25.06.12

Ernst & Young

Deutsche verlieren Vertrauen in die Banken

Jeder fünfte deutsche Sparer glaubt nicht an die Sicherheit seiner Einlagen. Deshalb verteilen die Kunden ihr Geld auf mehrere Institute. Der Rat von Freunden geht vor dem des Bankberaters.

Foto: Infografik Welt Online
Veränderung des Vertrauens in Banken
Das Vertrauen in die Banken hat sich deutlich verändert

Die Schuldenkrise nagt zunehmend am Vertrauen der Deutschen in ihre Banken. 58 Prozent der Kunden haben heute weniger Vertrauen in die Stabilität ihres Geldhauses als noch vor zwölf Monaten. Sorge bereitet den Menschen vor allem die unsichere wirtschaftliche Lage in Europa, die auch auf die heimische Konjunktur und die heimischen Kreditinstitute durchschlagen könnte.

Die tiefe Verunsicherung zeigt sich auch darin, dass jeder fünfte Sparer sich mittlerweile Sorgen um seine Einlagen macht. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young im März unter weltweit mehr als 28.500 Bankkunden, davon 1000 in Deutschland.

Das beruhigende aus Sicht der heimischen Finanzwirtschaft ist lediglich, dass in vielen anderen europäischen Ländern das Vertrauen in die Banken noch sehr viel deutlicher gesunken ist. So beschleicht mehr als 80 Prozent der Griechen, 76 Prozent der Spanier und 72 Prozent der Italiener heute ein noch mulmigeres Gefühl als vor einem Jahr, wenn sie an ihre Kreditinstitute denken.

Auch außerhalb der Euro-Zone schwindet das Vertrauen

Doch auch außerhalb der Euro-Zone werden die Verfassung und das Verhalten der Bankenbranche zunehmend kritisch gesehen. In den USA sank das Vertrauen bei 51 Prozent der Kunden, in Australien bei 52 Prozent. Gestiegen ist es dagegen in Schwellenländern wie Indien und Brasilien. Dort geben 72 Prozent und 36 Prozent den Geldhäusern heute bessere Noten als noch vor einem Jahr.

Unter allen weltweit befragten Kunden sehen 22 Prozent die Banken gut vier Jahre nach dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise wieder positiver als 2011, in Deutschland sind dies nur fünf Prozent.

Neben der Euro-Krise und der damit verbundenen Sorge um das Ersparte auf Sparbüchern, Tagesgeld- und Festgeldkonten gibt es für das gestiegene Misstrauen unter den deutschen Kunden allerdings auch Gründe, die nicht gleich an den Grundfesten unseres Geldsystems rütteln.

So halten 56 Prozent der befragten Bürger in Deutschland Art und Umfang der Bonuszahlungen, die in der Finanzbranche gewährt werden, für unangemessen. 42 Prozent gaben an, dass die Qualität der Beratung und der angebotenen Produkte ein Grund seien, den Instituten heute skeptischer als vor zwölf Monaten gegen überzutreten.

Die Hausbank verliert an Bedeutung

Dazu passt, dass der Anteil jener Kunden, die in Deutschland bei mehr als einer Bank sind, von 59 Prozent im Jahr 2011 auf nun 62 Prozent gestiegen ist. Damit verliert der Hausbank-Gedanke auch hierzulande weiter an Bedeutung. Weltweit haben bereits 68 Prozent der Menschen Geschäftsbeziehungen zu mehreren Geldhäusern.

Deutsche Sparer gehen mehr und mehr dazu über, für jedes Produkt den passenden Anbieter zu suchen. Kunden wählen die Banken aus, die ihnen die besten Gebühren (51 Prozent) oder den besten Service (33 Prozent) für ein bestimmtes Produkt anbieten.

Doch auch bei der Zahl der Bankverbindungen spielt der Sicherheitsgedanke bei einigen Verbrauchern eine Rolle. Immerhin 13 Prozent der Befragten verteilen ihr Geld deshalb lieber auf mehrere Banken, um Risiken zu reduzieren.

Bankberater verliert an Bedeutung

Trotz der Sorge bezüglich der Verfassung der Branche ist die Loyalität gegenüber der eigenen Bank vor Ort weiter groß. Nur sechs Prozent der Deutschen planen in den nächsten zwölf Monaten einen Wechsel. In anderen Ländern sind Kunden schwerer zu halten. In Spanien denken 15 Prozent über einen Wechsel nach, in Italien zwölf Prozent.

Das gesunkene Vertrauen vieler Kunden zeigt sich zudem in ihrem Informationsverhalten. Verließen sich früher viele auf die Meinung des Beraters in der Filiale, sind ihnen heute Empfehlungen von Freunden und Familie, sowie von Vergleichsportalen im Internet sehr viel wichtiger.

Geht es um neue Produkte, nutzen 69 Prozent die Freunde und 58 Prozent die Portale als Informationsquelle. Auch Medienberichte liegen hier mit 49 Prozent vor Bankberatern mit 44 Prozent. Viele Kunden nehmen erst Kontakt mit ihrer Bank auf, wenn die Entscheidung bereits getroffen ist.

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