, die Quartalsberichte vorgelegt hatten. Die Anteilsscheine der News Corp etwa legten um 1,57 Prozent zu. Das Medienunternehmen hatte von einem erfreulichen Kabelfernsehgeschäft profitiert.

Time Warner hatte dank guter Geschäfte der TV-Sender beim Nettogewinn die Analystenerwartungen übertroffen. Dies bescherte den Papieren des Branchenkollegen ein Plus von 4,18 Prozent.

Der Euro litt im New Yorker Handel unter den wieder in den Fokus gerückten Konjunktursorgen und stand zuletzt bei 1,2767 US-Dollar. Richtungsweisende zehnjährige US-Staatsanleihen legten entsprechend um 29/32 Punkte auf 99 29/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 1,634 Prozent.

Quelle: dpa/mkl
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