31.10.12

Britische Großbank

Barclays steht erneut im Visier der Ermittler

Die US-Behörden gehen dem Verdacht auf Korruption und Manipulation nach – und schicken damit die Aktie ins Minus. Der neue Vorstandschef hat mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Foto: AFP

Die britische Großbank Barclays kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Das Institut steckt mitten im Umbau.
Die britische Großbank Barclays kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Das Institut steckt mitten im Umbau.

Die britische Großbank Barclays hat den Skandal um manipulierte Zinsen kaum hinter sich gelassen, da steht schon wieder neuer Ärger ins Haus: In den USA prüfen das Justizministerium und die Börsenaufsicht, ob sich die Bank bei ihren Geschäften an die Antikorruptionsregeln gehalten hat, wie Barclays am Mittwoch mitteilte. Und im Westen der USA wird dem Institut zudem vorgeworfen, in den Jahren 2006 bis 2008 Strompreise manipuliert zu haben.

An der Börse kamen die potenziell sehr teuren Nachrichten gar nicht gut an, zumal die Bank auch einen Gewinneinbruch im dritten Quartal vermelden musste: Das Vorsteuerergebnis schrumpfte wegen Sonderbelastungen um ein Fünftel auf eine Milliarde Pfund. Die Barclays-Aktie stürzte in London um bis zu fünf Prozent ab und war damit größter Verlierer im europäischen Bankenindex.

Finanzaufsicht prüft seit Monaten

Ob die US-Korruptionsermittlungen in Zusammenhang mit ähnlichen Untersuchungen in Großbritannien stehen, erläuterte Barclays nicht. Die heimische Finanzaufsicht prüft seit einigen Monaten, ob die Bank bei ihren Kapitalerhöhungen 2008 die fälligen Gebühren ausreichend offen gelegt hat. Damals – auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – stiegen im großen Stil Investoren aus Katar ein und bewahrten das Geldhaus so vor einer milliardenschweren Rettung durch den Steuerzahler. Auch in den USA geht es nun um Geschäfte mit Drittparteien. Um welche genau, blieb offen.

Umso deutlicher wurde Barclays bei den Vorwürfen der Strompreis-Manipulation, die eine Regulierungsbehörde des Energieministeriums erhoben hatte. Hier werde sich das Institut "vehement" verteidigen, hieß es. Ansonsten arbeite Barclays zusammen mit den US-Behörden daran, den mutmaßlichen Fall von Korruption ausländischer Verantwortlicher aufzuklären, verlautet aus der Firmenzentrale.

Erst Ende Juni hatte Barclays zugesagt, 290 Millionen Pfund (rund 360 Millionen Euro) zu zahlen, um den Ermittlungen der Regulierungsbehörden in Großbritannien und den USA zu mutmaßlichen Zinsmanipulationen ein Ende zu setzen. In dem Skandal ging es um die Manipulation des britischen Zinssatzes Libor und des europäischen Interbanken-Zinses Euribor. Beide Zinssätze sind nicht nur für Geschäfte zwischen Banken von großer Bedeutung, sondern auch für Kredite und Spareinlagen.

Neuer Chef seit Sommer

Für den neuen Barclays-Chef Antony Jenkins gibt es damit jede Menge zu tun. Im Sommer hatte er das Ruder von Bob Diamond übernommen, der im Zuge des Libor-Zinsskandals gehen musste. Barclays hatte als erstes Institut eine Beteiligung an den Manipulationen eingeräumt. Seit langem kämpft das Institut bereits mit Belastungen aus der Falschberatung von Kunden in Großbritannien. Das führte in den vergangenen Quartalen immer wieder zu Rückstellungen für Schadensersatzansprüche. Und es könnten weitere folgen, erklärte Jenkins.

Jenkins will das Institut endlich aus den Schlagzeilen bekommen. Dazu hat er Barclays einen "Kulturwandel" verordnet. Er schiebt nicht nur aggressiven Renditezielen und Gehaltsexzessen im Investmentbanking einen Riegel vor, auch das einst als langweilig verschmähte Privatkundengeschäft soll gestärkt werden. Einige Mitarbeiter hätten vor dem Hintergrund des Libor-Skandals gehen müssen, erklärte Jenkins in einer Telefonkonferenz, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

"Es gibt zwar noch einiges zu tun, um das Vertrauen zurückzugewinnen. Aber als Universalbank sind wir stark und gut aufgestellt." Ohne neue Rückstellungen für unnötig verkaufte Restschuldversicherungen hätte Barclays im dritten Quartal 1,7 Milliarden Pfund verdient – mehr als im Vorjahr (1,3 Milliarden Pfund) und in etwa so viel wie von Analysten erwartet.

In rote Zahlen gerutscht

Barclays profitierte wie zuvor schon die Deutsche Bank und die US-Investmentbanken besonders von einem erstarkten Anleihengeschäft. Für die ersten neun Monate des Jahres aber musste Barclays ein Abrutschen in die roten Zahlen bekannt geben. Zwischen Januar und September sei ein Nettoverlust von 200 Millionen Pfund aufgelaufen, erklärte die Großbank. Das liegt vor allem an Sondereffekten wie der Neubewertung eigener Schulden. Diese belastet in für die Banken besseren Zeiten das Ergebnis. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 2,7 Milliarden Pfund eingefahren.

Der Umbau der Investmentbank ist bereits angelaufen, wie Anfang Oktober aus einem internen Schreiben hervorging: So soll der Handel von Anleihen, Aktien, Devisen und Rohstoffen zusammengelegt werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass das noch nicht alles ist.

Viele Großbanken mit einst ehrgeizigen Plänen fahren ihr Investmentbanking derzeit massiv herunter, weil es angesichts der strengeren Kapitalvorschriften immer schwerer wird, ordentliches Geld zu verdienen. Prominentestes Beispiel ist die Schweizer Großbank UBS, die in den nächsten drei Jahren 10.000 Leute vor die Tür setzt und weite Teile des Kapitalmarktgeschäfts aufgibt.

Quelle: Reuters/heu
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