17.09.12

Anlageklasse

Notenbanken treiben Geldmarktfonds in den Tod

Sparer flüchten in Scharen aus den Geldmarktfonds – einer Anlageform, bei der vor allem in Schuldtitel von Ländern oder Firmen mit hoher Bonität investiert wird. Doch es gibt Alternativen.

Foto: Infografik Die Welt

Kaum mehr was da: Das Anlagevermögen ist zuletzt stark geschrumpft
Kaum mehr was da: Das Anlagevermögen ist zuletzt stark geschrumpft

Das dürften die meisten Sparer noch nicht erlebt haben. Die Fondsgesellschaft Metzler Investment halbiert mal eben die Gebühren für eines ihrer Flagschiffprodukte, den viertel Milliarde schweren Metzler Geldmarkt. Ab Oktober beträgt die jährliche Verwaltungsvergütung nur noch 0,05 Prozent des Fondsvolumens.

Mit der Gebührensenkung wolle man dazu beitragen, "auch im derzeitigen Zinsumfeld eine positive Rendite erwirtschaften zu können", so Metzler.

Tatsächlich verbirgt sich hinter dem ungewöhnlichen Schritt wohl eher der Versuch, eine Produktgattung am Leben zu halten, die viele Experten bereits abgeschrieben haben. Geldmarktfonds sind die großen Verlierer der globalen Liquiditätsschwemme der Notenbanken. Rund um den Globus haben die Währungshüter die Leitzinsen nahe oder auf Null geschleust.

Und nichts spricht dafür, dass sich das bald ändern wird. Im Gegenteil. Die amerikanische Notenbank hat am vergangenen Donnerstag verkündet, bis mindestens 2015 den Satz unverändert nahe Null zu belassen.

Währungshüter könnten negative Zinsen einführen

Anfang September hatte die Europäische Zentralbank (EZB) sogar weitere monetäre Lockerungen angedeutet. Der Leitzins, aktuell bei 0,75 Prozent, dürfte schon bald einen halben Prozentpunkt niedriger liegen. Bereits bei Null befindet sich der Satz, den die EZB den Banken für Übernachteinlagen gutschreibt.

Gut möglich, dass die Frankfurter Währungsbehörde negative Zinsen einführen wird, um Kreditinstitute davon abzuhalten, ihr Geld bei der EZB zu bunkern.

"Negative Sätze auf kurzfristige Qualitätsanlagen werden die Gattung Geldmarktfonds zerstören", meint Andrew Bosomworth, Leiter Anlagemanagement Deutschland beim Anleihehaus Pimco, einer Tochter der Allianz.

Anleger zahlen, wenn sie dem Bund Geld leihen

Geldmarktfonds wird zum Verhängnis, dass sie sich in jenen Marktsphären tummeln, in denen die Notenbanker kraftvoll intervenieren und die Sätze künstlich niedrig halten. Die Manager der Geldmarktfonds investieren das Ersparte ihrer Kunden in Qualitätspapiere mit kurzen Laufzeiten von maximal ein bis zwei Jahren. In der Regel handelt es sich um Schuldtitel von Staaten oder Firmen allerbester Bonitäten.

Für diese Papiere gibt es aber keine Zinsen mehr. Teilweise warfen einjährige Bundesschätze in den vergangenen Monaten sogar negative Renditen ab. Anleger mussten dafür zahlen, dass sie dem deutschen Finanzminister Geld leihen können. Und für die Schuldscheine gut beleumundeter Firmen gab es kaum mehr als null Prozent.

Anbieter erwirtschaften kaum die eigene Kosten

In diesem Umfeld schaffen es die Anbieter der Geldmarktfonds kaum noch, ihre Kosten zu erwirtschaften, geschweige denn, ihren Kunden Rendite zu bringen. Einige Produkte stehen in diesem Jahr sogar im Minus. Andere Anbieter versuchen, riskantere Kurzläufer ins Depot zu holen, um nennenswert positive Zinsen zeigen zu können. So finden sich in der Bestenliste 2012 Anbieter mit volatileren Titeln.

Doch weder Minuszinsen noch höhere Anlagerisiken sind mit der ursprünglichen Produktidee vereinbar. Geldmarktfonds waren bei Anlegern dafür beliebt, dass sie kurzfristig ihr Bares absolut sicher parken können und dafür eine Verzinsung zu bekommen, die zumindest die Inflation ausgleicht, also den Wert ihres Geldes erhält.

Tagesgeld lockt mit attraktiven Renditen

Deutsche Privatanleger hatten im Jahr 2007 über 100 Milliarden Euro in die Vehikel gesteckt. Die Finanzkrise brachte 2008 die erste große Ernüchterung. Es stellte sich heraus, dass viele Anbieter als Renditedoping strukturierte Anleihen in den Portfolios hatten, die durch fragliche Hypotheken gedeckt waren. Einige Anbieter schlossen daraufhin ihre Geldmarktfonds kurzfristig, um die Kurse zu stabilisieren, andere butterten Geld hinein, um den Nimbus des sicheren Hafens nicht zu zerstören, andere ließen Verluste laufen.

Heute kürzen die Anbieter allenthalben noch die Gebühren, sind aber nicht bereit, abermals Geld einzuschießen, um die Kategorie zu retten. Die Anleger haben ihre Konsequenzen daraus gezogen und kehren den Produkten den Rücken, zumal Tagesgeldanbieter mit attraktiveren Renditen locken. Seit Jahresanfang haben sie zwei Milliarden Euro aus Geldmarktfonds abgezogen. Das verwaltete Vermögen der Produkte hat sich damit in den vergangenen fünf Jahren annähernd gezehntelt.

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