24.09.12

Edelmetalle

Notenbanken zünden den Turbo bei Gold und Silber

Schutz vor Inflation? Investoren stürzen sich derzeit auf Edelmetalle, denn die Billiggeld-Politik steht ihrer Meinung nach erst am Anfang. Doch es bleiben durchaus beträchtliche Risiken.

Foto: Infografik Die Welt

Der Goldpreis hat zuletzt wieder kräftig angezogen
Der Goldpreis hat zuletzt wieder kräftig angezogen

Von Warren Buffett, einem Verächter von Gold, stammt der Satz, er halte gar nichts davon, in Gold zu investieren. Was bringe es, dass Metall irgendwo auszugraben, um es dann in einem Tresor an einem anderen Ort wieder unter die Erde zu bringen.

Durch geschickte Aktien-Investments ist Buffett zwar der reichste Mann Amerikas geworden, mit seiner Geringschätzung für Gold lag er in den vergangenen Jahren gründlich daneben.

Edelmetalle gehören seit Jahren zu den besten Investments überhaupt. In Euro gerechnet hat der Goldpreis am letzten Freitag einen Rekordstand markiert. Mit 1375 Euro war die Unze so viel wert wie noch nie. Allein in diesem Quartal ist der Preis des gelben Metalls um zehn Prozent gestiegen. Noch stärker zugelegt hat Silber, der kleine Bruder des Goldes: Dessen Kurs ist seit Juli um 23 Prozent nach oben geschossen.

Notenbanken überbieten sich beim Gelddrucken

Zur Jahrtausendwende reichten noch 250 Euro, um eine Unze Gold zu kaufen. Die Unze Silber kostete damals fünf Euro, heute ist es mehr als fünf Mal so viel. Eine Unze ist ein traditionelles Gewichtsmaß und entspricht 31,1 Gramm.

Ironischerweise ist es ausgerechnet die Produktivität der Notenbanken, die die Edelmetall-Preise steigen lässt. Seit dem Platzen der New-Economy-Bubble, vor allem aber seit der Finanzkrise überbieten sich Europäische Zentralbank (EZB), Federal Reserve System, Bank of Japan und andere darin, immer neues Geld ins Finanzsystem zu pumpen. Auch die People's Bank of China schlägt neuerdings einen ähnlichen Kurs ein.

Ende der lockeren Geldpolitik nicht in Sicht

Die Große Inflation der Verbraucherpreise ist bislang zwar ausgeblieben, doch dafür steigen die Preise von Sachwerten wie eben Gold und Silber. Dort und nicht so sehr in den Taschen konsumfreudiger Arbeitnehmer kommt das viele neu geschaffene Geld an.

Ein Ende der lockeren Geldpolitik ist nicht abzusehen. In Europa ist die Lage fragil, und in den USA werden nach der Wahl wohl unangenehme Wahrheiten über die wahre Kassenlage der größten Volkswirtschaft ans Licht kommen. Das ist der Grund, weshalb die meisten Analysten mit weiter steigenden Preisen bei Gold und Silber rechnen.

Währungshüter haben keine andere Wahl

"Die Notenbanken werden den Weg weitergehen, den sie eingeschlagen haben", sagt der Edelmetall-Experte Thorsten Schulte, in der Branche auch unter dem Alias "Der Silberjunge" bekannt. Bernanke, Draghi und die anderen Geldpolitiker werden aus Sicht von Schulte kaum eine andere Wahl haben als zu drucken, wollen sie nicht zulassen, dass die Weltwirtschaft in eine schwere Rezession rutscht.

Zuletzt hatte die amerikanische Notenbank angekündigt, jeden Monat für 40 Milliarden Dollar Hypotheken-besicherte Wertpapiere aufzukaufen, und zwar zeitlich unbegrenzt, bis eine deutliche Besserung am US-Arbeitsmarkt eingetreten ist. "Das jüngste Kaufprogramm der Fed schwächt den Dollar, aber nicht so sehr gegenüber anderen Währungen, wo es vergleichbare Maßnahmen gibt, sondern gegenüber Gold", sagt Kit Juckes, Ökonom bei der französischen Société Générale.

Goldfonds erleben einen Ansturm

Auch die EZB ist inzwischen zu einer Politik des "unbegrenzten" Ankaufs von Anleihen übergangen. Das Währungswanken hat dazu geführt, dass Gold-Fonds einen Ansturm erleben. Die Bestände dieser ETF haben gerade mit mehr als 81 Millionen Unzen ein historisches Hoch erreicht.

Am Montag verloren Edelmetalle zusammen mit anderen Rohstoffen vor dem Hintergrund schwacher Börsen leicht an Wert. Gold verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 1767 Dollar, Silber gab um 0,4 Prozent auf 34,11 Dollar nach.

Aktueller Preisrückgang nur überfällige Korrektur

Die Preisrückgänge werten die Experten als überfällige Korrektur nach dem starken Preisanstieg seit Sommer. Das Gros der Marktbeobachter erwartet jedoch nicht, dass die Korrektur lange anhält. "Im aktuellen Marktumfeld sollte Gold stark nachgefragt bleiben", sagt Carsten Fritsch, Ökonom bei der Commerzbank.

Beim aktuellen Marktumfeld spielt er unter anderem auf den sich abzeichnenden Schuldenerlass für Griechenland und das De-facto-Scheitern des Sparpakets in Portugal an. Aber auch von Spanien könnte neues Ungemach kommen. Denn so sehr das Land Finanzhilfen braucht, so unwillig ist die Regierung in Madrid, Auflagen zu akzeptieren.

Goldpreisanstieg auf 2300 Dollar prognostiziert

Auf Sicht der nächsten sechs Monaten erwartet das Gros der Analysten einen Goldpreis-Anstieg auf 1800 Dollar oder mehr. Commerzbank-Mann Fritsch ist noch etwas optimistischer und sieht den Preis Anfang 2013 bei 1950 Dollar je Feinunze. Die österreichische Erste Bank hält sogar 2300 Dollar für möglich.

Bei Silber gehen die Meinungen der Experten auseinander. Während die amerikanische Citigroup den Preis wegen der schwachen Weltkonjunktur auf unter 30 Dollar zurückfallen sieht, rechnet die britische Standard Chartered mit einem Sprung auf 46 Dollar. Schon in der Vergangenheit war der Silberpreis weitaus schwankungsfreudiger und schwerer vorherzusagen als die Notierungen des großen Bruders Gold. "Silber ist sowohl Industrie- als auch Edelmetall", erklärt Schulte.

Experten halten Rückschläge jederzeit für möglich

Aktuell stört Schulte allerdings der etwas hohe Optimismus der Marktteilnehmer. Mehr als zwei Drittel der Akteure setzen derzeit auf steigende Preise. Im August waren es lediglich 15 Prozent gewesen. In der Vergangenheit sah der Silber-Markt, der relativ klein ist, immer wieder kurzfristige, durch Spekulanten ausgelöste Übertreibungen. Im Frühjahr 2011 sprangen die Notierungen zum Beispiel innerhalb kurzer Zeit von 35 auf fast 50 Dollar, um darauf binnen Tagen wieder auf 35 Dollar zurückzufallen. Auch bei Gold sind Investoren nicht gegen zwischenzeitliche Einbrüche gefeit.

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