13.08.12

Organspendeskandal

Deutsche Hospiz-Stiftung betont Grenzen der Justiz

Im Organspendeskandal bezweifelt die Deutsche Hospiz-Stiftung, dass dem beschuldigten Arzt etwas "wasserdicht" nachgewiesen werden kann. Zukünftige staatliche Kontrollen seien deshalb umso wichtiger.

Foto: Patientenschutzorganisation
Eugen Brysch
Eugen Brysch, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung

Die Deutsche Hospiz-Stiftung bezweifelt, dass der im Zusammenhang mit den Organspendeskandalen an den Unikliniken Göttingen und Regensburg beschuldigte Arzt bestraft werden kann. Eine "wasserdichte Beweisführung" gegen ihn werde "sehr schwer sein", sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, der Berliner Morgenpost.

Niemand glaube "doch ernsthaft daran, dass ein Professor ganz allein durch die Zimmer streift, selbst Blut entnimmt, in Glasröhrchen abfüllt und dann noch falsche Namensaufkleber verwendet".

Brysch forderte daher, im Organspendeskandal nicht auf das Strafrecht zu setzen, sondern auf regelmäßige Kontrollen durch "eine staatliche, demokratisch legitimierte Institution, auf die die Politik Zugriff hat". Brysch: Für die Bevölkerung wäre das "ein überzeugendes Signal".

Regensburg – Anwalt prüft Vorgänge

Die Universitätsklinik Regensburg zieht derweil Konsequenzen aus dem Skandal. Eine interne Arbeitsgruppe soll Vorschläge erarbeiten, wie die Zusammenarbeit der Transplantationszentren mit der Stiftung Eurotransplant verbessert werden kann. Erste Vorschläge sollen am Montag mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) in einer Konferenz der bayerischen Transplantationszentren erörtert werden.

Die Klinik hat darüber hinaus eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, sie bei der Aufklärung der Vorgänge zu unterstützen. Die Kanzlei soll auch klären, ob der Chirurgie-Chef als damaliger Vorgesetzter des beschuldigten Mediziners seine Aufsichtspflicht erfüllt hat. Er ist wegen der Angelegenheit vorerst beurlaubt.

Interne Untersuchungen aller Transplantationen bis August 2012 ergaben der Klinik zufolge keine weiteren Verdachtsmomente.

Bislang sind 23 Verdachtsfälle bekannt, in denen ein ehemaliger Oberarzt als Einzeltäter Akten von möglichen Organempfängern manipuliert haben soll, um ihnen zu einer Lebertransplantation zu verhelfen. In Göttingen werden ähnliche Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Quelle: mit dapd
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