17.07.12

Negative Zinsen

Euro-Rettungsfonds erhält fürs Schuldenmachen Geld

Jetzt hat auch der Euro-Rettungsfonds zum ersten Mal eine Prämie dafür bekommen, dass er sich Geld von Investoren leiht. Zugleich steigt Belgien in den Kreis der EU-Länder mit negativer Rendite auf.

Foto: DPA
Euro
Frisches Geld für den Euro-Rettungsfonds: Die EFSF hat erstmals Geld mit der Aufnahme neuer Schulden verdient

Der europäische Rettungsfonds EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) hat erstmals beim Geldleihen selbst verdient. Der Fonds sammelte knapp 1,49 Milliarden Euro beim Verkauf von sechsmonatigen Anleihen ein und kassierte dafür sogar eine Prämie der Investoren, statt ihnen Zinsen zu zahlen. Die durchschnittliche Rendite lag bei minus 0,0113 Prozent.

Bei der vorigen Auktion im Juni deckte sich die EFSF noch zu einem Minizins von plus 0,142 Prozent ein. Bei der aktuellen Emission war die Nachfrage der Investoren deutlich größer als das Angebot, die Auktion war dreifach überzeichnet. Die EFSF wurde im Frühsommer 2010 aus der Taufe gehoben. Sie soll kriselnde Euro-Länder mit Krediten versorgen, die weitgehend vom Kapitalmarkt abgeschnitten sind oder nur zu untragbar hohen Zinsen Geld bekommen.

Denn in der Schuldenkrise meiden viele Investoren risikoreiche Anlagen und verzichten damit auf höhere Renditen. Deshalb sind als ausfallsicher geltende Anleihen besonders stark gefragt. Dies führte wiederholt dazu, dass auch Deutschland, die Niederlande und Frankreich bereits Prämien beim Schuldenmachen kassieren konnten statt die Investoren mit Renditen ködern zu müssen.

Auch Belgien bekommt Prämie

Am Dienstag verdiente neben der EFSF auch Belgien erstmals Geld mit neuen Schuldverschreibungen. Bei einer Versteigerung von Geldmarktpapieren mit dreimonatiger Laufzeit lag die Rendite mit 0,016 Prozent im Minus, teilte die belgische Schuldenagentur mit.

Deutschland, das in der Euro-Krise bislang von seinem Status als sicherer Hafen profitiert, konnte sich zuletzt sogar für bis zu zwei Jahre Geld bei Investoren besorgen, ohne Zinsen bieten zu müssen.

Insgesamt sammelte Belgien bei der Auktion am Dienstag wie geplant drei Milliarden Euro ein. Allerdings kamen auch zwölfmonatige Papiere unter den Hammer, bei denen die Rendite mit 0,04 Prozent noch leicht im positiven Bereich lag.

Experten sehen bei den jüngsten Niedrigzins-Rekorden bei Geldmarktauktionen einen engen Zusammenhang zur jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Das historisch tiefe Zinsniveau und der Nullzins für Übernachteinlagen bei der EZB erschweren Banken und Großanlegern die Suche nach Parkplätzen für überschüssige Liquidität.

Druck auf Spanien sinkt

Unterdessen hat auch der Druck der Märkte auf das Euro-Krisenland Spanien abgenommen. Der spanische Staat sammelte bei einer Auktion von Anleihen mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten 3,56 Milliarden Euro an, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Angepeilt waren 3,5 Milliarden Euro.

Die Renditen gingen zwar im Vergleich zu der vorigen Auktion im Juni deutlich zurück, markierten dennoch den zweithöchsten Stand seit Jahresbeginn. Für zwölfmonatige Schuldtitel musste der spanische Staat rund 3,92 Prozent Zinsen bieten. Das waren etwa 1,16 Prozentpunkte weniger als bei einer vergleichbaren Auktion Mitte Juni.

Etwas schwächer um rund 0,87 Punkte sank die Rendite des 18-monatigen Papiers. Sie lag bei 4,24 Prozent. Die Nachfrage nach den Papieren blieb stark: Sie war mehr als zweimal (zwölf Monate) beziehungsweise mehr als dreimal (18 Monate) so hoch wie das Angebot.

Die Auktion war die erste nach der Ankündigung eines Sparpakets im Umfang von 65 Milliarden Euro in der vergangenen Woche. Der neue Sparplan, der unter anderem eine kräftige Anhebung der Mehrwertsteuer und Einkommenseinbußen für die Staatsangestellten vorsieht, hat das Misstrauen der Investoren jedoch nicht völlig beseitigt. Die Risikoaufschläge für richtungsweisende 10-jährige spanische Anleihen stiegen erneut, die Rendite kletterte auf fast 6,8 Prozent.

Quelle: Reuters/dpa/cat
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