26.07.12

Ratingagentur

Moody's senkt Ausblick für 17 deutsche Banken

Nun knöpft sich Moody's auch noch die deutschen Banken vor: Die Ratingagentur setzte den Bonitätsausblick von 17 Geldhäusern auf negativ, darunter mehrere Landesbanken und die Staatsbank KfW.

Foto: dpa
LBBW
Das Logo der Landesbank Baden-Württemberg hinter einer roten Ampel: Die Ratingagentur Moody's hat auch ihre Kreditwürdigkeit mit einem Minus versehen

Moody's nimmt die Bonitätsnoten zahlreicher deutscher Banken genauer unter die Lupe. Die Ratingagentur senkte den Ausblick von 17 Häusern von "stabil" auf "negativ". Ein derartiger Schritt kann die Vorstufe für die Senkung eines Ratings sein. Betroffen sind vor allem Landesbanken. Es handelt sich um eine direkte Folge der Überprüfung des deutschen Spitzenratings.

Bei den Instituten handelt es sich etwa um die LBBW, die BayernLB oder die HSH Nordbank, aber auch um die staatliche Förderbank KfW oder die mit Steuergeldern gerettete IKB Deutsche Industriebank. Diese Institute verfügen dank der staatlichen Rückendeckung über eine Kreditwürdigkeit von "Aaa" oder "Aa1" – das sind die beiden besten Noten, die Moody's vergibt.

Ein schlechteres Rating kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Denn Kreditgeber müssen mit einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit rechnen.

Nachdem Moody's am Montag die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg in Zweifel gezogen hatte, waren am Dienstag einzelne Bundesländer, Staatsfirmen wie die Deutsche Bahn und später der Euro-Rettungsschirm EFSF an der Reihe. Auch deren Ausblick ist nun "negativ".

Furcht vor einer Kettenreaktion

Entscheidet sich Moody's tatsächlich für eine Abstufung Deutschlands, würde dies abermals eine Kettenreaktion in Gang setzen. Der Schritt ist jedoch keineswegs eine ausgemachte Sache. Auch Standard & Poor's hatte vor einigen Monaten die Spitzenbonität der Bundesrepublik infrage gestellt. Doch die Note blieb unangetastet.

Aus der Politik hatte Moody's teils scharfe Kritik geerntet für die Absenkung des Ausblicks. Grund ist, dass schlechtere Bonitätsnoten die Bemühungen um eine Lösung der europäischen Schuldenkrise erschweren können. Gefährlich ist, dass Moody's auf breiter Front vorgeht: Auch in den Niederlanden müssen staatliche Firmen und Banken um ihre Ratings bangen.

Hintergrund der Welle an negativen Ausblicken ist die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Schuldenkrise. Sorgen bereiten Moody's vor allem Griechenland, Spanien und Italien. Die Ratingagentur fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Länder weitere Lasten schultern müssen für ihre in Not geratenen Partnerstaaten.

Der kleine Kreis der AAA-Länder

Der Klub der "AAA"-Länder wird immer kleiner. Stuft die Ratingagentur Moody's wie angedroht die Bonitätsnote für die Euro-Länder Deutschland, Luxemburg und die Niederlande tatsächlich herab, werden nur noch neun Staaten von allen drei großen Bonitätswächtern S&P, Fitch und Moody's mit dem begehrten "AAA" benotet. Das sind Australien, Dänemark, Finnland als einziges Euro-Mitglied, Großbritannien, Kanada, Norwegen, Schweden, die Schweiz und Singapur. Es folgt ein Überblick über deren Schuldenstand:

 

AUSTRALIEN

Der Rohstoffboom spricht für eine glänzende Zukunft von "Down Under". Von Reuters befragte Ökonomen trauen dem fünften Kontinent in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent zu, das 2013 mit 3,2 Prozent ähnlich hoch ausfallen soll. Australien hat auch vorbildliche Staatsfinanzen. Der Schuldenberg entspricht nur rund 27 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

DÄNEMARK

Der kleine Nachbar Deutschlands hat seine Finanzen besser im Griff als die meisten anderen EU-Länder. Mit 46,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegt die Staatsverschuldung unter der im Maastrichter EU-Vertrag festgelegten 60-Prozent-Marke. Die EU-Kommission erwartet in Dänemark sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent, vor allem wegen der robusten Binnennachfrage.

FINNLAND

Die Nord-Europäer könnten als einziges Euro-Land ihren "AAA" behalten. Moody's senkte den Ausblick nicht auf "negativ". Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen. Auch die Staatsverschuldung ist gering. Sie liegt bei 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

GROSSBRITANNIEN

Von allen "AAA"-Staaten steht Großbritannien mit am schlechtesten da. Das Haushaltsdefizit wird nach einer Prognose der EU-Kommission sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr bei mehr als sechs Prozent liegen. Erlaubt ist nach den EU-Regeln eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Schuldenstand dürfte demnach bis 2013 auf 94,6 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Auch die Konjunktur schwächelt: In diesem Jahr dürfte es nur zu einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent reichen.

KANADA

Wie Australien profitiert auch Kanada von seinem Rohstoffreichtum. Jeweils mehr als zwei Prozent Wachstum werden in diesem und im kommenden Jahr erwartet. Auch die Staatsfinanzen sehen vergleichsweise gut aus. Ab 2015/16 will das Land ohne neue Schulden auskommen. Der Schuldenstand soll bis dahin auf etwa 73 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

NORWEGEN

Das Land wächst dank seiner riesigen Ölvorräte nicht nur kräftig, sondern erwirtschaftet auch enorme Haushaltsüberschüsse. Das Plus soll in diesem Jahr nach OECD-Prognose 15,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen, 2013 sogar 16,3 Prozent. Der Schuldenstand dürfte dann unter 50 Prozent fallen.

SCHWEDEN

Der EU-Nachbar Norwegens wird laut Prognose der OECD spätestens im kommenden Jahr einen leichten Haushaltsüberschuss ausweisen. Deshalb kann der Schuldenberg abgebaut werden. Er beträgt derzeit 38,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und soll bis 2013 auf 34,2 Prozent sinken.

SCHWEIZ

Auch die Schweiz glänzt mit gesunden Staatsfinanzen: Sie wird in diesem und im kommenden Jahr jeweils einen Überschuss von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen, erwartet die OECD. Dadurch können Schulden abgebaut werden. Der Schuldenstand soll bis 2013 auf etwa 40 Prozent zurückgehen. Dabei wächst die Wirtschaft nicht einmal besonders stark.

SINGAPUR

Der Stadtstaat wächst nach einer Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank in diesem Jahr um knapp drei und 2013 um 4,5 Prozent. Trotzdem häuft die Finanz- und Handelsmetropole neue Schulden an: Das Defizit wird in diesem und in den kommenden Jahren bei mehr als drei Prozent veranschlagt. Dennoch soll der Schuldenberg dank des kräftigen Wachstums auf etwa 90 Prozent der Wirtschaftsleistung schrumpfen.

 

Quelle: Reuters

Quelle: dpa/fsc
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Die drei Ratingagenturen
  • Standard & Poor's

    Der Ratingriese S&P ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill – ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw.

  • Moody's

    Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody’s-Anteile kommt. Als S&P 2011 die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote AAA auf AA herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf.

  • Fitch

    Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac. Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst („Cosmopolitan“, „Elle“, ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. Fitch sitzt in New York und London.

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