14.08.12

Standard Chartered

Großbank zahlt Millionen wegen Iran-Geschäften

Nach einer turbulenten Woche hat die britische Großbank Standard Chartered ihre Affäre um Iran-Geschäfte zumindest vorerst hinter sich gebracht. Dafür griff sie tief ins Portemonnaie.

Foto: DPA
Standard Chartered
Im Streit um mutmaßlich illegale Iran-Geschäfte hat sich die New Yorker Finanzaufsicht mit der britischen Großbank Standard Chartered auf einen Vergleich geeinigt

Die britische Großbank Standard Chartered hat die Vorwürfe der Geldwäsche für iranische Kunden mit dem Scheckbuch aus der Welt geschaffen. Das Institut zahlt im Rahmen eines Vergleichs mit der New Yorker Finanzaufsicht 340 Millionen Dollar (284 Mio Euro).

Das teilte die Behörde des US-Bundesstaats am Dienstag mit. Im Rahmen des Vergleichs akzeptierte die Bank auch einen Aufseher für mindestens zwei Jahre, der die internen Kontrollen überwachen soll.

Die Finanzaufsicht hatte hatte vor einer Woche den Vorwurf erhoben, dass Standard Chartered über Jahre hinweg Transaktionen im Umfang von mindestens 250 Milliarden Dollar für iranische Banken abgewickelt habe.

Geschäfte bewusst verschleiert

Dies sei wegen der geltenden Sanktionen gegen das Land illegal gewesen. Standard Chartered habe die Geschäfte deshalb bewusst verschleiert. Die Bank habe "hunderte Millionen Dollar" an Gebühren eingestrichen, hieß es damals.

Die Bank hatte die Vorwürfe nach Bekanntwerden vehement bestritten. Der Börsenkurs war jedoch binnen eines Nachmittags um 20 Prozent eingebrochen – denn schlimmstenfalls hätte der Verlust der Lizenz in New York gedroht.

Das hatte für Druck gesorgt, den Fall schnell aus der Welt zu schaffen. An diesem Mittwoch hätte Bankchef Peter Sands vor einem Ausschuss in New York aussagen sollen. Der Termin wurde abgeblasen.

Bislang ein Vorzeige-Institut

Die Bank selbst äußerte sich zunächst nicht. Das Haus galt bislang als Vorzeige-Institut unter den fünf britischen Großbanken. In den vergangenen acht Jahren fuhr Standard Chartered trotz Finanzkrise einen Rekord nach dem anderen ein. Die in Kontinentaleuropa kaum bekannte Bank macht einen Großteil ihres Geschäfts in Asien, dem Nahen Osten und Afrika.

Unklar ist allerdings, ob Standard Chartered das Kapitel Geldwäsche endgültig schließen kann. Andere US-Behörden schauen sich die Sache ebenfalls an. Der Alleingang der New Yorker Finanzaufsicht hatte nach US-Medienberichten für Unmut unter den Regulierern gesorgt. Auch andere britische Banken stehen derzeit in der Schusslinie wie Barclays im Fall manipulierter Zinssätze wie dem Libor.

Quelle: dpa/sara
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Libor, Euribor, Interbankenhandel
  • Libor

    Der Libor soll den durchschnittlichen Zinssatz angeben, den die Banken für Geldverleih-Geschäfte untereinander verlangen. Er beruht wie sein Gegenstück im Euro-Raum, der Euribor, aber nicht auf echten Transaktionen. Er wird berechnet aus Schätzungen der 18 weltweit wichtigsten Banken, zu welchen Sätzen sie Geld am Interbankenmarkt aufnehmen können. Grundlage sind also nicht tatsächliche Zinsen, sondern die Einschätzung der Banken über ihre Finanzierungsbedingungen.

    Der Libor wird täglich durch den britischen Bankenverband BBA festgestellt. Die höchsten und niedrigsten Werte werden gestrichen. Das sollte Manipulationen eigentlich ausschließen. Den Libor gibt es seit den 80er-Jahren. Der Referenz-Zinssatz ist ausschlaggebend für die Zinsen von zahlreichen Finanzierungen in Dollar. Darunter Hypotheken, variabel verzinste Immobilien-Kredite oder die Zinsen für Kreditkarten.

  • Euribor

    So wird der durchschnittliche Zinssatz bezeichnet, zu dem 57 europäische Banken einander Anleihen in Euro gewähren. Der Euribor ist die Grundlage für zahlreiche Zinsprodukte, die in Euro laufen. Täglich um 11.00 Uhr werden die Euribor-Werte – 15 verschiedene Euribor-Zinssätze mit unterschiedlichen Laufzeiten – festgesetzt. 43 Institute melden dafür ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken.

    Den Euribor gibt es seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. In Deutschland ersetzte er den Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate). Die Höhe der Euribor-Zinssätze wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dazu kommen Faktoren wie etwa das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Inflation, die Kreditwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen der Banken sowie das Vertrauen der Verbraucher.

  • Interbankenmarkt

    Auf dem Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Institute, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Dabei wechseln sich Geber- und Nehmerbanken ab. Der Markt funktioniert nur, wenn sich die Banken gegenseitig vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Das Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 immer wieder gestört. Deswegen sind die Notenbanken immer wieder eingesprungen, um die Geschäftsbanken mit billigem Geld zu versorgen. Zur Jahreswende 2011/2012 pumpte die Europäische Zentralbank rund 1000 Milliarden Euro in die Geschäftsbanken.

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