25.07.12

Staatsanleihen

Trotz Moody's – Deutsche Renditen auf Rekordtief

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für Deutschland auf negativ gesenkt. Dennoch kann sich die Bundesrepublik günstig finanzieren. Die Zinsen für 30-jährige Anleihen sind so niedrig wie nie.

Foto: dpa
Finanzagentur der Bundesrepublik
Die Finanzagentur in Frankfurt verwaltet die deutschen Staatsanleihen. Die Kredite werden in jüngster Zeit immer günstiger für den deutschen Staat

Trotz des kritischen Ausblicks der Ratingagentur Moody's auf die Kreditwürdigkeit Deutschlands kann sich die Bundesrepublik auch langfristig zu historisch niedrigen Zinsen mit Geld versorgen.

Für die am Mittwoch aufgestockte 30-jährige Bundesanleihe erhielten Investoren im Schnitt 2,17 Prozent Zinsen, wie die Bundesbank in Frankfurt am Main mitteilte. Damit ist die Rendite für die Papiere so niedrig wie nie.

Deutschland mit negativem Ausblick

Moody's hatte am Montag den Ausblick für die Bonität Deutschlands auf negativ gesenkt. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde herabgesetzt. Als Begründung gab die Ratingagentur die "wachsende Unsicherheit" in der Euro-Zone an und verwies auf die Möglichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro sowie dessen mögliche Auswirkungen auf weitere Krisenstaaten wie Spanien.

Als Grund für die Überprüfung der Ratings nannte Moody's die steigende Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise in Europa. Es sei immer wahrscheinlicher, dass Griechenland die Eurozone verlassen müsse, schrieben die Experten der Ratingagentur. Selbst wenn dies nicht passiere, sei davon auszugehen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen bräuchten.

Auch EFSF bekommt negativem Ausblick

Dabei sei davon auszugehen, dass die europäischen Staaten mit einer sehr guten Bonität die neuen Hilfen schultern müssten, führten die Moody's-Analysten weiter aus. Deutschland und die anderen wirtschaftlich starken Länder der Euro-Zone haben den schwächeren Partnern bereits unter die Arme gegriffen. Eine Abstufung des Spitzenratings würde einen Imageschaden bedeuten.

Am Dienstag senkte Moody's auch den Ausblick für den Euro-Rettungsfonds EFSF und sechs Bundesländer. Eine negativer Ausblick ist ein möglicher erster Schritt für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Der kleine Kreis der AAA-Länder

Der Klub der "AAA"-Länder wird immer kleiner. Stuft die Ratingagentur Moody's wie angedroht die Bonitätsnote für die Euro-Länder Deutschland, Luxemburg und die Niederlande tatsächlich herab, werden nur noch neun Staaten von allen drei großen Bonitätswächtern S&P, Fitch und Moody's mit dem begehrten "AAA" benotet. Das sind Australien, Dänemark, Finnland als einziges Euro-Mitglied, Großbritannien, Kanada, Norwegen, Schweden, die Schweiz und Singapur. Es folgt ein Überblick über deren Schuldenstand:

 

AUSTRALIEN

Der Rohstoffboom spricht für eine glänzende Zukunft von "Down Under". Von Reuters befragte Ökonomen trauen dem fünften Kontinent in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent zu, das 2013 mit 3,2 Prozent ähnlich hoch ausfallen soll. Australien hat auch vorbildliche Staatsfinanzen. Der Schuldenberg entspricht nur rund 27 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

DÄNEMARK

Der kleine Nachbar Deutschlands hat seine Finanzen besser im Griff als die meisten anderen EU-Länder. Mit 46,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegt die Staatsverschuldung unter der im Maastrichter EU-Vertrag festgelegten 60-Prozent-Marke. Die EU-Kommission erwartet in Dänemark sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent, vor allem wegen der robusten Binnennachfrage.

FINNLAND

Die Nord-Europäer könnten als einziges Euro-Land ihren "AAA" behalten. Moody's senkte den Ausblick nicht auf "negativ". Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen. Auch die Staatsverschuldung ist gering. Sie liegt bei 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

GROSSBRITANNIEN

Von allen "AAA"-Staaten steht Großbritannien mit am schlechtesten da. Das Haushaltsdefizit wird nach einer Prognose der EU-Kommission sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr bei mehr als sechs Prozent liegen. Erlaubt ist nach den EU-Regeln eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Schuldenstand dürfte demnach bis 2013 auf 94,6 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Auch die Konjunktur schwächelt: In diesem Jahr dürfte es nur zu einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent reichen.

KANADA

Wie Australien profitiert auch Kanada von seinem Rohstoffreichtum. Jeweils mehr als zwei Prozent Wachstum werden in diesem und im kommenden Jahr erwartet. Auch die Staatsfinanzen sehen vergleichsweise gut aus. Ab 2015/16 will das Land ohne neue Schulden auskommen. Der Schuldenstand soll bis dahin auf etwa 73 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

NORWEGEN

Das Land wächst dank seiner riesigen Ölvorräte nicht nur kräftig, sondern erwirtschaftet auch enorme Haushaltsüberschüsse. Das Plus soll in diesem Jahr nach OECD-Prognose 15,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen, 2013 sogar 16,3 Prozent. Der Schuldenstand dürfte dann unter 50 Prozent fallen.

SCHWEDEN

Der EU-Nachbar Norwegens wird laut Prognose der OECD spätestens im kommenden Jahr einen leichten Haushaltsüberschuss ausweisen. Deshalb kann der Schuldenberg abgebaut werden. Er beträgt derzeit 38,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und soll bis 2013 auf 34,2 Prozent sinken.

SCHWEIZ

Auch die Schweiz glänzt mit gesunden Staatsfinanzen: Sie wird in diesem und im kommenden Jahr jeweils einen Überschuss von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen, erwartet die OECD. Dadurch können Schulden abgebaut werden. Der Schuldenstand soll bis 2013 auf etwa 40 Prozent zurückgehen. Dabei wächst die Wirtschaft nicht einmal besonders stark.

SINGAPUR

Der Stadtstaat wächst nach einer Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank in diesem Jahr um knapp drei und 2013 um 4,5 Prozent. Trotzdem häuft die Finanz- und Handelsmetropole neue Schulden an: Das Defizit wird in diesem und in den kommenden Jahren bei mehr als drei Prozent veranschlagt. Dennoch soll der Schuldenberg dank des kräftigen Wachstums auf etwa 90 Prozent der Wirtschaftsleistung schrumpfen.

 

Quelle: Reuters

Quelle: AFP/dpa/dma
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