13.07.12

Staatsanleihen

Italiens Zinsen sinken überraschend trotz Abstufung

Die Regierung in Rom kann beruhigt ins Wochenende gehen. Trotz der Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch Moody's haben die Italiener zu niedrigeren Zinsen ihre Anleihen umschulden können.

Foto: DPA
Italiens Regierungschef hat wohl noch einmal Glück gehabt. Das Land kann sich zu niedrigeren Zinsen finanzieren, obwohl seine Kreditwürdigkeit gesenkt wurde
Italiens Regierungschef hat wohl noch einmal Glück gehabt. Das Land kann sich zu niedrigeren Zinsen finanzieren, obwohl seine Kreditwürdigkeit gesenkt wurde

Trotz der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's hat sich die Refinanzierung von Italiens Schuldenberg etwas verbilligt. Italien lieh sich zunächst rund 3,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt und musste den Investoren beim Verkauf von dreijährigen Staatsanleihen nicht mehr so hohe Zinsen bieten wie zuletzt. Die durchschnittliche Rendite sank auf 4,65 Prozent und war damit so niedrig wie seit Mai nicht mehr.

Bei der vorigen Emission im Juni lag sie mit 5,3 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit Dezember. Die Nachfrage der Anleger war größer als das Angebot, die Auktion war 1,7-fach überzeichnet. Italien wollte zudem Bonds mit einer Laufzeit bis 2019, 2022 und 2023 begeben.

Moody's stuft Italien zwei Stufen ab

Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit Italiens um zwei Noten herunter. Die Bewertung sei auf Baa2 von A3 gesenkt worden, teilten die Bonitätswächter mit. Damit liegt die Bewertung nur zwei Noten über "Ramschniveau", mit dem Ratingagenturen spekulative Anlagen kennzeichnen.

Sie kündigten zudem an, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten. Der Ausblick sei deshalb negativ.

Grundsätzlich dürften Italiens Renditen steigen

Unter den drei großen Ratingagenturen kommt Italien bei Moody's am schlechtesten weg. Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Refinanzierung der Staatsschulden weiter steigen wird.

Angesichts eines Vertrauensverlustes könnte Italien den Zugang zum Finanzmarkt verlieren, warnte die US-Gesellschaft. Zudem verwies Moody's auf die "Ansteckungsgefahr" Griechenlands und Spaniens.

Italiens Regierung kritisiert Herabstufung

Rom kritisierte die Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's deutlich. Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung der US-Experten als "insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend". Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei "ganz und gar willkürlich". Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.

Euro legt trotz Italiens Abstufung zu

Der Euro hat am Freitag trotz einer abermaligen Bonitätsabstufung des großen Sorgenkinds Italien leicht zugelegt. Er bewegte sich um die 1,22 US-Dollar. Am Donnerstag war der Eurokurs erstmals seit zwei Jahren unter diese Marke gefallen.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes verschlechtere sich weiter, erklärte Moody's. Die Arbeitslosenzahlen stiegen deutlich. Dadurch werde es schwieriger, die Einsparziele zu erreichen. Dies würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken, hieß es.

Monti schließt Nutzung des Rettungsschirms nicht aus

Mitte der Woche hatte Regierungschef Mario Monti nicht ausschließen wollen, dass Italien doch noch Hilfe durch den Euro-Rettungsschirm benötigen könnte. "Es wäre gewagt zu behaupten, Italien werde diese Unterstützung niemals brauchen", sagte er laut italienischen Medien nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Bis dato hatte er entsprechende Behauptungen stets zurückgewiesen.

Quelle: Reuters/dpa/dma
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Warum Italien der Rettungsschirm droht
  • Schlechte Wirtschaftslage

    In keinem anderen Euro-Land ist die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal so stark eingebrochen wie in Italien. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,8 Prozent – fast dreimal so stark wie in Spanien. Auch die Aussichten sind nicht gut. 2012 dürfte das Wirtschaft um 1,4 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenquote um mehr als einen Punkt auf 9,5 Prozent steigen. "Die Schuldenkrise in der Euro-Zone belastet die italienische Wirtschaft", befürchtet die Kommission. Steuererhöhungen und die steigende Arbeitslosigkeit drücken die Einkommen, wodurch der private Konsum schrumpft. Das wiederum sorgt für Steuerausfälle und erschwert die Sanierung des Staatshaushaltes. Die EU setzt auf eine langsame Erholung im nächsten Jahr. Die Wirtschaft dürfte dann wieder wachsen, aber nur um magere 0,4 Prozent.

  • Hohe Staatsverschuldung

    Der Schuldenberg wird in diesem Jahr weiter steigen. Er soll nach Prognose der EU-Kommission 123,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen. 2008 waren es nur knapp 106 Prozent. Nur in Griechenland ist der Berg noch höher. Auch im kommenden Jahr dürfte er kaum kleiner werden und über der Marke von 120 Prozent verharren. Italien ist damit der viertgrößte Schuldenmacher weltweit.

  • Nachlassender Reformeifer

    Je näher die für 2013 angesetzte Parlamentswahl rückt, desto geringer ist die Reformbereitschaft der Parteien. Ministerpräsident Mario Monti muss zunehmend Kompromisse eingehen, um Gesetze durch die beiden Parlamentskammern zu bringen. Sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeberverbände setzten bei der kürzlich verabschiedeten Arbeitsmarktreform Änderungen durch. Zuvor hatten bereits Interessengruppen wie die der Taxifahrer und Rechtsanwälte verhindert, dass die Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt gelockert werden. "Der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt", stellt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen fest.

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