Sie befinden sich hier:
12.06.12Euro-Krise
Spanische und italienische Anleihen unter Druck
Das Rettungspaket der Euro-Zone für Spaniens Banken hat die Finanzmärkte nicht überzeugt. Schlimmer noch: Neben Madrid muss auch Rom wieder steigende Renditen für seine Staatsanleihen in Kauf nehmen.
Foto: DPA
Aktienhändler blicken in der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main auf ihre Bildschirme: Die nach dem Spanien-Hilfspaket einsetzende Erholungsrallye ist schon wieder verpufft
Der Druck auf die Staatsanleihen der Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien hält an. Die Kurse rutschten ab, im Gegenzug stiegen die Renditen. Auch die Kreditausfallversicherungen (CDS) für die Bonds beider Länder zogen weiter an.
Zehnjährige spanische und italienische Papiere wurden mit bis zu 6,663 Prozent (Vortag: 6,529) und 6,186 Prozent (Vortag: 6,038) verzinst. Fünfjährige Swaps zur Versicherung von spanischen Staatsanleihen (CDS) zogen um 10 Basispunkte auf 605 Basispunkte an, wie der Datenanbieter Markit mitteilte.
Damit beliefen sich die Kosten für die Versicherung von Anleihen über zehn Millionen Euro auf 605.000 Euro. Die CDS Italiens stiegen um 11 Basispunkte auf 561 Basispunkte.
"Das Kalkül aus Brüssel, dass die Finanzmärkte Spanien wieder günstiger Geld zur Verfügung stellen, wenn Madrids Hauptproblem – der problematische Bankensektor – entschärft ist, ist nicht aufgegangen", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar.
Der Dax bewegte sich sich nach dem knappen Vortagesplus wenig. Kurz nach Handelsstart präsentierte sich der deutsche Leitindex 0,08 Prozent höher bei 6145 Punkten. Der MDax sank um 0,04 Prozent auf 10.099 Punkte und für den TecDax ging es um 0,08 Prozent auf 738 Punkte bergab. Damit folgte der deutsche Aktienmarkt den schwachen Vorgaben aus Übersee.
An den Finanzmärkten war die anfängliche Freude über das Rettungspaket für Spaniens Banken bereits am Montag wieder verpufft. Es gebe noch zu viele ungeklärte Details, sagte ein Händler. Die Bankenhilfen sind der Ratingagentur Fitch
zufolge zudem nur ein Faktor für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Landes.
Der
Rettungsplan für die spanischen Geldhäuser könne zwar dabei helfen, das Rating
für die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auf dem gegenwärtigen Niveau
zu stabilisieren, sagte der für die Bonitätsnoten von Staaten zuständige
Fitch-Direktor Ed Parker der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei
aber nur ein Aspekt der Risiken, die Spanien und dem Rating drohten.
Eine
Verschärfung der Schuldenkrise in Spanien und in der Euro-Zone insgesamt könne
weitere negative Auswirkungen auf die Bonitätsnote haben. Fitch hatte vergangene
Woche das Rating für Spanien um drei Stufen von "A" auf "BBB" gesenkt und es
mit einem negativen Ausblick versehen.
Anleger richten ihr Augenmerk auf Italien
Investoren fürchten zudem, dass nun auch das hoch verschuldete Italien wieder verstärkt ins Visier der Märkte rücken könnte. Die Nervosität sei vor allem vor den Wahlen in Griechenland groß, erklärten Marktbeobachter. Bei den Parlamentswahlen in Athen am Sonntag wird de facto über den Verbleib des Landes der Euro-Zone entschieden.
"Es ist durchaus möglich, dass auch Italien die Staatengemeinschaft am Ende um Hilfe bittet", sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, "Handelsblatt Online".
Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, ist der Überzeugung, dass Euro-Länder wie Italien gegenüber der Konjunktur "verwundbar" bleiben. "Sollte sich die Konjunktur für Gesamteuropa in den kommenden Monaten massiv eintrüben, muss man europaweit über Maßnahmen nachdenken", sagte er "Handelsblatt Online".
Italiens Statistikamt hatte zuvor erklärt, dass die Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist und damit den drastischsten Rückgang seit drei Jahren verzeichnet.
Krämer erklärte, er gehe zwar davon aus, dass es Italien gelingen werde, sein Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. "Aber der als Reformer angetretene Ministerpräsident Mario Monti hat den verkrusteten italienischen Arbeitsmarkt nicht wesentlich reformieren können", fügte der Ökonom hinzu.
"Italien ist trotz gewisser Erfolge bei der Haushaltskonsolidierung ein wirtschaftlich angeschlagenes Land, das dringend Reformen bedarf", fasste Krämer zusammen.
Im Rettungsfonds EFSF stehen noch 250 Milliarden Euro für Hilfen an Euro-Länder zur Verfügung – für Länder insgesamt, für Bankenhilfen oder für Vorsorge-Kredite.
Das betrifft auch mögliche EFSF-Hilfen zur Rekapitalisierung spanischer Banken. Im Juli soll dann der dauerhafte Rettungsschirm ESM starten.
Der Schutzwall um die Euro-Zone summiert sich dann auf etwa 800 Milliarden Euro.
ERSTES GRIECHENLANDPAKET
Das im Mai 2010 aufgelegte internationale Hilfspaket von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und aus bilateralen Krediten der Euro-Partner umfasste 110 Milliarden Euro.
Bisher sind 73 Milliarden Euro in sechs Tranchen ausgezahlt worden, davon entfallen 52,9 Milliarden auf die Euro-Zone. Deutschland hat 15,17 Milliarden Euro beigesteuert, der IWF 20,1 Milliarden.
EFSF
Der erste, ebenfalls im Mai 2010 gestartete Rettungsschirm (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) kann Notkredite von bis zu 440 Milliarden Euro an Euro-Länder zahlen.
Davon sind bisher für Hilfsprogramme an Irland, Portugal und Griechenland rund 192 Milliarden Euro bereits verplant.
Von diesen zugesagten EFSF-Hilfen entfallen 17,7 Milliarden Euro auf Irland und 26 Milliarden Euro auf Portugal – der Rest auf Griechenland im Rahmen des zweiten Hilfspakets für Athen.
Das heißt, aus dem EFSF stehen noch rund 250 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen im Höchstfall dann 100 Milliarden für Spaniens Banken abgehen könnten. Bislang hat das Land 30 Milliarden Euro bekommen. Das kleine Euro-Land Zypern benötigt rund vier Milliarden.
ESM
Der dauerhafte Euro-Rettungsschirm soll am 1. Juli starten. Er verfügt über Notkredite von 500 Milliarden Euro. Um den Schutzwall zu erhöhen, wurde das maximale Hilfsvolumen Ende März auf rund 800 Milliarden Euro aufgestockt.
Diese Brandmauer setzt sich zusammen aus: den bisher zugesagten EFSF-Finanzhilfen für Griechenland, Irland und Portugal von fast 200 Milliarden Euro, dem Kreditvergabevolumen des ESM von 500 Milliarden Euro, den bisher im Rahmen eines weiteren europäischen Hilfsfonds (EFSM/Europäischer Finanzstabilisierungsmechanismus) für Irland und Portugal gewährten Hilfen von 49 Milliarden Euro sowie den bisher ausgezahlten Hilfen aus dem ersten Griechenland-Paket von 53 Milliarden Euro.
Quelle: Reuters/dpa/cat
Quelle: Reuters
09.06.12
1:03 min.
Spanien hat nach wochenlangem Zögern angekündigt, einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm zur Stabilisierung seiner Banken zu stellen. Bis zu 100 Milliarden Euro sollen fließen.
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten