25.09.12

EU-Regulierung

Deutschland prescht bei Hochfrequenzhandel vor

Der Hochfrequenzhandel steht in Verdacht, Kursstürze zu verstärken. Die EU denkt deshalb über Regulierungen nach. Der Bundesregierung geht das zu langsam, sie hat einen Gesetzentwurf vorbereitet.

Foto: REUTERS

Händler an der Frankfurter Börse vor der Anzeigetafel des Leitindex Dax: Die Bundesregierung will zu starke Kursschwankungen an der Börse unterbinden
Händler an der Frankfurter Börse vor der Anzeigetafel des Leitindex Dax: Die Bundesregierung will zu starke Kursschwankungen an der Börse unterbinden

Die Bundesregierung prescht in der EU bei der Regulierung des Hochfrequenzhandels an den Börsen vor und will schon am Mittwoch einen Gesetzentwurf dazu verabschieden.

Damit solle der Druck erhöht werden, auch in der Europäischen Union (EU) insgesamt zügig zu einer Regulierung der umstrittenen Branche zu kommen, hieß es in deutschen Regierungskreisen.

Der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Gesetzentwurf zielt darauf ab, für Betreiber von superschnellen Börsenhandelscomputern eine umfassende Zulassungspflicht einzuführen. Außerdem sollen als kritisch angesehene Handelspraktiken wie ein exzessives Antesten von Preisen erschwert und in einigen Fällen auch verboten werden.

Verschärfung an zwei Stellen

Auf die Festlegung einer Mindesthaltedauer für Wertpapiere wird in dem Gesetzentwurf allerdings verzichtet. Darüber wird derzeit im Europäischen Parlament diskutiert, wo parallel die europäische Gesetzgebung angelaufen ist.

Gegenüber früheren Fassungen wurde die deutsche Gesetzesvorlage an zwei Stellen verschärft: So sollen nicht nur die knapp 20 Betreiber von Hochfrequenzhandelssystemen in Deutschland gesondert reguliert werden, sondern auch andere Marktteilnehmer, die sich ihrer Systeme bedienen.

Außerdem sollen die Handelsaufträge von Computern gekennzeichnet werden, um sie vom normalen Börsengeschehen unterscheiden zu können.

Verstärkung von Kursschwankungen

Beim Hochfrequenzhandel wird versucht, kleinste Kursschwanken auszunutzen, indem in Millisekunden unzählige Aufträge abgefeuert werden. Schätzungen zufolge macht diese Art des Handels in Deutschland rund 40 Prozent der Börsenaufträge aus, in den USA sind es etwa 70 Prozent.

Die Methode steht im Verdacht, Kursentwicklungen zu verstärken. So waren die US-Börsen im Mai 2010 binnen Minuten abgestürzt, ohne dass ein offensichtlicher Grund erkennbar war.

Quelle: Reuters/cat
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Obama in Berlin
Aktualisiert vor 2 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – Eltern im Schloss - Kinder auf Shopping-Tour

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin und absolvieren ein eng getaktetes Tagesprogramm. Der Tag der Obamas im Liveblog. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19:26Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Rede in Berlin
19:35US-Präsident
Obama in Berlin - Die ganze Rede im Wortlaut

Vor dem Brandenburger Tor hat US-Präsident Barack Obama seine mit Spannung erwartete Rede gehalten. Die Berliner Morgenpost dokumentiert die Ansprache in voller Länge. mehr...

Obama in Berlin
18:04Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Der Hochfrequenzhandel
  • Inhalt

    In Sekundenbruchteilen Wertpapiere kaufen und wieder verkaufen, Hunderte von Order innerhalb kürzester Zeit platzieren, rasend schnelle Reaktionen auf winzigste Kursänderungen: All dies gehört zum sogenannten Hochfrequenzhandel an der Börse. Benutzt werden dabei Computerprogramme, die auf Basis komplexer Formeln automatisch bestimmte Börsenaktionen starten. In Deutschland machen diese Operationen etwa 40 bis 50 Prozent des Börsenumsatzes aus.

  • Probleme

    Ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rückt die Existenz der Technologie vor allem dann, wenn sie Probleme verursacht. So kam es im Frühjahr 2010 zu einem „Flash Crash“, einem blitzartigen Absturz, der US-Börsen. Einige Aktien verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Die Experten waren zunächst ratlos, was der Auslöser war. Spätere Analysen ergaben, dass die Computerprogramme für den ultraschnellen Handel den Absturz zumindest beschleunigt hatten.

  • Regulierung

    Wegen solcher Vorfälle und wegen eines generellen Unbehagens gegenüber maschinengesteuerten Entscheidungen wird immer wieder das Verbot des Hochfrequenzhandels gefordert. Andere Kritiker schlagen vor, dass Wertpapiere nach dem Kauf zumindest für einen bestimmten Zeitraum gehalten werden müssen, bis sie wieder verkauft werden. Die Bundesregierung versucht dagegen, mit neuen Kontrollauflagen für Händler und Börsen die Risiken zu verringern.

Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote