28.09.12

"Verlustgeschäft"

Allianz meidet Euro-Staatsanleihen

Der Schuldenschnitt in Griechenland hat nach Einschätzung der Allianz das Anlagerisiko in Europa erhöht. Der Konzern will deshalb künftig weniger Geld in Staatsanleihen stecken – auch in deutsche.

Foto: dapd

Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz, ändert die Anlagestrategie seines Konzerns
Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz, ändert die Anlagestrategie seines Konzerns

Der Versicherungskonzern Allianz hat als Konsequenz aus der europäischen Staatsschuldenkrise seine Anlagestrategie geändert. "Wir versuchen in der Neuanlage, Staatsanleihen zu vermeiden", sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann dem "Handelsblatt".

Durch den Schuldenschnitt Griechenlands in Höhe von 107 Milliarden Euro habe sich das Anlagerisiko auch in anderen europäischen Ländern erhöht. "Der Haircut bedeutet eine fundamentale Veränderung der Risikoeinschätzung", erklärte Diekmann.

Deutsche Staatsanleihen unattraktiv

Staatsanleihen in der Euro-Zone seien ein Verlustgeschäft. "Daher ziehen sich alle aus europäischen Staatsanleihen zurück und gehen in Schwellenländer, in Firmenanleihen, in Infrastruktur, in Immobilien", sagte der Allianz-Chef.

Deutsche Staatsanleihen seien unattraktiv, weil die Rendite unter der Inflationsrate liege. "Wir diversifizieren deshalb stark. Wir gehen in die Emerging Markets, die USA sind wieder attraktiv, und wir investieren in Infrastruktur", erklärte Diekmann.

Diekmann gegen Bankenzerschlagung

Diekmann lehnte zudem die Forderung des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) nach einer Zerschlagung von Universalbanken wie der Deutschen Bank ab. Die Deutsche Bank sei hierzulande das einzige Geldinstitut mit Bedeutung für den Kapitalmarkt, sagte Diekmann dem "Handelsblatt".

"Bevor wir uns jetzt alle auf diese Bank stürzen, sollten wir uns vergewissern, welche Funktionen diese Bank eigentlich für die deutsche Klientel hat und ob wir uns darauf verlassen wollen und können, dass das in Zukunft andere Banken übernehmen," erklärte der Allianz-Chef.

Die von Steinbrück verlangte Trennung von Investmentbanking und anderem Kreditgeschäft bedeute eine Destabilisierung für eine Bank und sei "wahnsinnig schwierig" zu vollziehen. "Ich bin ein bisschen erschrocken darüber, dass die Politik die Verärgerung in der Bevölkerung immer wieder nutzt, um damit zu punkten", sagte Diekmann.

Quelle: dapd/cat
Quelle: dapd
26.09.12 1:22 min.
Der potentielle SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in Berlin seine Verbesserungsvorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte vorgestellt. Und die sind seiner Meinung nach auch dringend notwendig.
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Steinbrücks Vorschläge
  • RISIKOHAFTUNG

    Europaweit sollen Banken aus eigenen Mitteln einen Rettungsfonds in Höhe von bis zu 200 Milliarden Euro aufbauen. Dieser „Banken-ESM“ soll auch Großbanken in Schieflage abwickeln können. Auch Aktionäre und Gläubiger will Steinbrück an Verlusten beteiligen.

  • TRENNBANKEN

    Bislang gibt es in Deutschland Universalbanken. Steinbrück will das klassische Kredit- und Einlagengeschäft vom Investmentbanking trennen, um zu verhindern, dass Verluste aus dem riskanteren Investmentteil die ganze Bank belasten. Eine förmliche Zerschlagung etwa der Deutschen Bank plant Steinbrück nicht. Über eine Holding sollen beide Geschäftsbereiche verbunden bleiben.

  • LANDESBANKEN

    Ihre Zahl soll von bislang zehn auf zwei bis drei schlagkräftige Institute verringert werden.

  • SCHATTENBANKEN

    Für Hedge-Fonds, Private Equity, Zweckgesellschaften oder Geldmarktfonds sollen die gleichen Eigenkapitalregeln gelten wie für Banken.

  • BEZAHLUNG VON BANKERN

    Nicht nur der Vorstand, sondern alle Topverdiener sollen ihre Einkommen veröffentlichen. Die erfolgsabhängigen Zuschläge dürfen das Festgehalt nicht übersteigen. Boni sollen umso geringer ausfallen, je riskanter die Geschäfte sind.

  • RATINGAGENTUREN

    Sie sollen von unabhängiger Seite überwacht werden, etwa durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder die OECD.

  • BANKENAUFSICHT

    Plädiert wird für eine europäische Bankenaufsicht nur für systemrelevante Großbanken unter dem Dach der EZB. Deutsche Spar- und Genossenschaftsbanken sollen davon ausgenommen werden.

  • COMPUTER-HOCHFREQUENZHANDEL

    Der automatisierte Kauf und Verkauf von Wertpapieren in Sekundenbruchteilen soll eingedämmt werden.

  • FINANZTRANSAKTIONSTEUER

    Auch ausländische Töchter europäischer Banken sollen die Steuer entrichten müssen.

  • IMMOBILIEN

    Um Blasen zu vermeiden, soll in Europa eine Obergrenze für die Beleihung eingeführt werden, und zwar bei 80 Prozent des Immobilienpreises bzw. des eingebrachten Eigenkapitals. In Boom-Phasen soll der Deckel auf 60 Prozent abgesenkt werden können.

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