27.08.12

Abschreckung

Schweizer verschärfen Jagd auf Steuerdatendiebe

Ein Mitarbeiter einer Züricher Privatbank soll Daten deutscher Kunden gestohlen und weitergegeben haben. Nun ist er aufgeflogen und wurde verhaftet – weil die Schweiz ihre Kontrollen verschärft hat.

Im Streit um den Ankauf weiterer Steuer-CDs setzt die Schweiz verstärkt auf das Mittel der Abschreckung. Nach dem Verkauf von Steuerdaten deutscher Bankkunden an Fahnder in Nordrhein-Westfalen ist ein Mitarbeiter der Züricher Privatbank Julius Bär aufgeflogen und wurde verhaftet. Möglicherweise betroffene Kunden in Deutschland seien bereits vorgewarnt worden, bestätigte das Geldhaus jetzt entsprechende Medienberichte.

Damit wollen die Schweiz und die dort ansässigen Geldhäuser offenbar ein Zeichen setzen. In Züricher Bankkreisen hieß es, die Schweizer Institute hätten ihre Kontrollmechanismen in letzter Zeit wegen des wiederholten Ankaufs von Steuer-CDs durch deutsche Behörden verschärft.

Die Maßnahmen zielten darauf ab, Datendiebe zu enttarnen und die weitere Entwendung von Kundendaten zumindest zu erschweren. Seit Wochen sehen sich Schweizer Banken Negativschlagzeilen gegenüber.

Festgenommen und entlassen

Die Bank Julius Bär war bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren Ziel eines Datendiebs. Zu Art und Umfang der jetzt nach Deutschland verkauften Kundendaten äußerte sich das Geldinstitut nicht.

Der Dieb sei "im Rahmen von verschärften Kontrollmechanismen und einer umfangreichen internen Untersuchung" entdeckt worden, sagte Julius-Bär-Chef Boris Collardi. Der Verdächtigte sei an seinem Arbeitsort Zürich festgenommen und inzwischen von der Bank entlassen worden, bestätigte ein Sprecher. Hinweise auf Mittäter soll es bislang nicht geben.

Internationales Aufsehen

Zuletzt hatte Nordrhein-Westfalen im Oktober 2010 eine CD mit Daten von Julius Bär über Deutsche gekauft, die dort mutmaßlich unversteuerte Vermögen angelegt hatten. Dafür zahlte NRW 1,4 Millionen Euro. Die Daten führten zu zahlreichen Ermittlungen und Selbstanzeigen. Im April 2011 zahlte Julius Bär 50 Millionen Euro, damit die deutschen Behörden ihre Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter einstellen.

Für internationales Aufsehen hatte der Fall des ehemaligen Geschäftsleiters der Julius-Bär-Filiale auf den Cayman-Inseln, Rudolf Elmer, gesorgt. Er hatte bis zu seiner Entlassung 2002 interne Kundendaten gesammelt und später an Steuerbehörden sowie die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben.

Nach seiner Darstellung wurde er zu einem "Whistleblower", einem Informanten für die Öffentlichkeit, weil er die Geschäftspraktiken der Bank nicht länger ertragen konnte. Elmer wurde festgenommen und wegen Verletzung des Bankgeheimnisses angeklagt. Verschiedene Gerichtsverfahren sind in diesem Zusammenhang noch anhängig, ein rechtskräftiges Urteil steht noch aus.

Kein Einzelfall

Weitere bekannte Datendiebe sind Heinrich Kieber und Hervé Flaciani. Kieber soll dem Bundesnachrichtendienst 2008 für 4,2 Millionen Euro Daten der Liechtensteinischen LGT Treuhand verkauft haben. Damit löste er die deutsch-liechtensteinische Steueraffäre aus, über die unter anderem der frühere Postchef Klaus Zumwinkel stolperte.

Gegen Kieber läuft in Liechtenstein eine Untersuchung "wegen Verdachts der Auskundschaftung eines Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisses zugunsten des Auslands und des Datendiebstahls". Er wird seit Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Falciani war Informatiker des Schweizer Geldhauses HSBC Private Bank. Er setzte sich mit entwendeten Kundendaten nach Frankreich ab und spielte diese französischen Behörden zu. Der Fall hatte 2009 zu heftigem Streit zwischen Frankreich und der Schweiz geführt. 8200 Franzosen wurden bis 2010 als Steuersünder ermittelt.

Quelle: dpa/sei/cat
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Bekannte Diebe von Steuerdaten
  • RUDOLF ELMER

    Der Ex-Mitarbeiter der Bank Julius Bär aus Zürich präsentierte im Januar 2011 in London vor der internationalen Presse zwei CDs mit Tausenden Datensätzen mutmaßlicher Steuersünder. Er tat dies gemeinsam mit Wikileaks-Gründer Julian Assange. Elmer war Geschäftsführer der Bär-Zweigstelle im Steuerparadies Cayman Islands, bevor er 2002 entlassen wurde. Ein Gericht in Zürich verurteilte ihn später zu einer Geldstrafe. Elmer hatte in dem Prozess gestanden, geheime Kundendaten an Steuerbehörden und die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. Nach seiner Darstellung wurde er zu einem „Whistleblower“, einem Informanten für die Öffentlichkeit, weil er die Geschäftspraktiken der Bank nicht länger ertragen konnte. Das Gericht sah aber keine ethischen Motive. Er sei nur ein enttäuschter Ex-Banker, für den sich Karriereträume nicht verwirklicht hätten.

  • HERVÉ FALCIANI

    Der Informatiker des Schweizer Geldhauses HSBC Private Bank setzte sich mit entwendeten Kundendaten nach Frankreich ab und spielte diese französischen Behörden zu. Mehr als 8200 Franzosen wurden dadurch bis 2010 als Steuersünder ermittelt. Die HSBC Private Bank sprach von Diebstahl. Der Fall hatte 2009 zu heftigem Streit zwischen Frankreich und der Schweiz geführt. Bern verlangte Falcianis Auslieferung und drohte, ein neues Doppelbesteuerungsabkommen platzen zu lassen. Pariser Senatoren wollten die Schweiz auf die Schwarze Liste der Steuerparadiese setzen. Am Ende kopierten die Franzosen die Datensätze und gaben sie an die Schweiz zurück.

  • HEINRICH KIEBER

    soll dem Bundesnachrichtendienst (BND) 2008 für 4,2 Millionen Euro bei der Liechtensteinischen LGT Treuhand gestohlene Kundendaten verkauft haben. Damit löste er die deutsch- liechtensteinische Steueraffäre aus, über die unter anderem der frühere Postchef Klaus Zumwinkel stolperte. Gegen Kieber läuft in Liechtenstein eine Untersuchung „wegen Verdachts der Auskundschaftung eines Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisses zugunsten des Auslands und des Datendiebstahls“. Er wird seit Jahren auch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Berlin verweigert Liechtenstein in dem Fall aber jede Rechtshilfe, berichteten die Justizbehörden in Vaduz. dpa

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