27.08.12

Preisexplosion

Gold steht vor stärkster Kursrallye seit 2010

Experten erwarten, dass der Goldpreis auf 1800 Dollar je Feinunze steigen könnte. Aus Angst vor Inflation stocken Investoren ihre Bestände auf. Und auch die Zentralbanken gehen auf Einkaufstour.

Quelle: dapd
24.08.12 1:57 min.
Nach einem über Monate eher lustlosen Handel hat der Goldpreis Mitte der Woche einen kräftigen Satz gemacht und steigt auf Höchststand seit Mai. Inzwischen kostet die Feinunze rund 1670 Dollar.

Gold steht einer Umfrage zufolge in diesem Jahr vor der stärksten Kursrallye seit zwei Jahren. Spekulationen auf zusätzliche Konjunkturmaßnahmen von den USA bis China heizen jetzt die Nachfrage nach dem Edelmetall als Absicherung gegen die Inflationsrisiken wieder deutlich an.

Gold zur sofortigen Lieferung könnte bis zum Jahresende auf 1800 Dollar je Feinunze steigen, ergab eine Umfrage von Bloomberg News unter 15 Händlern und Analysten. Sollten sich die Erwartungen bewahrheiten, würde dies einem Anstieg um 15 Prozent entsprechen – der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 2010, als sich Gold um 30 Prozent verteuert hatte, zeigen Daten von Bloomberg.

Zwölfter Jahresgewinn in Folge

Die Notierungen für Gold steuern damit auf den zwölften Jahresgewinn in Folge zu. Die Schuldenkrise im Euro-Raum und Spekulationen auf weitere Zentralbankschritte – darunter auch die Möglichkeit einer dritten Runde der quantitativen Lockerung der US-Notenbank Federal Reserve (QE3) – steigert die Nachfrage nach dem Edelmetall wieder als sicherer Hafen.

Gold-Anlagen haben als Schutz vor Inflation einen Rekordbestand in den Depots der internationalen Investoren erreicht. Zuletzt hatte die Hedgefonds-Legende George Soros seine Positionen deutlich aufgestockt. Auch John Paulson, der in der Immobilienkrise ein Milliardenvermögen verdient hatte, wies einen höheren Goldanteil auf.

"Um die Euro-Zone ist es zuletzt still geworden, aber das bedeutet nicht, dass die Probleme gelöst sind", sagte Jeffrey Rhodes, Leiter Edelmetalle bei INTL FCStone. "Die US-Wirtschaft entwickelt sich schleppend, und es gibt eine wachsende Überzeugung, dass bald QE3 eingeleitet wird. Diese Erwartung treibt die Märkte", fügte Rhodes hinzu, der den Goldpreis Ende des laufenden Jahres bei 1975 Dollar sieht.

Zentralbanken treten als Gold-Käufer auf

Vor diesem Hintergrund werden die Aussagen von Fed-Chairman Ben Bernanke bei der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole Ende der Woche viel Beachtung finden. Vergangene Woche hatte Bernanke gesagt, es gebe "Raum für weitere Maßnahmen". Der chinesische Ministerpräsident hatte zuletzt auf weitere Schritte gedrängt, um die Exporte des Landes zu stützen die Wirtschaftsziele trotz zunehmender Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung noch zu erreichen.

Nicht nur Investoren, sondern auch die Zentralbanken treten derzeit als Gold-Käufer auf. Nach Angaben des Weltgoldrats werden die Zentralbanken in diesem Jahr knapp 500 Tonnen Gold erwerben. In der ersten Jahreshälfte stockten die Notenbanken den Angaben zufolge ihre Bestände um 254,2 Tonnen auf. "Es gibt ein offizielles Interesse an Gold, und die Zentralbanken kaufen – von Russland bis Korea", sagte Jeremy East, Leiter Metallhandel bei Standard Chartered. "Grund für die Käufe ist nicht das Preisniveau, sondern eine andere Anlagenallokation."

Goldmarkt spekuliert auf Krisenherbst

Der Goldpreis erreichte zeitweise den höchsten Stand seit Mitte April. Am Goldmarkt werde verstärkt auf einen Euro-Krisenherbst spekuliert, hieß es von Experten. Am Morgen erreichte der Goldpreis in der Spitze 1676,45 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). "Die spekulativen Finanzanleger haben bei allen Edelmetallen ihre Wetten auf steigende Preise massiv ausgeweitet", hieß es in einer Einschätzung der Commerzbank.

Mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise rechnen viele Anleger mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik führender Notenbanken. Die Sorge vor einer zu starken Inflation als Folge der extrem expansiven Geldpolitik gilt als eine der Haupttriebfedern für den Goldpreis. Verstärkt werde der Aufwärtstrend durch Ausbruch der Kurse aus der Handelsspanne der vergangenen Monate zwischen 1530 und 1630 Dollar.

Der Ölpreis hat ebenfalls fester tendiert. Der Oktober-Kontrakt für die US-Sorte West Texas Intermediate stieg um 0,9 Prozent auf 96,99 Dollar je Barrel. Öl der in Europa gängigen Sorte Brent verteuerte sich um 1,1 Prozent auf 114,82 Dollar je Barrel.

Die Ölförderung im Golf von Mexiko ist angesichts des Tropensturms Isaac eingestellt worden. Außerdem ist die zweitgrößte Raffinerie in Venezuela durch ein Feuer teilweise stillgelegt. "Der Markt preist eine wetterbedingte Prämie ein", sagt Jonathan Barratt, Vorstandsvorsitzender von Barrat's Bulletin.

Quelle: Bloomberg/dpa/cat
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